Mehr als 50 Tote nach Rekordregen Argentinische Sintflut

Es waren die heftigsten Niederschläge seit über hundert Jahren: Nach Rekordregenfällen sind in Argentinien mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen, Zehntausende wurden obdachlos. Papst Franziskus rief zu Hilfsaktionen für seine Landsleute auf.


Buenos Aires - Mindestens 54 Menschen sind nach heftigen Regenfällen in Argentinien bei Überschwemmungen ums Leben gekommen. In La Plata, 60 Kilometer südlich von Buenos Aires, starben nach Angaben des Gouverneurs mindestens 46 Menschen. Sie ertranken oder erlitten tödliche Stromschläge. In der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires waren in der Nacht zum Mittwoch in knapp zwei Stunden 311 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, zahlreiche Menschen mussten dort von Dächern und Bäumen gerettet werden.

In Buenos Aires selbst waren bereits am Vortag acht Menschen umgekommen. Am frühen Dienstag fielen dort ebenfalls in zwei Stunden 110 Liter Regen. Insgesamt waren in der Hauptstadt 350.000 Menschen direkt von den Überschwemmungen betroffen. Rund eine Million Einwohner hatten zeitweise keinen Strom, teilte Planungsminister Julio de Vido mit.

Unterdessen rief Papst Franziskus die Öffentlichkeit zu Hilfsaktionen für seine Landsleute auf, von denen Zehntausende nach den Überschwemmungen obdachlos wurden. In einer Botschaft an seinen Nachfolger in Buenos Aires, Erzbischof Mario Poli, schrieb er, er bete für die Überlebenden des Unglücks, für die Toten und ihre Familien.

Durchschnittliche Regenmenge für April weit überschritten

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Überschwemmungen: Argentinien nach dem Rekordregen
Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner besuchte den überschwemmten Stadtteil Tolosa in La Plata, wo sie aufgewachsen ist. Ihre Mutter und ihre Schwester, die in Tolosa leben, seien wie die meisten Nachbarn ohne Licht und Wasser geblieben.

Der Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, unterbrach eine Reise in Brasilien. Er sagte, es habe sich um die zweitgrößte Regenmenge in der Hauptstadt an einem Tag seit 1906 gehandelt. Die durchschnittliche Menge für April sei weit überschritten worden.

Bei den Aufräumarbeiten in Buenos Aires türmten sich nasse Matratzen, Möbel und Elektrogeräte in den Müllcontainern auf den Straßen der überschwemmten Stadtteile. Einheiten der Grenzschutzpolizei installierten Feldküchen.

Bürgermeister Macri machte die Bundesregierung für die Folgen der Überschwemmung verantwortlich. Sie habe der Stadtverwaltung keine Erweiterung der unterirdischen Abflusskanäle finanziert. Der Meteorologische Dienst hat für Donnerstag neue Regenfälle von bis zu hundert Litern pro Quadratmeter in der Provinz Buenos Aires angekündigt.

rls/dpa/AP

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insgesamt 2 Beiträge
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sukowsky, 04.04.2013
1. Es fehlt der Wald
Jetzt kommt der Bumerang zurück! Über viele viele Jahrzehnte wurde der Waldbestand grausig dezimiert und kann nun nicht mehr als Puffer reagieren. Ebenso ist es in Paraguay, Brasilien, Uruguay usw. Menschheit wacht endlich auf! Geld ist nicht alles.
raber 04.04.2013
2. Sintflutverursacher Mensch
Leider auch in Argentinien. Nicht nur in Buenos Aires und La Plata wird rücksichtslos mit der Umwelt umgegangen. Und der Wald wird auch noch weiter dezimiert weil der Energieverbrauch steigt. Als kleines Beispiel. Viele Leute zahlen in Recoleta und Palermo eine monatliche Stromrechnung von ungefähr 10 Euro und für Wasser noch weniger. Das bringt auch mit sich, dass keiner auf diesen Konsum aufpasst (Wasserhahn tropft, Klimaanlage dauernd an, TV und Licht dauernd an, usw.) und dafür Ressourcen kapputgemacht werden. Und dies eine Generation nach der anderen. Der Staat ändert daran auch nichts (seit Jahrzehnten) weil es nicht populär wäre.
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