Überfall auf Gsell Ermittler betrachten Fall als aufgeklärt

Der tödliche Überfall auf den Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell ist nach Ansicht der Polizei aufgeklärt. Für die Tat machen die Fahnder einen 41-jährigen Autoschieber verantwortlich. Ein 33-jähriger Komplize soll ihm geholfen haben.


Gsell-Witwe Tatjana
DPA

Gsell-Witwe Tatjana

Nürnberg - Wie die Nürnberger Justizpressestelle heute mitteilte, wurde Franz Gsell Opfer eines selbst fingierten Versicherungsbetrugs. Gegen den Fahrer einer Autoschieberbande, den 41-jährigen A., wurde Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge erlassen. Gsells Frau Tatjana und ihrem Jugendfreund, dem Staatsanwalt Stefan M., werden versuchter Versicherungsbetrug und Vortäuschen eines Raubüberfalls zur Last gelegt.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte die 32-jährige Tatjana Gsell mit dem Autoschieber V. vereinbart, ihm ihren Mercedes SL für 30.000 Euro zu überlassen und den Wagen dann der Versicherung als gestohlen zu melden. Ihr Mann sollte das Geld in Empfang nehmen und die Fahrzeugpapiere und Schlüssel aushändigen. Als die Beschuldigten H. und A. den Mercedes im Auftrag des Bandenchefs am 5. Januar 2003 bei Gsell zu Hause abholen, aber nicht zahlen wollten, behielt der Arzt die Schlüssel.

Darauf schlug A. den 76-Jährigen zusammen, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Beim Sturz gegen das Treppengeländer erlitt Gsell Rippenbrüche und eine Lungenquetschung. Nach der Flucht der beiden Täter versteckten Gsell und der Staatsanwalt M. Uhr und Bargeld im Haus, um einen Raubüberfall vortäuschen zu können. Gsell starb zwei Monate später.

Tatjana Gsell und der 33-jährige H. legten Geständnisse ab, wie die Justiz mitteilte. Die Witwe war im Oktober nach sechs Monaten Untersuchungshaft freigelassen worden. Wenig später wurde auch der Haftbefehl gegen den Staatsanwalt aufgehoben. Der mutmaßliche Autoschieber A. ist laut Staatsanwaltschaft vielfach vorbestraft und sitzt derzeit in anderer Sache in Halle in Untersuchungshaft.



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