Überschwemmungen in Australien Tausende fliehen aus Brisbane

Australiens Millionenstadt Brisbane wappnet sich gegen die Fluten: Tausende haben die Metropole im Nordosten des Landes bereits verlassen, 15.000 Menschen müssen noch aus der Gefahrenzone gebracht werden. Politiker sprechen von der größten Bedrohung seit Jahrzehnten.


Brisbane - "Die Situation ist sehr ernst": Mindestens 6500 Wohnhäuser und Geschäftsgebäude könnten den Fluten anheimfallen, befürchtet der Bürgermeister der drittgrößten Stadt Australiens, Campbell Newman. Sollte der Pegel des Brisbane River wie erwartet ansteigen, werde für Donnerstag in der Zwei-Millionen-Metropole mit dem Schlimmsten gerechnet.

Dann könnten Experten zufolge Dutzende tief gelegene Viertel und Teile der Innenstadt überflutet werden. Brisbane verfügt über einen großen Staudamm, der nach schweren Überflutungen im Jahr 1974 gebaut wurde. Aber das Reservoir war so voll, dass die Behörden das Wasser trotz Überflutungsgefahr ablassen mussten.

Knapp 15.000 Menschen seien derzeit von den Wassermassen bedroht und müssten in Sicherheit gebracht werden, warnten die Behörden. Tausende Menschen haben das Zentrum bereits mit Bussen, Bahnen und Autos verlassen. Auch für Zootiere gibt es einen Notfallplan: Die Krokodile im städtischen Tierpark wurden vorsorglich angeleint, damit sie im Ernstfall nicht fortgespült werden.

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Flutwelle: Brisbane in Gefahr
"Ipswich und Brisbane stehen vor der größten Bedrohung und härtesten Bewährungsprobe der vergangenen 35 Jahre", sagte die Regierungschefin des Bundesstaates Queensland, Anna Bligh. Die Situation verschlechtere sich zunehmend. "Wir müssen um jeden Preis ruhig bleiben und zusammenhalten", sagte Bligh und rief die Bürger zu aktiver Nachbarschaftshilfe auf.

Mehr als 40 Menschen, die in einem Haus im Lockyer Valley von den Wassermassen eingeschlossen waren, konnten gerettet werden. In der kleinen Gemeinde Forest Hill wurden alle 300 Anwohner aus der Luft befreit. Militärhubschrauber suchten auch am heutigen Dienstag weiter nach Vermissten. Die Rettungsaktionen werden allerdings durch anhaltenden Regen und Stürme behindert.

Strom wird abgestellt

Der städtische Energieversorger Energex werde ab Mittwochmorgen 7 Uhr vorsorglich den Strom abstellen, berichtete couriermail.com. Etwa ein Dutzend Umspannwerke werden dann nicht mehr arbeiten, das Licht in 100.000 Wohnungen und Geschäftsräumen vorübergehend ausgehen. "Niemand sollte das alte Sprichwort unterschätzen, wonach Wasser und Strom sich nicht vertragen", sagte ein Sprecher von Energex, Mike Swanston. Unter den schwierigen Wetterbedingungen gehe Sicherheit vor. Zurzeit sind bereits 22.000 Haushalte in Queensland ohne Elektrizität.

Bei dem bereits seit Wochen andauernden Hochwasser kamen bislang 20 Menschen ums Leben, darunter vier Kinder. Eine Sturzflut hatte am Montag die westlich von Brisbane gelegene Stadt Toowoomba schwer getroffen, hier starben mindestens neun Menschen, 66 werden noch vermisst. Wie ein Tsunami war die etwa zwei Meter hohe Wasserwand durch das Tal gerauscht und hatte dabei Autos wie Spielzeuge in die Luft gewirbelt.

In der Region sollen laut Meteorologen etwa 150 Millimeter Regen in einer halben Stunde gefallen sein. Die reißenden Wassermassen verwüsteten die Kleinstadt und trieben die Einwohner dazu, auf Dächern und Bäumen Zuflucht zu suchen. Australiens Regierungschefin Julia Gillard warnte am Donnerstag, dass mit weiteren Todesopfern zu rechnen sei.

Polizeikommissar Bob Atkinson beschrieb die Katastrophe am Montag als einen "Inlands-Blitz-Tsunami". Landstraßen und Autobahnen wurden gesperrt, die Einwohner aufgefordert, ihre Häuser mit Sandsäcken zu sichern und sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.

Die Naturkatastrophe richtete bisher Schäden in Höhe von rund fünf Milliarden australischen Dollar (etwa 3,8 Milliarden Euro) an. Millionen Tonnen Obst, Getreide und Baumwolle wurden vernichtet, die Infrastruktur wurde teilweise zerstört. Mehr als 20 Städte wurden verwüstet. Dutzende Kohlebergwerke stehen unter Wasser, mit noch unabsehbaren Folgen für den weltweiten Kohlemarkt.

ala/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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snickerman 11.01.2011
1. Was?
Ich hatte es gestern auf BBC gehört, aber ich dachte, ich hätte mich VERhört: 150 MILLIMETER = 15 CENTIMETER Regen in einer HALBEN STUNDE!! Das ist unglaublich viel, bei uns (Niederrhein) wären das ZWEI MONATSNIEDERSCHLÄGE! Liebes bisschen, dann würde selbst hier alles absaufen. Die Aussies werden aber auch dermaßen gebeutelt, erst sieben Jahre Dürre und dann wirklich die Sintflut...
rsn62 11.01.2011
2. Seit 35 Jahren...
...war da nicht was, 1974? Vielleicht wären die seinerzeit geplanten und nur teilweise umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen eine bessere Investition gewesen als die Meerwasserentsalzungsanlage von Brisbane...
aprilapril 11.01.2011
3. Ja aber....
Zitat von sysopAustraliens Millionenstadt Brisbane wappnet sich gegen*die Fluten: Tausende haben die*Metropole im Nordosten des Landes bereits verlassen,*15.000 Menschen müssen noch aus der Gefahrenzone gebracht werden. Politiker sprechen von der "größten Bedrohung" seit Jahrzehnten. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,738835,00.html
einen Klimawandel gibt es nicht. Überschwemmungen hat es doch schon immer gegeben. Die Leugner dieses Naturereignisses begreifen erst, wenn sie hier bei uns ersaufen. Dann aber bitte keine Rettungsringe verteilen!
Bilby, 11.01.2011
4. Unvorstellbar!
Zitat von sysopAustraliens Millionenstadt Brisbane wappnet sich gegen*die Fluten: Tausende haben die*Metropole im Nordosten des Landes bereits verlassen,*15.000 Menschen müssen noch aus der Gefahrenzone gebracht werden. Politiker sprechen von der "größten Bedrohung" seit Jahrzehnten. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,738835,00.html
Ich lebe in Brisbane - gluecklicherweise auf einem Huegel. Alle Innenstadtbetriebe, Banken etc wurde gegen Mittag evakuiert, weil erwartet wurde, dass die Strassen, die aus der Stadt rausfuehren, wahrscheinlich geflutet und geschlossen wuerden. Wir mussten schnellstens unser Kind vom Kindergarten abholen, der wahrscheinlich unter Wasser stehen wird. Wir brauchten fuer die Fahrt nach Hause 2 Stunden (normalerweise 30 min), weil natuerlich alle aus der Innenstadt raus wollten und weil kleinere Erdrutsche Strassen zum Teil versperrten. Die Massen an Wasser und Regen, die hier involviert sind, sind unvollstellbar. Es hat hier seit Tagen gegossen - und wenn es hier giesst, dann ist das mit nichts in Deutschland vergleichbar. Ich hatte das nicht geglaubt, bevor ich es erlebte. In Toowoomba im Westen hat es gestern binnen Minuten eine Flut gegeben, die die Innenstadt praktisch weggefegt hat. Schiffscontainer sind durch die Innenstadt geschwemmt worden!!! Ich arbeite fuer den lokalen Energieversorger, und wir warten immer noch auf Nachricht von einigen Kollegen in Toowoomba, ob sie ok sind. Wir haben hier in Queensland seit Wochen Hochwasser. Rockhampton im Norden ist auch Land unter. Mein Buero hat fuer morgen erstmal geschlossen, aber da das schlimmste Do erwartet wird, werde ich wohl diese Woche nicht mehr auf Arbeit gehen. Wenn das das Schlimmste ist, was uns passiert, koennen wir froh sein. Die Supermaerkte sind leergekauft. Hoffen wir mal, der Strom bleibt an in unserem Stadtteil. Wenn ein Stadtteil geflutet ist, schalten sie natuerlich ab. Aber wir liegen hoch. Trinkwasser haben wir in grossen Laborkanistern gespeichert, und wir haben Lebenmittel fuer vielleicht eine Woche oder etwas mehr. Und doch gibt es immer noch Optimisten - in unserer Strasse haben alle die Muelltonnen fuer die Muellabfuhr morgen frueh rausgestellt ;-) Nimmt jemand Wetten an? Die Premierministerin hat gesagt, dass sie notfalls die gesamte Armee mobilisiert um zu helfen. Nun ist die Australische Armee nicht fuerchterlich gross. Falls jemand in Deutschland und Umgebung ein paar Hubschrauber samt Besatzung zur Hilfe uebrig hat, bitte rueberschicken ;-) Diejenigen unter Ihnen, die an die Wirksamkeit von Gebeten glauben, bitte ich, fuer die Menschen in SouthEast Queensland zu beten. Alle anderen bitte ich, sich in diesem Forum "lustiger" Bemerkungen zu enthalten und an die Menschen zu denken. Danke!
matthias_b. 11.01.2011
5.
Zitat von aprilaprileinen Klimawandel gibt es nicht. Überschwemmungen hat es doch schon immer gegeben. Die Leugner dieses Naturereignisses begreifen erst, wenn sie hier bei uns ersaufen. Dann aber bitte keine Rettungsringe verteilen!
Und, wollen Sie das in Frage stellen?
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