Überschwemmungen in Australien "Wir beten, dass die Pegel sinken"

dpa

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2. Teil: Die einen schleppen Sandsäcke, die anderen sonnen sich


Auch auf das Berufsleben hat die Flut große Auswirkungen. Serge Loode muss die nächsten Tage nicht zur Arbeit. Per Mail wurden alle Mitarbeiter der Universität dazu aufgerufen, dem Campus aus Sicherheitsgründen fernzubleiben.

Nachdem die Leute, die noch aus der Stadt wollten, am Dienstag kilometerlange Staus und Verkehrschaos verursacht hatten, rief Bürgermeister Newman alle auf, deren Häuser nicht in der Gefahrenzone sind, zu Hause zu bleiben. "Nur, wenn Ihre Arbeit für das Überleben der Stadt wichtig ist, brauchen wir Sie jetzt - wenn Sie zum Beispiel dafür sorgen, dass die Supermarktregale voll bleiben oder die Tankstellen versorgt werden."

Michael Schütz dagegen stand am Mittwochmorgen noch im OP-Saal. Doch zurzeit werden nur noch Notfälle behandelt. "Teilweise übernachtet die Belegschaft im Krankenhaus", so der Mediziner. Denn es ist nicht einfach, sich in Brisbane zu bewegen. Viele Straßen im Zentrum sind überflutet, Busse und die meisten Züge fahren nicht mehr.

Einige Bewohner nutzen die Golfplätze der Stadt, um Sandsäcke zum Auftürmen von Schutzwällen zu füllen. Menschen, die in der Nähe des Flusses leben, tragen ihre Möbel auf den Dachboden. Auch in der Kunstgalerie der Stadt werden die wertvollen Ausstellungsstücke in die obersten Stockwerke gebracht. Ein Kollege von Schütz ist Radiologe. Er versucht gerade, seine teuren Geräte zu retten.

Der Australier hält zusammen - und bleibt locker

Tausende Menschen sind bereits in Notunterkünfte oder zu Freunden geflohen. Mit Sirenenalarm werden auch die anderen Einwohner aufgerufen, vom Hochwasser bedrohte Gebäude zu verlassen. Der Zusammenhalt untereinander sei enorm und typisch für die Menschen, die hier lebten, sagt Serge Loode. Die Hilfe innerhalb der Nachbarschaft funktioniere gut, sagt auch Michael Schütz.

Diese Erfahrung hat auch Außenminister Kevin Rudd gemacht. "Ich stand auf der Duke Street, als plötzlich das Wasser kam, und aus dem Nichts tauchten die Leute auf. Wir haben Menschenketten gebildet, um die wichtigsten Sachen aus einem Haus zu retten - und nach ein paar Stunden war es geschafft - das sind sehr bewegende Erfahrungen", so Rudd, früher Regierungschef des Landes.

Die Straßen in Brisbane glichen denen in San Francisco, sagt Serge Loode. "Viele sind sehr steil, entsprechend schnell werden jene im Tal geflutet." So auch die Häuser unterhalb des Hügels, auf dem der 35-Jährige lebt. "Es ist schlimm zu sehen, wie einige Menschen alles verlieren. Da sind sehr tragische Schicksale dabei."

Der Kontrast in der Stadt könnte krasser nicht sein: Während die einen in manchen Vierteln gegen das verheerende Chaos kämpfen, genießen die, die auf dem Trockenen sitzen, den Sommer in vollen Zügen: "Die Straßen vor unserem Haus sind inzwischen trocken, ich sehe Leute am Pool sitzen und sich auf der Wiese sonnen. Das ist eines der beiden Gesichter von Brisbane", berichtet einer, der in einem höher gelegenen Stadtteil wohnt.

In einem Industriegebiet in der Nähe des Flughafens schauen der Weinhändler Tod Williams und seine Frau Nicole dagegen angstvoll auf das steigende Wasser. "Sehen Sie dieses total neue Gebäude da, dort sind für tausende Dollar Dom-Pérignon-Champagner und französische Weine eingelagert", so Williams. Er und seine Mitarbeiter hätten den Champagner und den Wein zum Schutz vor den Fluten mit Plastikfolie eingewickelt und Sandsäcke vor dem Lager aufgeschichtet. "Das ist im Moment alles, was wir tun können."

"Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, weine ich"

Ähnlich geht es Leanne Porter. Sie lebt in Logan, etwa 30 Autominuten von Brisbane entfernt. Eigentlich fährt sie wochentags immer ins familieneigene Malerei-Fachgeschäft in der City, gemeinsam mit ihrem Mann. Doch Leanne geht seit Tagen nicht zur Arbeit. Als die ersten Flutwarnungen eingingen, entschied sie sich, mit ihren beiden Kindern, zwei und vier Jahre alt, zu Hause zu bleiben. Leannes Mann ist noch in Brisbane, "er wacht über unseren Laden", so Leanne.

Das Geschäft der Porters steht unweit des Breakfast Creek, ein Nebenarm des Brisbane River. "Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, weine ich", sagt die Australierin. Vor ein paar Stunden habe sie noch mit ihrem Mann telefoniert, "das Wasser steht ihm bis zur Hüfte." Er und seine Mitarbeiter räumen rund um die Uhr Gegenstände und Wertsachen aus den Geschäftsräumen, schlafen im oberen Stockwerk. "Einen Weg nach draußen gibt es im Moment nur über ein Rettungsboot. Wir hoffen immer noch, dass es nicht schlimmer wird - und beten, dass die Pegel sinken", sagt Leanne Porter.

Mitarbeit: Annett Meiritz

insgesamt 3 Beiträge
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sic tacuisses 12.01.2011
1. Beten hilft da ganz sicher.........................
Zitat von sysopAusnahmezustand im Osten Australiens: Nach verheerenden Regenfällen*sind Teile der Millionenstadt Brisbane überflutet. Der Kontrast in der Metropole könnte nicht größer sein. Während die einen um ihr Eigentum kämpfen, liegen die anderen in der Sonne. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,739169,00.html
Beteigueze, 13.01.2011
2. La Ninja
das Mädchen wird den Aussies noch so manchen nassen Fuß bescheren. Klick (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10026&detailid=833363)
jenom, 13.01.2011
3. Beten? Quatsch!
Einige bauen Dämme, andere beten. Gib dich mit Gläubigen ab und du bist verloren. Man hätte lieber was für den Klimaschutz getan, anstatt zu beten. Wer betet hat keine Zeit zum Denken und Handeln, Gläubige sind Last und Gefahr für die Gesellschaft und die Menschheit. Traurig, dass inzwischen sogar Deutschland durch eine religiöse Kanzlerin gefährdet ist.
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