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Hochwasser in Europa: Die Folgen der Flut

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Überschwemmungen in Europa Hochwasser nähert sich Deutschland

Das Hochwasser in Mitteleuropa hat mindestens acht Todesopfer gefordert. In Polen ist die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau bedroht. Wetterexperten warnen jetzt davor, dass das Hochwasser am Wochenende Deutschland erreichen könnte.

Potsdam - Die Hochwasserflut in Mitteleuropa richtete verheerende Schäden an: Mindestens sieben Menschen starben, viele Ortschaften, Häuser und Felder wurden überschwemmt. Besonders schlimm waren bislang Ungarn, Polen, die Slowakei und Tschechien betroffen, wo extreme Regenfälle dazu geführt hatten, dass Oder, Weichsel und weitere Flüsse über die Ufer traten.

In Polen starben mindestens sechs Menschen durch das Hochwasser, zwei weitere gelten als vermisst. In der Nähe von Bielsko-Biala im Süden des Landes wurde die Leiche eines 67-Jährigen aus den Fluten eines normalerweise ungefährlichen Bachs gezogen, wie Rettungskräfte am Mittwoch mitteilten. Damit erhöhte sich die Zahl der Hochwasser-Opfer allein in Polen auf sechs. Ein Feuerwehrmann kam zudem bei einer Rettungsaktion ums Leben.

Die Lage im Land bleibt weiterhin angespannt, besonders der Süden Polens ist gefährdet. In der Nacht zum Mittwoch ist ein Damm der Weichsel gebrochen, etwa 500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten waren im Einsatz. In der Nacht zeigte der Pegel der Weichsel 9,57 Meter an - so viel wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Das Hochwasser bedroht die Gedenkstätte im ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Nach neuen Regenfällen hätten sich die Unterspülungen der Gebäude, Wege, Baracken und Ruinen auf dem Gelände ausgeweitet, sagte ein Sprecher des Museums am Mittwoch. Zudem sei der Pegelstand des Flusses Weichsel so hoch, dass das Wasser über einen Damm gelaufen ist. Das Wasser sei nur noch wenige hundert Meter vom Lagergelände in Birkenau entfernt.

Hunderte Helfer befestigten zusammen mit den Mitarbeitern der Gedenkstätte einen Schutzwall, berichtete die Nachrichtenagentur PAP. Aus dem Gebäude, in dem einst die Häftlinge nach ihrer Ankunft registriert worden waren, musste die dort ausgestellte Sammlung in Sicherheit gebracht werden.

Die Lage um das rund drei Kilometer von Birkenau entfernte Stammlager Auschwitz sei dagegen besser. Vom dortigen Fluss Sola gehe derzeit keine Gefahr aus. Die gesamte Gedenkstätte war bereits am vergangenen Montag für Besucher geschlossen worden. Wertvolle Exponate und Archivbestände wurden aus dem Erdgeschoss in die höheren Etagen gebracht.

In Tschechien galt am Mittwoch noch in zehn Ortschaften Hochwasseralarm, was bereits eine Entspannung der Lage darstellt: am Dienstag waren es noch 15 Orte gewesen. In der Gemeinde Trouky, die im Jahr 1997 besonders unter der Jahrhundertflut litt, stand das Wasser bis zu 1,30 Meter hoch. Um die Fluten zu bekämpfen, habe Tschechien eine grenzübergreifende Zusammenarbeit mit der Slowakei und Polen geplant, so ein Regierungssprecher.

Verschärfte Lage in Ungarn

In der Slowakei bessert sich die Situation langsam, das Hochwasser ging in der Nacht auf Mittwoch in den meisten Teilen des Landes zurück. Nur in einer nordslowakischen Region an der Grenze zu Polen stieg das Wasser weiter an. Trotzdem waren am Mittwochvormittag noch Tausende Soldaten im Einsatz, um die Feuerwehr bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten zu unterstützen.

In Ungarn verschärfte sich die Lage am Dienstag: An sechs Flüssen herrschte entlang einer Strecke von 770 Kilometern Hochwasseralarm, etwa 2300 Menschen wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes vor der Flut in Sicherheit gebracht.

Unterdessen steigt die Gefahr von Überschwemmungen in Deutschland: Stefan Laps vom Wetterdienst Meteomedia sagte SPIEGEL ONLINE, das Hochwasser werde voraussichtlich zwischen Freitag und Samstag den Raum Frankfurt/Oder erreichen.

Er geht davon aus, dass die Alarmstufe 3 dort knapp überschritten wird - dafür ist am Pegel Frankfurt ein Stand der Oder von 5,30 Meter erforderlich. Die Zustände von der großen Flut aus dem Jahre 1997 werden aber wohl nicht erreicht, so der Experte. Die Schifffahrt auf der Oder wird jedoch vermutlich eingestellt werden müssen, "der höchstschiffbare Wasserstand liegt bei 4,90 Meter, und der wird voraussichtlich überschritten".

Keine Besserung zu erwarten

Nach Angaben von Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) bestehe aber kein Grund zur Panik. Der Präsident des Landesumweltamts, Matthias Freude, weist auf den stabilen Zustand der Brandenburger Dämme hin, dieser sei so gut wie nie zuvor. Seit der verheerenden Flut von 1997 seien die Deiche auf deutscher Seite auf 160 Kilometer Länge erneuert worden.

Eine Entspannung der Wetterlage ist vorerst nicht zu erwarten, so Stefan Laps gegenüber SPIEGEL ONLINE: Donnerstag, Freitag und am Wochenende erwartet der Wetterdienst weiterhin kräftige Schauer und Gewitter - vor allem für den Bereich Tschechien, Ungarn und Polen.

Welche Gebiete am meisten betroffen sind, sei noch nicht zu sagen. Auch die Folgen der weiteren Unwetter könne man noch nicht abschätzen, so Stefan Laps. "Eine Besserung der Lage ist aber definitiv noch nicht in Sicht."

tro/dpa
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