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Überschwemmung: Land unter in Pakistan

Foto: Arshad Arbab/ dpa

Überschwemmungen in Pakistan Flut fordert über 1000 Tote

Pakistan wird von der schlimmsten Flutkatastrophe seit langer Zeit heimgesucht. Mehr als 1100 Menschen sind ums Leben gekommen, Zehntausende von der Außenwelt abgeschnitten, bis zu eine Million wartet auf Hilfe. Jetzt werden erste Fälle von Seuchenkrankheiten gemeldet - und neuer Regen steht bevor.

Islamabad - Überschwemmte Dörfer, hilflose Menschen, Angst vor Seuchen: Nach heftigen Monsunregen und Überschwemmungen ist im Norden Pakistans die Zahl der Toten auf mehr als 1100 gestiegen. Mehr als 30.000 Rettungskräfte und Militäreinheiten waren am Wochenende im Einsatz.

Von Hubschraubern aufgenommene Bilder des pakistanischen Fernsehens zeigten Menschen, die in ihren Dörfern auf den Dächern beschädigter Häuser Schutz vor den reißenden Fluten suchen. Andere bahnen sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuß einen Weg durch die Wassermassen.

Die Behörden richteten in Schulen Notunterkünfte ein, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. In der pakistanischen Millionenstadt Peschawar trafen Hunderte Überlebende der Überschwemmungen ein, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. "Mein Haus ist überflutet. Ich konnte nur mit ein paar Sachen entkommen", sagte die 48-jährige Razia Bibi. Der 25-jährige Muqaddir Khan berichtete, dass ihm das Hochwasser alles genommen habe. "Ich habe drei Jahre lang hart in Saudi-Arabien gearbeitet, um mir einen kleinen Laden aufzubauen - der innerhalb von Minuten weggespült wurde."

Die meisten Opfer gab es in den Distrikten Shangla und Swat. Nach Behördenangaben wurden dort bereits mehrere Cholerafälle gemeldet. In vielen Massenunterkünften wächst wegen mangelnder Hygiene die Gefahr von Seuchen. Ein Arzt aus einem Notlager mit Hunderten obdachlos gewordenen Menschen berichtete von Hautausschlägen und Durchfallerkrankungen.

Nach heftigen Regenfällen waren Flüsse über die Ufer getreten und überfluteten ganze Landstriche. Nach offiziellen Angaben wurden bislang etwa 400.000 Menschen obdachlos. Ganze Dörfer seien von der Außenwelt abgeschnitten. Allein in Swat sollen die Fluten 14.600 Häuser und 22 Schulen zerstört haben. Ein Armeesprecher sagte am Sonntag, etwa 19.000 Menschen seien mit Hubschraubern und Booten aus den Überschwemmungsgebieten in Sicherheit gebracht worden. Medien des Landes berichteten von den schlimmsten Überschwemmungen in der Region seit mehr als 80 Jahren.

Nach Angaben der Uno sind rund eine Million Menschen von der Flut betroffen. Das Uno-Büro für humanitäre Hilfe in Pakistan teilte mit, die Rettungskräfte könnten sich noch immer kein klares Bild vom kompletten Ausmaß der Katastrophe machen. "Wir haben noch kein vollständiges Bild, weil die Kommunikationswege zusammengebrochen sind. Wir haben noch immer Schwierigkeiten, unsere Büros in den Distrikten Nowshera, Swat und Charsada zu erreichen", sagte der Leiter des Büros, Manuel Bessler, dem britischen Sender BBC. Weil viele Gebiete noch unzugänglich sind, könnte sich die Zahl der Toten weiter erhöhen, sagte ein Sprecher der Katastrophenbehörden, Adnan Khan.

Warnungen vor weiteren Regenfällen

Der Informationsminister der besonders getroffenen Nordwest-Grenzprovinz Khyber-Pakhtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain, bat die internationale Gemeinschaft um rasche Hilfe. Sollte es keine Unterstützung für die örtlichen Rettungskräfte geben, "könnte die Situation zu einem großen humanitären Desaster" werden, sagte er.

Die Europäische Union stellte 30 Millionen Euro Soforthilfe für das Land bereit. Auch die Bundesregierung sagte dem Land finanzielle Hilfe zu. Mit dem Geld der EU sollen Notunterkünfte, Decken sowie die Aufbereitung von Trinkwasser und der Bau von Toiletten finanziert werden. Die humanitäre Hilfe sei nicht nur für Flutopfer bestimmt, sondern auch für Menschen, die vor Gewalttaten oder Terroranschlägen auf der Flucht seien. Das Geld werde an Betroffene gehen, die ihr Hab und Gut verloren haben oder deren Häuser zerstört wurden. "Die Sicherheitslage und die humanitäre Situation in Pakistan sind sehr unsicher", sagte die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva.

Angesichts des Ausmaßes der Überschwemmungen erhöhte die Bundesregierung ihre Hilfen auf bis zu eine Million Euro. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) erklärte am Samstag, mit weiteren 500.000 Euro aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung solle eine schnelle Versorgung der Notleidenden mit Nahrungsmitteln ermöglicht werden. Zuvor hatte bereits das Auswärtige Amt bis zu 500.000 Euro unter anderem für Notunterkünfte, Decken und Trinkwasser zur Verfügung gestellt.

Der Monsun beginnt in Südasien in der Regel Anfang Juni und dauert bis September. In diesem Zeitraum wandert das Regengebiet vom Süden des indischen Subkontinents in Richtung Norden. Den Nordwesten Pakistans hatte der Monsun Mitte Juli erreicht. Bei den Unwettern sterben jährlich viele Menschen, schwere Schäden werden verursacht.

Die Meteorologen warnten am Sonntag vor weiteren heftigen Regenfällen.

sto/dpa/AFP/apn
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