Überschwemmungen Millionenmetropole versinkt im Monsunregen

Braune Wassermassen überschwemmen die indonesische Hauptstadt Jakarta. Etliche Wohnviertel sind bereits bis zu zwei Meter überflutet, rund 100.000 Menschen evakuiert, doch der Regen hört nicht auf. Viele Betroffene stehen vor dem Nichts, die Stadt vor einer Katastrophe.


Jakarta - Nach tagelangen Regenfällen haben heftige Überschwemmungen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta über 100.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Hunderte Familien hätten Schutz in Notunterkünften gesucht oder müssten zum Teil in höher gelegenen Straßenzügen campieren, wie Rettungskräfte am Samstag mitteilten.

Zwar seien Soldaten zur Evakuierung der Betroffenen etwa mit Schlauchbooten im Einsatz. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe allerdings seien die Helfer überfordert. Bereits am zweiten Tag kam die Versorgung mit Hilfsgütern ins Stocken. Aufgrund unzureichender Transportfahrzeuge, berichtet die "Jakarta Post", seien die Bewohner in mindestens drei Stadtvierteln bisher ohne Nahrungsmittelhilfe.

Knapp wird nun auch das Trinkwasser. Aus Sicherheitsgründen hatten die Behörden in einzelnen Stadtteilen die Strom- und Wasserversorgung sowie die Telefonleitungen unterbrochen. Das Wasser stand bis zu zwei Meter hoch in den Straßen der Metropole, die von 13 Flüssen durchzogen wird.

Seuchengefahr

Betroffen sind bisher neben 33 Stadtbezirken von Jakarta auch zahlreiche ländliche Bezirke. Das überflutete Gebiet sei so groß, sagte am Samstag ein Behördensprecher, das längst noch nicht alle Betroffenen evakuiert werden konnten. Am Samstagmittag entsandte das indonesische Militär 1.729 Soldaten als Fluthelfer nach Jakarta und in die umliegenden Bezirke.

Viel mehr als Fluthilfe mit Schlauchbooten und LKWs vermag die indonesische Regierung allerdings nicht zu leisten. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono nutzte eine Ortsbegehung eines Flutgebietes am Freitag, um das Parlament davor zu warnen, das Budget für ein geplantes Kanalsystem zu kürzen: Das wachsende Flutproblem sei nur mit baulichen Maßnahmen unter Kontrolle zu bekommen.

Die Flut der letzten zwei Tage ist womöglich nur der Vorbote einer sich ankündigenden humanitären Katastrophe. Meteorologen warnen, dass die heftigen Regenfälle noch bis zu zwei Wochen anhalten könnten. Schlechte Nachrichten für die Behörden der Stadt, die schon jetzt ein Brechen mehrerer Fluss-Dämme befürchten. Für Samstagabend wurde ein neuer Höhepunkt der Flut erwartet, mit Wasserhöhen über drei Meter in manchen überfluteten Bezirken.

Das könnte die Flutsituation in der offiziell von acht Millionen, nach inoffiziellen Schätzungen sogar zwölf Millionen Menschen bewohnten Metropole weiter verschärfen. Bisher starben fünf Menschen in den Fluten.

Heftige Regenfälle sind zu dieser Jahreszeit nichts ungewöhnliches in Indonesien. Die Regenmengen der letzten Tage allerdings sind die höchsten seit fünf Jahren und haben überall im Land zu erheblichen Behinderungen geführt. Die Überflutungen mit den einhergehenden Versorgungsengpässen beim Trinkwasser erhöhen auch das Risiko von Krankheiten. Bereits im Vorfeld der Flut hatten die Gesundheitsbehörden in Jakarta eine ungewöhnlich hohe Zahl von Kranken mit Dengue-Fieber gemeldet. Gemeldet sind in der Hauptstadt bisher 2.404 Kranke und acht Todesfälle seit Mitte Januar. Die Zahl solcher Fiebererkrankungen steigt in der Regenzeit.

pat/AFP/rts

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