Ufo in Bremen "Es war dann schon ziemlich ruhig an Bord"

Wegen eines unbekannten Flugobjekts war der Verkehr am Bremer Flughafen stundenlang gesperrt. Doch was löste den Ufo-Alarm aus? Ein Zeuge berichtet SPIEGEL ONLINE von einem nicht beleuchteten Helikopter. Die Polizei und die Deutsche Flugsicherung tappen im Dunkeln.
Von Gesa Mayr
Fluglotse auf dem Tower am Flughafen in Bremen: Ufo-Alarm in der Hansestadt

Fluglotse auf dem Tower am Flughafen in Bremen: Ufo-Alarm in der Hansestadt

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Bremen - Ufo-Alarm in Bremen: Am Montagabend entdeckten Mitarbeiter der Flugsicherung ein unbekanntes Flugobjekt im Luftraum des Bremer Flughafens. Wer oder was den Flugverkehr störte, ist nicht geklärt. Doch etwas lag definitiv in der Luft. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sperrte den Flugverkehr. Eine Maschine aus München musste umgeleitet werden, ein Flieger aus Frankfurt durfte gar nicht erst starten. Alles wegen des Ufos, das bereits über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen  macht.

Und auch für die umgeleiteten Passagiere war die Ufo-Sichtung unheimlich. "Ich bin ja einiges gewöhnt", sagt Herbert Kotzab, 48, österreichischer Professor an der Uni Bremen und laut eigener Aussage erprobter Pendler SPIEGEL ONLINE. "Aber da wurde ich schon nervös." Die Münchner Maschine der Lufthansa habe sich schon im Landeanflug befunden, als sie plötzlich wieder nach oben zog. Ein Helikopter habe den Flugweg gekreuzt, habe der Pilot daraufhin den 76 Passagieren gesagt.

Erneut sei der Flieger über dem Airport gekreist, doch auch der nächste Landeversuch sei gescheitert. Laut Kotzab erklärte der Pilot: "Wir waren auf Kollisionskurs." Ein Flugbegleiter habe ihm erklärt, was das bedeutet: Man sei 15 Sekunden vom Zusammenprall mit dem Ufo entfernt gewesen.

"Es war dann schon ziemlich ruhig an Bord", sagt Kotzab. Einige Passagiere seien auf der Toilette verschwunden. Allgemein sei er jedoch von der Gefasstheit des Personals und seiner Mitreisenden beeindruckt. "Es ist keine Panik, keine Hektik ausgebrochen." Der Pilot habe mitgeteilt, dass es sich bei dem Objekt um einen unbeleuchteten Helikopter handele, der unter dem Radar fliege. Der Tower habe ihn nicht kontaktieren können. Man wisse nicht, was los sei, wolle aber versuchen zu landen.

Eine Stunde habe das Flugzeug nach den zwei fehlgeschlagenen Landeversuchen in der Luft über dem Airport ausgeharrt, bis der Pilot verkündete, dass man den Ersatzflughafen in Hannover anfliegen werde. "Wir sollten uns keine Sorgen machen, der Flieger sei aufgetankt", erinnert der Professor die Worte des Piloten.

Die Bremer Polizei ermittelt unterdessen wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr. Doch die Ermittler tappen im Dunkeln. "Wir haben leider überhaupt kein Bildmaterial", sagte Sprecherin Ines Roddewig SPIEGEL ONLINE. Bei dem Flugobjekt könne es sich um alles Mögliche handeln.

Nachdem die Meldung über ein Ufo einging, habe man mehrere Streifen zum Airport geschickt. Aus dem niedersächsischen Oldenburg wurde demnach sogar ein Hubschrauber angefordert, der den Flugraum absuchte. Ohne Erfolg, das mysteriöse Objekt war nicht zu finden. Eine Streife konnte die Sichtung eines Objekts zwar bestätigen, machte jedoch keine Aufnahmen.

Am Bremer Flughafen läuft mittlerweile alles wieder nach Plan. Die Aufregung um das Ufo bleibt. Was weiß die Deutsche Flugsicherung? Antworten von DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

SPIEGEL ONLINE: Frau Kelek, ein Fluglotse hat gestern am Bremer Flughafen ein unbekanntes Flugobjekt gemeldet. Was genau hat er denn gesehen?

Kelek: Er hat ein unbekanntes Flugobjekt gesehen, das sich im Endanflug auf die Piste befand. Entgegen der Berichte hat das Ufo jedoch nicht geleuchtet und tauchte auch nicht auf den Radaren der Kollegen in der Kontrollzentrale auf. Der Fluglotse hat es mit bloßem Auge gesehen.

SPIEGEL ONLINE: Dann muss es ja relativ groß gewesen sein. Ein Augenzeuge hat uns berichtet, dass der Pilot der umgeleiteten Maschine von einem unbeleuchteten Helikopter sprach.

Kelek: Unser Kollege hat weder Größe noch Form des Ufos abschätzen können. Auch über die Flughöhe können wir nichts sagen. Es kann also alles Mögliche gewesen sein, vom Heißluftballon bis zum Hubschrauber.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin war es bedrohlich genug, um den Flugverkehr einzustellen.

Kelek: Die Fluglotsen im Tower und in der Kontrollzentrale sind dafür verantwortlich, die Flugzeuge sicher durch den Luftraum zu bringen. Die Bewegung des Ufos war nicht abzuschätzen, und dann ist es sicherer, die Flugzeuge fernzuhalten.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagiert man im Fall der Sichtung eines Ufos?

Kelek: Da er keinen Kontakt mit dem Ufo aufnehmen konnte und auch nicht wusste, wie sich das Objekt verhält, hat er die herannahende Maschine gewarnt. Der Pilot ist dann zweimal durchgestartet und hat sich schließlich entschieden, den Alternativflughafen in Hannover anzufliegen.

SPIEGEL ONLINE: Kommt so etwas häufiger vor?

Kelek: Nein, das ist einmalig in der Geschichte der Deutschen Flugsicherung. Es kommt schon mal vor, dass sich ein Segelflugzeug verirrt. Doch dass der Flugverkehr wegen eines unbekannten Flugobjekts gestört wird, das die Polizei nicht einmal mit einem Hubschrauber entdeckt - das ist wirklich außergewöhnlich.

SPIEGEL ONLINE: Apropos außergewöhnlich. Können Sie einen außerterrestrischen Besuch ausschließen?

Kelek: Wir können weder etwas ein- noch ausschließen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es für diesen Fall ebenfalls ein festgelegtes Prozedere?

Kelek: Es ist zwar so noch nicht vorgekommen, aber zur Wahrung der Sicherheit gibt es immer Verfahren. Jeder Pilot erhält von uns eine Landeerlaubnis - wenn wir seine Sprache verstehen.