Uganda Größter Sektenselbstmord seit 20 Jahren

Über 600 Menschen der Weltuntergangssekte "Die Zehn Gebote Gottes" haben sich im Südwesten Ugandas in einer Kirche versammelt und sich dann verbrannt.


Kampala - Der Ort Kanungu im Südwesten Ugandas ist am Freitag Schauplatz eines der größten Massenselbstmorde der letzten Jahrzehnte, dem größten in der Geschichte des westafrikanischen Staates geworden. Wie die Regierungszeitung "The Sunday Vision" am Sonntag in Ugandas Hauptstadt Kampala meldete, seien in einer Kirche bis zu 650 tote Körper von Mitgliedern der Sekte "Die zehn Gebote Gottes" aufgefunden worden. Die meisten Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Verkohlte Leichen in der Kirche von Kanungu
AP

Verkohlte Leichen in der Kirche von Kanungu

Am Samstag hatte es zunächst geheißen, mindestens 230 Anhänger des Weltuntergangskults seien Opfer der Flammen geworden. Polizeisprecher Eric Naigambi: "Es herrscht ein totales Durcheinander. Viele Menschen aus umliegenden Dörfern melden Verwandte als vermisst. Sie haben Angst, dass sie unter den Toten sind." Es sei sehr schwer, die genaue Totenzahl zu ermitteln.

Die Sektenmitglieder hatten sich in Kanungu verbarrikadiert, dann nach stundenlangem Singen mit Benzin übergossen und angezündet. Unter den Toten sind viele Frauen und Kinder. Sektenführer "Prophet" Joseph Kibweteere hatte seine Anhänger aufgefordert, ihren "irdischen Besitz zu verkaufen und sich auf die Fahrt in den Himmel vorzubereiten".

Bewohner von Kanungu berichteten, sie hätten am Freitag nach einer Feier plötzlich die Kirche in Flammen gesehen, Schreie und Gewimmer gehört. Sehr schnell habe dann aber Stille geherrscht. "Sie wussten, dass sie sterben werden", zitierte "The Sunday Vision" eine Zeugin. Ihnen sei erklärt worden, dass die Jungfrau Maria am 17. März erscheinen und sie in den Himmel führen werde.

Die Sekte "Die Zehn Gebote Gottes" ist eine von der ugandischen Regierung anerkannte Abspaltung der katholischen Kirche und wurde als Nichtregierungsorganisation (NGO) registriert. Die Sekte wurde von drei exkommunizierten Priestern und zwei Nonnen geleitet. Der "Prophet" Kibweteere hatte den Weltuntergang für den 31. Dezember 1999 vorhergesagt. Später verschob der Führer, der seinen Anhängern sowohl Ausbildung als auch moderne Medizin verboten hatte, den Termin um ein Jahr. Im Nachbarland Kenia spekulierte die Presse darüber, ob sich der selbst ernannte "Prophet" mit seinem Stellvertreter nach Europa abgesetzt habe.



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