Ukraine Grubenunglück mit 36 Toten

Bei einer der schwersten Grubengas-Explosionen in der Ukraine sind am Sonntag mindestens 36 Bergleute getötet worden - 15 Arbeiter werden noch vermisst.


Kiew - Unter Tage behinderte ein Feuer die Retter, meldete die Agentur Itar-Tass unter Berufung auf die Betreiber der Schachtanlage Sasjadko im ostukrainischen Donezk. Das Grubengas Methan explodierte aus bislang unbekannter Ursache am Sonntagmorgen. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich 43 Bergleute an der Unfallstelle. Insgesamt arbeiteten etwa 260 Sasjadko-Bergleute unter Tage. Das Feuer hinderte die Rettungsmannschaften daran, näher als 100 Meter an die Verschütteten zu gelangen.

Das Werk ist das größte und zugleich eines der gefährlichsten Bergwerke der Ukraine. Bereits im Mai 1999 kamen dort insgesamt 41 Bergleute bei einer Explosion unter Tage ums Leben. Die ukrainischen Bergwerke zählen zu den gefährlichsten in Europa. Veraltete Sicherheitstechnik und Schlamperei unter Tage verschuldeten im vergangenen Jahr nach Angaben von Interfax den Tod von 318 ukrainischen Bergleuten. Von den insgesamt 209 Bergwerken des Landes wurden in den vergangenen zwanzig Jahren nur acht Anlagen modernisiert.

Statistisch kamen in der Ukraine in den vergangenen Jahren auf eine Million Tonnen geförderte Kohle fünf tote und 350 verletzte Bergleute. Die meisten Bergwerke sind seit langem unrentabel. Der Staat scheut Schließungen, weil es keine anderen Arbeitsplätze für die Bergleute in der Region Donbass gibt.

Staatspräsident Leonid Kutschma ordnete am Sonntag die Bildung einer Regierungskommission zur Untersuchung der Grubenkatastrophe an. Der stellvertretende Regierungschef Oleg Dubina soll am Montag in Donezk eintreffen.

Die halbstaatliche Sasjadko-Holding war von dem umstrittenen früheren Regierungschef und heutigen Kutschma-Vertrauten Jefim Swjagilski übernommen worden. Dem Politiker und Geschäftsmann waren illegale Verkäufe von staatlichen Energiereserven in seiner Amtszeit als Regierungschef bis 1994 vorgeworfen worden. Die Schachtanlage Sasjadko fördert pro Jahr etwa 3,5 Millionen Tonnen.



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