Ulrike Sie wurde Opfer eines Sexualmörders

Bei der gefundenen Leiche handelt es sich um die 12-jährige Ulrike. Auf einer Pressekonferenz bestätigten die Ermittler: Das Mädchen wurde Opfer eines Sexualverbrechens. Die Belohnung für Hinweise wurde auf rund 120.000 Mark erhöht.


Ulrike
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Potsdam/Eberswalde - Der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber teilte am Freitag vor Journalisten in Eberswalde mit, das am Donnerstag in der Nähe von Werneuchen tot aufgefundene Kind sei "noch zu Lebzeiten sexuell missbraucht worden".

Ulrike sei mit hoher Wahrscheinlichkeit noch am Tag ihres Verschwindens umgebracht worden. Der Tod sei durch "Kompression im Halsbereich" - also Erwürgen oder Erdrosseln - eingetreten. Das habe die Obduktion der am Vortag in Werneuchen gefundenen Leiche ergeben, so der Staatsanwalt. Die Ermittlungen der Polizei bewegten sich in Richtung eines Sexualstraftäters und Mörders, ergänzte die Eberswalder Polizeipräsidentin Uta Leichsenring.

Die Ermittler sind sich nach Webers Worten jetzt sicher, dass Ulrike in einem weißen Volkswagen vom Typ Polo verschleppt wurde, der wenige Stunden nach ihrem Verschwinden im 30 Kilometer entfernten Bernau ausgebrannt gefunden worden war. Es gebe eindeutige Verbindungen zwischen dem Fundort von Ulrikes Leiche und dem ausgebrannten Auto. Leichsenring präsentierte vor Journalisten ein neues Phantombild. Das Bild sei auf Grund einer neuen Zeugenaussage gefertigt worden, sagte die Polizeipräsidentin.

Hinweis kam aus der Bevölkerung

Spezialisten untersuchen den Fundort der Leiche in Werneuchen
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Spezialisten untersuchen den Fundort der Leiche in Werneuchen

Ein Spaziergänger hatte die Leiche in einem einsamen Waldstück nahe des Flugplatzes Werneuchen (Kreis Barnim) - rund 30 Kilometer von Ulrikes Wohnort entfernt - entdeckt, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Nach Angaben des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) hatten Anwohner vor einigen Tagen nahe dem Fundort Schreie gehört. Die Polizei sei angerückt, habe aber keine Hinweise auf Ulrike entdeckt. Die Polizei bestätigte diese Darstellung nicht. Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass ein anonymer Anrufer den Ermittlern vor einigen Tagen gesagt habe: "Sucht mal am Flugplatz in Werneuchen." Auch diese Information wurde von der Polizei am Freitagmorgen nicht bestätigt. Nach bisher ebenfalls unbestätigten Informationen soll die Leiche zumindest teilweise verbrannt und eine Identifizierung deshalb sehr schwierig sein.

Ulrike war am Donnerstag vor zwei Wochen auf dem Weg von ihrem Elternhaus zum Handballtraining verschleppt worden. Seitdem hatten nach Angaben von Einsatzleiter Wolfgang Becker insgesamt etwa 5500 Polizisten aus Brandenburg und anderen Bundesländern nach dem Kind gesucht. Bei der Suche waren auch Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr eingesetzt worden.

Dank an Polizeibeamte

Auch am Donnerstag hatten Polizisten im Umfeld von Eberswalde noch nach Ulrike gesucht
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Auch am Donnerstag hatten Polizisten im Umfeld von Eberswalde noch nach Ulrike gesucht

Die brandenburgische Landesregierung reagierte mit Bestürzung auf den Tod der Zwölfjährigen. "Unser Mitgefühl in dieser schweren Stunde gilt den Eltern und der Schwester des Mädchens", erklärten Ministerpräsident Manfred Stolpe und Innenminister Jörg Schönbohm am Freitag. Beide Politiker dankten den an der Suche beteiligten Beamten und Freiwilligen. "Die Polizei wird jetzt ihre Anstrengungen voll und ganz darauf konzentrieren, die Schuldigen dieses furchtbaren Verbrechens zu ermitteln", erklärten sie.

Entgegen bisherigen Erkenntnissen wird nach Angaben Schönbohms angenommen, dass mehrere Personenn an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Die Polizei war zunächst von einem Einzeltäter ausgegangen, der das Mädchen nach einem Unfall in Panik mitgenommen haben könnte. An der Theorie des Unfalls werde festgehalten, sagte Schönbohm.



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