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12. März 2003, 10:35 Uhr

Umfrage

"Krieg finde ich blöd"

Nur die wenigsten Deutschen wollen einen Irak-Krieg - aber die größten Pazifisten scheinen die Kinder zu sein. In einer Umfrage unter 8- bis 18-Jährigen nannten die Kinder und Jugendlichen Deserteure mutig und den Krieg pervers.

"Krieg ist der reinste Sadismus der Politiker"
DDP

"Krieg ist der reinste Sadismus der Politiker"

Hamburg - Krieg sei die schlimmste Brutalität der Menschen untereinander, war die häufigste Antwort bei einer Umfrage der Hamburger Zeitschrift "Eltern for Family" unter 2048 Kindern und Jugendlichen. Bei dem Wort Krieg dachten die Befragten auch an Soldatenfriedhöfe mit unendlich vielen Kreuzen und an Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung.

Auf den Punkt brachte es ein elfjähriger Grundschüler: "Sich gegenseitig abmurksen - was soll das?". Auch andere Kinder äußerten sich unmissverständlich: "Krieg finde ich blöd, und ich habe saumäßig Angst davor", sagte ein Gleichaltriger. Und ein zwölfjähriger Gesamtschüler glaubt: "Krieg ist das Perverseste, was Menschen sich ausdenken können. Es ist der reinste Sadismus der Politiker."

Alte Soldatenwerte wie Ehre, Gehorsam und Vaterlandstreue haben für den Nachwuchs offenbar keine Bedeutung mehr: "Die so genannte soldatische Tapferkeit - das ist für mich nur Propaganda", sagte eine 16-jährige Gymnasiastin. "Damit macht man die jungen Männer kirre!" Und ein Zwölfjähriger kündigte für den Kriegsfall seine Desertion an: "Das hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern ist mein Protest gegen das Kriegführen. Desertieren verlangt Mut und ist ehrenvoller, als vor jedem Feldwebel den Arsch zusammenzukneifen."

Die meisten Kinder schlagen zur Verhinderung von Krieg vor, die Entwicklungshilfe zu erhöhen. Auch der verstärkte Schüleraustausch könne ein Mittel sein, glauben viele. "Weil die Schüler verschiedener Länder sich gut kennen lernen und Freunde werden", erklärte ein 15-jähriger Gymnasiast. "Aber nicht nur mit Amerika, England und Frankreich, sondern auch mit Tschetschenien, Nordkorea, Nigeria, Pakistan, Indien und so weiter."

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg scheinen auch bei den heutigen Jugendlichen noch dazuzugehören, auch wenn sie ein halbes Jahrhundert nach dessen Ende geboren wurden. Eine 15-jährige Gesamtschülerin berichtete von der gefährlichen Flucht ihrer Oma aus Ostpreußen und erklärte: "Wenn ich das von meiner Großmutter höre, dann danke ich Gott dafür, dass er uns den Frieden erhält, und bete, dass er dort Frieden macht, wo Krieg herrscht."

Eine 13-jährige Gesamtschülerin hält noch mehr Demokratie für ein Mittel zur Friedenswahrung: "Ich bin dafür, dass vor jedem Krieg eine Volksabstimmung stattfindet", sagte sie. "Ich bin sicher, so kann man jeden Krieg verhindern. Denn die Mehrheit in der Bevölkerung ist doch überall für den Frieden."

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