»Größerer Schaden als das Fischsterben« Umweltministerin Lemke rechnet mit langfristigen Folgen für die Oder

Noch ist die Ursache der Katastrophe am deutsch-polnischen Grenzfluss nicht eindeutig geklärt. Erste Ergebnisse ließen jedoch befürchten, dass das Ökosystem gravierende Schäden davontragen könnte, so Ministerin Steffi Lemke.
Viele tote Fische treiben im Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder, hier in Brandenburg

Viele tote Fische treiben im Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder, hier in Brandenburg

Foto: Patrick Pleul / dpa

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Die Grünen) erwartet für den von einer Umweltkatastrophe betroffenen deutsch-polnischen Grenzfluss Oder langfristige Schäden. Ob die Oder sich wieder vollständig erholen werde, lasse sich noch nicht sagen, so die Grünenpolitikerin im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland  (RND). »In der Oder als Ökosystem entstand weit größerer Schaden als das Fischsterben allein«, so Lemke. Die ersten Untersuchungsergebnisse ließen befürchten, dass es gravierendere Schäden geben könnte.

»Die Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt«, sagte Lemke dem RND. Dennoch würde sie das Fazit ziehen, dass es sich um eine menschengemachte Gewässerverschmutzung handele – »vermutlich in Kombination mit der Hitze, die niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen verursachte«, so die Ministerin.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke vor rund zwei Wochen in Frankfurt an der Oder: »Die Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt«

Bundesumweltministerin Steffi Lemke vor rund zwei Wochen in Frankfurt an der Oder: »Die Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt«

Foto: Patrick Pleul / dpa

Angesichts der Oder-Katastrophe müsse man prüfen, ob es auch anderswo genehmigte Einleitungen in Gewässer gibt, die künftig wegen steigender Temperaturen gefährlicher werden, erklärte die Umweltministerin. »In viele Flüsse werden permanent und legal chemische Substanzen, Salze und Nährstoffe eingeleitet. Dass das bei niedrigen Wasserständen und hohen Temperaturen ein größeres Problem für ein Gewässer sein kann als bei niedriger Wassertemperatur und größerer Verdünnung, legt der gesunde Menschenverstand nahe.«

Im SPIEGEL-Gespräch hatte die Ministerin kurz zuvor angemahnt, Klima- und Biodiversitätskrise nicht gegeneinander auszuspielen. »Das Klima ist ohne eine gesunde Natur nicht zu retten. Naturschutz bedeutet so viel mehr, als den einzelnen Vogel zu schützen«, so Lemke. »Wir spüren die Folgen von Klima- und Biodiversitätskrise auf so vielen Ebenen, gerade in diesen Tagen der Dürre. Wir müssen die Natur besser schützen, um uns zu schützen«.

In der Oder waren vor rund zwei Wochen massenhaft tote Fische entdeckt worden. Die genaue Ursache für das Fischsterben ist bisher unklar. Wissenschaftler sehen in einem hohen Salzgehalt im Fluss einen wesentlichen Grund für die Umweltkatastrophe, verbunden mit Niedrigwasser, hohen Temperaturen und einer giftigen Algenart. Umweltschützer hatten vor einem weiteren Fischsterben gewarnt.

swe/dpa
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