Umweltverschmutzung Shell kämpft gegen Ölleck in Nordsee-Pipeline

Droht der Nordsee eine Umweltkatastrophe? Der Energieriese Shell bekämpft ein Leck einer Ölpipeline vor der schottischen Küste. Unklar ist, wie viel Flüssigkeit bereits ausgetreten ist.

Gannet-Alpha-Plattform in der Nordsee: Keine Angaben zur Größe des Lochs
AFP/Shell/ANP

Gannet-Alpha-Plattform in der Nordsee: Keine Angaben zur Größe des Lochs


London - Seit Tagen schon weiß Shell von der undichten Stelle in einer seiner Ölleitungen in der Nordsee, doch erst am Samstag wurde die Öffentlichkeit informiert. Der Energieriese erklärte, dass er am Mittwoch das Leck entdeckt habe nachdem an der Meeresoberfläche ein Ölteppich entdeckt worden sei. Demnach wurden eine Spezialschiff und ein Suchflugzeug an den Unglücksort nahe der Gannet Alpha Plattform 180 Kilometer östlich der schottischen Küstenstadt Aberdeen geschickt. Es sei nicht klar, wie viel Öl bereits ausgetreten ist.

Ein ferngesteuertes U-Boot sei auf den Meeresgrund geschickt worden, um das Leck zu reparieren, teilte der britisch-niederländische Konzern mit. Demnach gelang es bereits, den Austritt des Öls deutlich einzudämmen. Nach Angaben von Shell Chart zeigen, dem das Ölfeld gemeinsam mit dem Ölkonzern Esso gehört, wird nun der Druck von der Pipeline genommen.

Ein Sprecher der britischen Behörde für Energie und Klimawandelsagte, der Vorfall werde untersucht. Nach Aussage von Shell gebe es nur eine begrenzte Menge Öl, die aus dem Leck austreten könne. Zur Größe der Öffnung machte der Konzern keine Angaben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa soll das Bohrloch bereits geschlossen worden sein.

"Es ist zu früh, um zu sagen, wie ernsthaft dieser Vorfall ist, aber es ist zwingend erforderlich, dass Shell jetzt schnell und effizient reagiert", sagte der Vize-Chef der Grünen-Partei in Schottland, Patrick Harvie. Die Bevölkerung und die Behörden müssten dabei stets auf den neuesten Informationsstand gebracht werden. Das habe der Konzern BP während der im Frühjahr 2010 ausgebrochenen Ölkatastrophe an einer Plattform im Golf von Mexiko nicht getan.

Umweltschützer kritisieren die Ölförderung

An dem Ölfeld mit dem Namen "Gannet oil field" in der Nordsee waren einem Bericht des Senders BBC zufolge zwischen Januar und April rund 13.500 Barrel Öl produziert worden. Umweltorganisationen kritisierten die Förderung von Öl aus der Nordsee. Diese werde immer schwieriger und gefährde sowohl die Küstengemeinden Schottlands als auch die Wirtschaft, sagte Juliet Swann von "Friends of the Earth". "Jedes Auslaufen von Öl sollte uns ein Warnzeichen sein, das uns antreibt, eine Zukunft mit sauberen, erneuerbaren Energien anzustreben, statt weiter in schmutziges Öl zu investieren."

"Dieser Vorfall in der Nordsee zeigt deutlich, dass schwere Ölunfälle auch in der Nordsee möglich sind", sagte Jörg Feddern von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Betreiber von Plattformen müssten durch die Politik endlich dazu verpflichtet werden, ihre Pläne für solche Notfälle öffentlich darzulegen. "Nur so ist überprüfbar, ob wirklich alles Erdenkliche unternommen wird, um Katastrophen größeren Ausmaßes zu verhindern."

yes/AFP/Reuters/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Snoozel 13.08.2011
1. Bohrloch?
"Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa soll das Bohrloch bereits geschlossen worden sein." Verschreiber oder war es ein Bohrloch, also Sabotage? :p
mexi42 13.08.2011
2. Eine ...
"begrenzte Menge" trat auch nur im Golf von Mexico aus. Man hat dieselbe ziemlich genau berechnet.
sukowsky, 13.08.2011
3. So erträglich auch die Meeres-Ölförderung auch sein mag?
Auch hier wieder die Taktik des Lavieren und verschweigen? So erträglich auch die Meeres-Ölförderung auch sein mag aber irgendwann ergießt sich ein Teil des Rohöls durch menschliche Fehler oder Materialermüdung an die Oberfläche. Laufen wir sehenden Auges am Tage X in unser Verderben? Warnungen hatten wir doch schon (Golf von Mexiko, chinesisches Meer usw.)
leart 13.08.2011
4. @snoozel
Zitat von Snoozel"Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa soll das Bohrloch bereits geschlossen worden sein." Verschreiber oder war es ein Bohrloch, also Sabotage? :p
Wohl eher Bohrloch im Sinne des Richtigen Bohrloches im Boden, welches zur Erschließung des Ölfeldes gebohrt worden ist. ;)
mitleser1 13.08.2011
5. Wozu noch Pipelines
Wäre doch viel einfacher lediglich Löcher in den Meeresgrund zu bohren. Die Anlieger des entsprechenden Gewässers könnten sich ihren Bedarf an Öl dann einfach aus dem Seewasser filtern. Das ständige Gezerre wegen Ölverschmutzung hätte dann auch ein Ende. Dann würde gelten, je höher der Ölverbrauch um so sauberer die Gewässer.
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