Unesco Australien will Welterbe-Wald vernichten

Das Kloster Corvey will den Titel, Australien will ihn loswerden: Die Unesco berät derzeit über Welterbe-Stätten. Australien ist das Prädikat im Weg - das Land will einen Wald in Tasmanien lieber abholzen.
Eukalyptusbäume in Tasmanien: Australien will den Welterbe-Status des Waldes loswerden

Eukalyptusbäume in Tasmanien: Australien will den Welterbe-Status des Waldes loswerden

Foto: Barbara Walton/ dpa

Katar - 74.000 Hektar Wald sollen in Australien abgeholzt werden - eine Fläche so groß wie Hamburg. Den Plänen steht ein eher ungewöhnliches Problem im Weg: Der Wald in Tasmanien steht als Welterbe unter dem Schutz der Unesco. Der Status soll in den kommenden Tagen zurückgezogen werden, wünscht sich die Regierung.

Sollte die Unesco zustimmen, wäre es einem Bericht der britischen BBC  zufolge die erste Entscheidung dieser Art: Noch nie wurde in einem entwickelten Land der Status aus wirtschaftlichen Gründen entzogen. In Tasmanien demonstrierten Tausende gegen die Pläne.

In Katar haben die Beratungen über Stätten des Weltkultur- oder Weltnaturerbes begonnen. Aus deutscher Sicht wird vor allem die Abstimmungsrunde am kommenden Wochenende mit Spannung erwartet. Dann wird entschieden, ob die Klosteranlage Corvey im westfälischen Höxter zum Weltkulturerbe ernannt wird. Es ist in diesem Jahr der einzige Kandidat Deutschlands. Im vergangenen Jahr wurde als 38. Ort in Deutschland der Park Wilhelmshöhe in Kassel aufgenommen.

Die im Jahr 822 gegründete Benediktinerabtei gehörte zum geistigen und religiösen Zentrum des damaligen Frankenreichs. Die Anlage steht seit 1999 auf der Warteliste für Welterbestätten der Deutschen Unesco-Kommission. Das unmittelbar an der Weser gelegene Kloster Corvey geht auf eine Gründung Ludwigs des Frommen zurück, eines Sohns Karls des Großen, der mit dem Reichskloster den Herrscheranspruch über das eroberte Sachsenland festigen wollte.

Außerdem haben Deutschland, Dänemark und die Niederlande die Erweiterung des grenzüberschreitenden Weltnaturerbes Wattenmeer beantragt.

44 Orte sind gefährdet

Neben der Prüfung von Anträgen auf Aufnahme von neuen Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste berät das Unesco-Komitee in der katarischen Hauptstadt Doha unter anderem, ob bereits bestehende Welterbestätten in ihrem Bestand gefährdet sind.

Auf der "Liste des gefährdeten Welterbes" stehen derzeit 44 Orte. Unter ihnen sind die Stätten im Bürgerkriegsland Syrien sowie der Nationalpark Everglades in den USA. In den Everglades hatte sich in den vergangenen Jahren die Wasserqualität des Ökosystems fortlaufend verschlechtert.

Auch das australische Great Barrier Reef ist gefährdet: Die Unesco hatte das Land aufgefordert, dass Riff zu schützen. In der vergangenen Woche legte der Bundesstaat Queensland einen Bericht der Schutzmaßnahmen vor.

Weiterhin könnte es das Qhapaq Ñan genannte Netz von Inkapfaden durch Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru auf die Liste schaffen. Auf einer Gesamtlänge von rund 30.000 Kilometern verlaufen die Pfade teils durch gefährliche verschneite Gebirgsregionen.

isa/dpa/AFP
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