Unesco-Welterbe Feuer zerstört zwei Häuser in Quedlinburgs Altstadt

Ein Feuer hat zwei Häuser in der historischen Altstadt von Quedlinburg in Schutt und Asche gelegt. Bauarbeiter sollen den Brand ausgelöst haben. Es ist der vierte Vorfall dieser Art innerhalb weniger Monate.

Zerstörte Häuser: Vermutlich führten Schweißarbeiten zu einem Schwelbrand
DPA

Zerstörte Häuser: Vermutlich führten Schweißarbeiten zu einem Schwelbrand


Quedlinburg - Nach den Ermittlungen der Polizei lösten Bauarbeiter einen Brand in der Altstadt von Quedlinburg aus, sie wollten ein Dach reparieren. Zwei Häuser wurden zerstört, ein drittes schwer beschädigt. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden liegt bei rund 150.000 Euro.

In diesem Jahr hatte es in der einzigartigen Altstadt, die zum Unesco-Welterbe zählt und die jährlich Hunderttausende Touristen nach Sachsen-Anhalt lockt, bereits mehrere Male gebrannt.

Jetzt traf es in der Nacht zum Freitag zwei bestens sanierte Wohnhäuser, auch ein drittes angrenzendes Haus wurde durch Flammen und Löschwasser schwer beschädigt. Arbeiter hätten am Dach eines der Fachwerkhäuser am Donnerstag mit offener Flamme Schweißbahnen verlegt, teilte die Polizei in Halberstadt mit. Dabei sei es zu einem zunächst nicht bemerkten Schwelbrand gekommen, der sich im Laufe des Abends zu einem Feuer entwickelt habe.

Der Brand wurde gegen 22 Uhr von einem Bewohner bemerkt - als ein Rauchmelder anschlug und damit eine Katastrophe verhinderte. So habe die Feuerwehr schnell eingreifen können, sagte Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD). "Sonst wären die Schäden vermutlich noch größer geworden." Acht Bewohner konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Feuerwehr brachte mit 65 Helfern die Flammen unter Kontrolle.

Brandmelder in Fachwerkhäusern keine Pflicht

Brecht forderte, in allen Fachwerkhäusern müssten Brandmelder gesetzlich vorgeschrieben werden. "In Quedlinburg wäre eine Pflicht sicherlich angezeigt." Die oft lebensrettenden Rauchmelder sind in Sachsen-Anhalt bisher nur für neue Wohnungen vorgeschrieben. Bis zum Jahr 2015 sollen sie nach der aktuellen Gesetzeslage auch in schon bestehenden Wohnräumen nachgerüstet werden, erklärte das Bauministerium in Magdeburg.

Die historische Altstadt von Quedlinburg ist derzeit zu rund 55 Prozent saniert, 45 Prozent der mehr als 1300 Häuser müssen noch wiederhergestellt werden, wie Brecht berichtete. Die mehr als 1000 Jahre alte Siedlung gilt als Wiege des Deutschen Reiches. Schon der viel reisende Kaiser Otto der Große (912-973), der das Bistum Magdeburg gründete, nutzte die Stadt.

In Quedlinburg hat es in den vergangenen Monaten schon mehrfach gebrannt. Im April wurden drei Fachwerkhäuser zerstört, wenige Tage später wurden zwei weitere historische Gebäude durch ein Feuer schwer beschädigt. Im Juni 2010 gingen drei Fachwerkhäuser in Flammen auf. In den vergangenen Wochen gab es laut Polizei zudem mehrere Fälle, wo Unbekannte Müllcontainer in Brand setzten. Beim jüngsten Feuer schließt die Polizei aber vorsätzliche Brandstiftung aus.

Von Rochus Görgen und Romina Kempt, dpa/bim



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