Ungewöhnliche Vornamen Wenn Cinderella mit Messias spielt

Sie sind offenbar nicht nur unter Prominenten verbreitet: Ungewöhnliche Vornamen für den Nachwuchs. SPIEGEL ONLINE fragte seine Leser nach schrägen Beispielen - hier kommen Donnertrud, Gurke und Lennox Tattanka-Tattonka.

Von Jens Todt


Hamburg - Dass Schauspieler, Sportler und Musiker vor allem im englischsprachigen Raum ihren Kindern gern ungewöhnliche Vornamen geben, ist bekannt - und wurde von SPIEGEL ONLINE vor gut einem Monat entsprechend gewürdigt. Unsere Top Ten der "Vornamen des Grauens" wurde damals angeführt von Moon Unit, der Tochter des Musikers Frank Zappa. Ihr dicht auf den Fersen war Apple, das Töchterchen von Schauspielerin Gwyneth Paltrow und Coldplay-Musiker Chris Martin.

Von anderen Preziosen aus dem Fundus ungewöhnlicher Namen hatten wir bisher wenig gehört - gut, dass Sie uns auf die Sprünge geholfen haben. Sonst wären uns Vornamen wie Pilot Inspektor, Sohn des Schauspielers Jason Lee, oder Moxie Crime Fighter, Sprössling des amerikanischen Illusionisten Penn Jillette, entgangen.

Auch Henry Günther Ademola Dashtu Samuel, der Sohn von Heidi Klum und Seal fehlte in unserer Liste. Genauso wie Jermaine Jacksons Sohn Jermajesty, Sylvester Stallones Stammhalter Sage Moon Blood und John Mellencamps Sprössling Speck Wildhorse.

Dass Prominente bei der Namensgebung bisweilen große Kreativität beweisen, ist also nichts Neues, doch sie sind nicht allein mit ihrer Vorliebe, wie die Mails beweisen, die SPIEGEL ONLINE erreichten. Leser Martin Einhaus aus Ecuador berichtet beispielsweise von seinem Zahnarzt mit dem Vornamen Lenin und einem Hausangestellten, der Hitler gerufen wird. Ein ehemaliger Mitarbeiter habe Stalin geheißen.

Gregor Entfellner schreibt uns, dass in der Karibik "so einige Menschen mit dem seltsamen Namen Usnavy herumlaufen". Grund hierfür sei, dass Eltern dort ihren Kindern gern Namen vorbeifahrender Schiffe geben. Christian Roschke weiß von Freunden in Atlanta zu berichten, deren Nachbarjunge auf den Namen Abcd höre. Ausgesprochen werde der Name Äbcede. Ist ja logisch.

In Deutschland muss das Kindeswohl beachtet werden

Während der Phantasie der Eltern in vielen Ländern kaum Grenzen gesetzt sind, ist es in Deutschland gar nicht so einfach, den eigenen exzentrischen Geschmack in den Vornamen des Nachwuchses einfließen zu lassen. "Bezeichnungen, die ihrem Wesen nach keine Vornamen sind, dürfen nicht gewählt werden", heißt es in der "Dienstanweisung für die Standesbeamten". Doch der Trend geht dahin, das Namensrecht liberaler auszulegen. So hat das Bundesverfassungsgericht jüngst der Beschwerde eines Elternpaares stattgegeben, das seinen Sohn Anderson nennen wollte. Die obersten Hüter des Rechts hoben damit vorangegangene Entscheidungen früherer Instanzen auf. Zwar sei der Name Anderson in Deutschland nur als Familienname gebräuchlich, aber eine Gefährdung des Kindeswohls sei "nicht erkennbar".

"Manchmal muss man zwar mit den Eltern diskutieren", sagt Petra Stark vom Standesamt Hamburg-Altona, "aber in der Regel können wir uns schnell einigen." Laut Dienstanweisung muss der Name das Geschlecht des Kindes eindeutig wiedergeben. Ist dies nicht der Fall, "so ist zu verlangen, dass dem Kinde ein weiterer, den Zweifel ausschließender Vorname beigelegt wird." Eine Ausnahme bildet der romanische Name Luca, der für beide Geschlechter zulässig ist.

Wenn die Beamten des Standesamtes Hamburg-Altona einen Namen nicht kennen und er nicht in den gängigen Namensbüchern zu finden ist, fordert Stark die Eltern auf, einen Nachweis darüber zu erbringen, dass es sich um eine gebräuchliche Bezeichnung handelt. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es um einen eher seltenen mongolischen Namen geht oder um eine Anleihe aus der Literatur. Wenn die Bezeichnung irgendwo benutzt wird, haben die Eltern gute Chancen, den Standesbeamten zu überzeugen.

"Wir haben kürzlich den Namen Legolas beurkundet", so Stark, "die Eltern wollten ihren Sohn nach dem Helden aus 'Der Herr der Ringe' benennen." Bei allen Entscheidungen stehe das Kindeswohl im Vordergrund, so Stark: "Wenn die Gefahr groß ist, dass das Kind wegen seines Namens verspottet wird, dann lehnen wir ihn ab." Es ist also auch Ermessenssache der Standesbeamten, ob Kermit und Winnetou im Kindergarten mit Cinderella und Messias spielen dürfen.

Zwar gibt es immer wieder Eltern, die ihrem Nachwuchs einen exzentrischen Namen mit auf den Weg geben, doch die Mehrheit besinnt sich auf die Klassiker. Seit Jahren geht in Deutschland der Trend zu alten Namen, häufig biblischen Ursprungs. Bei den Jungen lagen im Jahr 2004 Maximilian, Alexander und Paul auf den ersten Plätzen, die Mädchen wurden am häufigsten Marie, Lea und Laura genannt.



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