Unglück bei Testfahrt Viele Tote auf russischem Atom-U-Boot

Tödliches Drama bei der russischen Marine: Während der Testfahrt eines Atom-U-Boots sprang das Feuerlöschsystem an - mehr als 20 Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben. Im August 2000 starben in der Barentssee 118 Menschen, als die russische "Kursk" nach der Explosion eines Torpedos verunglückte.


Hamburg - Bei einem Unglück an Bord eines Atom-U-Boots der russischen Pazifik-Flotte sind nach Militärangaben mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen, 21 weitere wurden verletzt.

Bei einer Testfahrt am Samstag auf offener See sei das Brandschutzsystem des U-Boots plötzlich losgegangen, sagte ein Vertreter der russischen Marine der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Er nannte aber weder den Namen des Boots noch seinen Standort. Nach seinen Angaben waren unter den Opfern außer Marinesoldaten auch Arbeiter. Insgesamt sollen 208 Personen an Bord gewesen sein, darunter 81 Matrosen.

Laut RIA-Nowosti wurde das Schiff in der Amur-Werft gebaut und trägt den Namen "Nerpa". Der erste Tauchgang habe in der vergangenen Woche stattgefunden. Das Unglück habe sich im Schiffsbug ereignet.

Warum das Feuerlöschsystem ansprang und wie die Menschen genau ums Leben kamen, ist bislang unklar. Derartige Systeme auf russischen Atom-U-Booten setzen üblicherweise Schaum und Chemikalien ein, wie RIA-Nowosti unter Berufung auf einen ungenannten Schiffsbauexperten berichtete.

Das U-Boot selbst sei nicht beschädigt, an Bord sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, sagte der Marinevertreter. Es habe Anweisung erhalten, sofort in den Hafen zurückzukehren.

Der U-Boot-Zerstörer "Admiral Tributs" sei dem Boot zur Hilfe gekommen und bringe die Verletzten zum Hafen, hieß es in Agenturberichten. Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow habe Präsident Dmitrij Medwedew informiert. Dieser habe umfassende Aufklärung des Vorfalls sowie "größtmögliche Unterstützung" für die Hinterbliebenen der Opfer gefordert.

Der Vizeverteidigungsminister Alexander Kolmakow und Marine-Oberkommandeur Admiral Wladimir Wisozky befanden sich auf dem Weg an die Pazifikküste.

Es war das schwerste Unglück der russischen Marine seit dem Untergang der "Kursk" in der Barentssee im Jahr 2000. Damals kamen alle 118 Seeleute an Bord ums Leben.

fsc/hen/AFP/Reuters/AP



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