Unglück in Ludwigshafen Polizei prüft Verdacht auf Brandstiftung

Unglück oder Brandstiftung? Die Polizei hat Hinweise, dass das Feuer in einem Ludwigshafener Haus, bei dem neun Menschen starben, absichtlich gelegt wurde. Zwei Mädchen wollen einen Verdächtigen beobachtet haben. Die türkische Regierung will sich in die Ermittlungen einschalten.


Ludwigshafen - Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kann das Feuer sowohl auf "kriminelle Art und Weise" als auch durch einen technischen Defekt verursacht worden sein. Wie der Leitende Staatsanwalt Lothar Liebig am Abend bestätigte, hatte es bereits im Sommer 2006 eine versuchte Brandstiftung in dem Mehrfamilienhaus gegeben.

Damals seien zwei Brandsätze in die Erdgeschossräume geworfen worden. Dies sei aber schnell bemerkt worden, weshalb die Flammen gelöscht werden konnten. "Der oder die Täter sind nicht ermittelt worden", sagte der Staatsanwalt.

Zur Brandursache und zur Frage, in welcher Etage das Feuer ausgebrochen ist, gibt es laut Staatsanwaltschaft bisher keine gesicherten Hinweise. Die Aussagen von zwei Mädchen, wonach ein Unbekannter einen im Treppenhaus abgestellten Kinderwagen in Brand gesteckt haben sollen, nannte Liebig "bedeutsam".

Die Angaben einer Journalistin bei der Pressekonferenz, wonach es einem Zeugen zufolge drei Tage vor dem Brand einen "Drohanruf" gegen die Bewohner des Hauses gegeben habe, bezeichnete Liebig als "neue Informationen".

Bei dem Brand am Sonntagnachmittag waren neun Menschen türkischer Nationalität ums Leben gekommen, darunter fünf Kinder im Alter zwischen einem und 16 Jahren.

Ermittlungen auch in der Türkei

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind das Landeskriminalamt und auch das Bundeskriminalamt in die Untersuchungen einbezogen. Auch türkische Fahnder könnten daran partizipieren, die Ermittlungen würden aber von der Staatsanwaltschaft Frankenthal geführt, stellte Liebig klar. Die türkischen Behörden hätten zudem in der Türkei eigene Ermittlungen in Gang gesetzt.

Nach Angaben von Regierungschef Beck werden die Ermittlungen schnell, objektiv und in alle Richtungen geführt. Der Botschafter habe erklärt, er vertraue den deutschen Behörden, sagte Becks Sprecher weiter. Zuvor hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei einem Besuch in Ankara der türkischen Regierung zugesichert, den Wunsch, Brandexperten nach Deutschland zu schicken, an die zuständigen Behörden weiterzuleiten.

Feuerwehrchef Peter Friedrich sagte, in dem Haus seien "um die 50 Personen" gewesen. Allein im dritten Stock hätten sich schätzungsweise rund 30 Menschen befunden. Er wies Vorwürfe zurück, wonach die Feuerwehr nicht schnell genug am Einsatzort gewesen sei.

Von den neun Todesopfern starben den Angaben zufolge acht infolge von Rauchgasvergiftungen. Eine Frau erlag ihren Verletzungen, die sie beim Sprung aus dem Haus erlitten hatte. Die drei Schwerverletzten, die derzeit auf der Intensivstation behandelt würden, seien nicht in Lebensgefahr.

Suchhunde hätten bei einem ersten kompletten Durchgang durch das Haus keine weiteren Toten gefunden, hieß es. Bei dem Haus bestehe Einsturzgefahr. Es habe bereits Teileinstürze im ersten und zweiten Obergeschoss gegeben, hieß es.

jdl/ddp



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