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02. April 2011, 08:39 Uhr

Unglücks-AKW

Riesiges Stahlfloß soll radioaktives Wasser aufnehmen

Wohin mit dem radioaktiven Wasser, das im havarierten AKW Fukushima aus den Reaktoren gepumpt wird oder ins Meer läuft? Bisher fehlten den Einsatzkräften genügend Tanks. Nun soll ein gigantisches Stahlfloß das Problem lösen.

Hamburg - Es ist eines der größten Probleme im Unglücks-AKW Fukushima: Aus mehreren Reaktoren muss radioaktives Wasser abgepumpt werden. Zumal es aus Reaktor 2 inzwischen in den Pazifik sickert. Das erklärte am Samstag der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama. Doch eine geeignete Lagerstätte für das kontaminierte Wasser fehlt bisher. Die Tanks in Fukushima reichen nicht aus, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Nun gibt es einen neuen Plan: Für Aufbewahrung und Transport des Wassers soll ein riesiges Floß zum Einsatz kommen. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Jiji ist das pontonähnliche Becken 136 Meter lang, 46 Meter breit und drei Meter hoch. Das Floß bestehe aus einem Stahltank und könne insgesamt bis zu 18.000 Tonnen Wasser fassen, berichtet die Zeitung "Asahi" unter Berufung auf die Verwaltung der Präfektur Shizuoka.

Die Stadt Shimizu stelle Tepco das Floß zur Verfügung, sagte Bürgermeister Zenkichi Kojima. Normalerweise diene das Floß zum Angeln.

Laut "Asahi" gibt es ähnliche Flöße auch in weiteren Präfekturen, etwa in Mie oder Hyogo. Derzeit habe jedoch nur die Präfektur Shizuoka eine derartige Anfrage erhalten, da diese Region am nächsten an Fukushima liege. Die Stadt Shimizu liegt etwa 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tokio - und damit rund 400 Kilometer südwestlich des havarierten Kraftwerks.

Regierungschef reist in Krisengebiet

Drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und dem folgenden Tsunami hat Regierungschef Naoto Kan erstmals die Katastrophenregion im Nordosten des Landes besucht. Der Ministerpräsident landete am Samstag mit einem Militärhubschrauber in der Hafenstadt Rikuzentakata, die durch die Naturgewalten schwer verwüstet wurde. Allein in der 25.000-Einwohner-Stadt in der Präfektur Iwate starben am 11. März etwa tausend Menschen. Mehr als 1200 Personen gelten als vermisst und sind vermutlich ebenfalls tot.

"Es ist ein etwas langer Kampf, aber die Regierung wird ihnen bis zum Ende beistehen und ihr Bestes tun, bleiben auch Sie bitte zäh", sagte Kan zu einer Gruppe von Feuerwehrmännern in Rikuzentakata. Zuvor hatte er dort in einer Notunterkunft in einer Grundschule den dort untergekommenen Opfern Mut zugesprochen und Hilfe der Regierung versprochen.

Anschließend stand ein Besuch im "J-Village" auf dem Programm, einer etwa 20 Kilometer von dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima I gelegenen Sportanlage. Auch dort wollte Kan mit den dort untergebrachten Soldaten und anderen Rettungskräften sprechen.

Die Krise um das AKW wird nach Einschätzung des Generaldirektors der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukio Amano, noch lange andauern. Es werde mehr Zeit brauchen, als die Menschen denken, bis alles wieder normal sei, sagte Amano laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nach einem Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Nairobi. Der IAEA-Chef bekräftigte, dass die Situation im havarierten Kernkraftwerk sehr ernst sei.

Suche nach Vermissten wird fortgesetzt

Tausende von japanischen und US-amerikanischen Soldaten sowie andere Rettungskräfte haben am Samstag ihre Suche nach Vermissten im Gebiet der schwer zerstörten Stadt Ishinomaki in der Provinz Miyagi fortgesetzt. Sie konzentrierten sich am zweiten Tag der auf drei Tage angelegten Suchaktion auf das Gebiet um eine Grundschule, wo viele Schüler von dem Tsunami erfasst worden waren. Taucher suchten auch einen nahegelegenen Fluss ab.

Am Tag zuvor hatten die Einsatzkräfte 32 Leichen in den Trümmern entdeckt. Die Zahl der Toten durch die Naturkatastrophe gab die Polizei am Samstag offiziell mit 11.800 an, 15.540 Menschen würden weiter vermisst.

hut/rkv/wit/AFP/dpa

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