Ärger um Testament Unicef zieht Beschwerde in Erbstreit zurück

Der Streit zwischen Unicef und einer deutsch-schweizerischen Familie um das Erbe eines 2013 verstorbenen Mannes ist beendet. Die Hilfsorganisation beansprucht nicht mehr die ganze Hinterlassenschaft für sich.

Erbengemeinschaft, Anwältin Silke Wenk: "Wir haben eine einvernehmliche Lösung gefunden"
Oliver Killig

Erbengemeinschaft, Anwältin Silke Wenk: "Wir haben eine einvernehmliche Lösung gefunden"


Als Hans Helmut Hosemann sein Testament aufsetzte, war sein Wille klar: Von seinem Erbe in Höhe von 1,168 Millionen Euro sollten zwei Drittel an Unicef gehen, ein Drittel sprach er seinem Bruder Georg zu. Georg starb vor ihm, für Hans Helmut Hosemann aber stand wohl fest: Das Geld bleibt in der Familie und geht an seine Nichte und den Neffen, die beide in der Schweiz leben. Sein Testament aber änderte er nicht entsprechend.

Als Hans Helmut Hosemann im Dezember 2013 in Bad Tölz verstarb, beantragte die Familie den Erbschein. Es folgte eine Auseinandersetzung mit Unicef vor dem Amtsgericht im bayerischen Wolfratshausen: Die Hilfsorganisation beanspruchte das ganze Erbe.

Unicef ließ nicht locker, auch als das Gericht zu erkennen gab, dass es den Willen des Erblassers so interpretiert, dass ein Drittel in der Familie verbleiben soll.

Nach einer weiteren Gerichtsverhandlung, bei der die Schwägerin des verstorbenen Erblassers angehört worden war, bot Unicef der Familie überraschend ein Gespräch an. Zwischenzeitlich hatte SPIEGEL ONLINE über den Fall berichtet.

Am vergangenen Dienstag kam es in der Kanzlei von Silke Wenk, Anwältin der Familie Hosemann, zu einer Einigung. "Wir haben eine einvernehmliche Lösung der Ansprüche am Nachlass von Hans Helmut Hosemann gefunden", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Anderthalb Jahre nach dem Tod des Erbonkels erhalten seine Nichte und der Neffe zusammen knapp 400.000 Euro, der Rest geht an Unicef.



insgesamt 88 Beiträge
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dani216 09.07.2015
1. Aus meinem dafürhalten hat sich Unicef doch jetzt
nur für einen Rückzug entschieden und den ursprünglichen Willen des verstorbenen akzeptiert, weil es in den Medien so ausführlich berichtet wurde. Wer sagt denn, dass sie es bei nächster Gelegenheit nicht wieder versuchen? Unicef hat sich für mich disqualifiziert, seriös geht anders.
LouisWu 09.07.2015
2.
Möge es Erblassern zur Lehre dienen, die noch "etwas Gutes" nach ihrem Tode tun wollen. Alle großen Hilfsorganisationen sind im Grunde Unternehmen, die mit den schwachen Nerven und dem konstant schlechten Gewissen der Bürger ihre Geschäfte machen. Ob das, was die mit dem Geld machen, wirklich eine Hilfe ist oder nicht, ist noch gar nicht endgültig geklärt. Afrika z.B. ging es heute möglicherweise besser, wenn der Kontinent niemals von den Hilfsorganisationen bearbeitet worden wäre.
eckawol 09.07.2015
3. Die Gier von Unicef
läßt sicherlich die Spendier-Freudigkeit des einen oder anderen großzügigen Spenders zurückgehen.
Peter Eckes 09.07.2015
4. .
Wer solchen Organisationen Geld spendet oder vermacht ist selber Schuld. Es ist hinlänglich bekannt das das Geld in hohe Gehälter für Wasserkopf und Anwälte geht. Und das Trikot des FC Barcelona wird auch nicht billig sein. Die Leute die für sowas spenden sollten mal ihr Hirn einschalten. Es gibt wahrhaft bessere Wege sein überschüssiges Geld sinnvoll zu investieren.
j.vantast 09.07.2015
5. Traurig
Ich beobachte bei vielen dieser Institutionen einen deutlichen Trend zu einem Wirtschaftsunternehmen. Ob es dabei um die dritte Welt geht oder aber um Kinder, Tiere oder Umwelt. Ehrenamtliche Unterstützung wollen die meisten Vereine nicht, nur Spenden. Bei sehr vielen Vereinen geht es nur noch um möglichst viel Geld. Die Sache tritt da oftmals deutlich in den Hintergrund. Leider.
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