Bericht von Unicef Ukrainekrieg verschärft weltweit Mangelernährung bei Kindern

Rund 600.000 unterernährte Kinder in aller Welt könnten kurzfristig betroffen sein. Laut der Uno hat der Konflikt in Osteuropa massive Folgen für Hilfsprogramme. Im Fokus: teurere Erdnusspaste.
Unicef-Speisung in Äthiopien

Unicef-Speisung in Äthiopien

Foto: Michael Gottschalk / photothek / IMAGO

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat nicht nur auf die beiden betroffenen Länder erhebliche Auswirkungen. Weltweit ist laut dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef eine Zunahme von schwerer Mangelernährung bei Kindern zu befürchten – unter anderem wegen des Konflikts in Osteuropa.

Derzeit steigen »sowohl die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Kosten für therapeutische Zusatznahrung«, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Unicef-Bericht hervorgeht. Demnach dürfte der Preis für Erdnusspaste, die zur Behandlung schwer unterernährter Kinder gebraucht wird, in den kommenden Monaten um 16 Prozent steigen.

»Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hatten viele Familien aufgrund von Konflikten, Klimaschocks und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren«, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Zugleich erhielten nur rund ein Drittel der betroffenen Kinder die lebensrettende Behandlung mit therapeutischer Zusatznahrung.

Durch den Preisanstieg bei Erdnusspaste könnte diese bald 600.000 weiteren Kindern pro Jahr nicht mehr zugänglich sein. Problematisch sind laut Unicef auch die voraussichtlich anhaltend hohen Transport- und Lieferkosten.

Probleme vor allem in Ostasien

Unicef spricht von einem »Zusammenwirken mehrerer Schocks«, wodurch weltweit die Ernährungssicherheit von Familien und Kindern bedroht sei. »Dazu gehören die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die schwierige wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie sowie anhaltende klimabedingte Dürreperioden in manchen Ländern.«

Am meisten Kinder sind Unicef zufolge in Südasien von Mangelernährung betroffen. In Afghanistan rechnet das Kinderhilfswerk in diesem Jahr mit einer Verdopplung der an schwerer akuter Mangelernährung leidenden Kinder im Vergleich zu 2018. Am Horn von Afrika dürfte die Zahl der betroffenen Kinder wegen einer Dürre von 1,7 Millionen auf zwei Millionen ansteigen. In der Sahelzone droht demnach ein Anstieg um 26 Prozent im Vergleich zu 2018.

jok/AFP