Untergang der "Sewol" Südkoreas Präsidentin will Küstenwache auflösen

Nach dem Untergang der Fähre "Sewol" reagiert Südkoreas Präsidentin Park: Sie hat angekündigt, die Küstenwache auflösen zu lassen. Die Rettungsaktion sei ein Fehlschlag gewesen, sagt die Staatschefin - sie werde eine neue Sicherheitsbehörde gründen.


Seoul - Rund 300 Menschen kamen beim Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" ums Leben, immer wieder kritisierten Angehörige die Arbeit der Rettungskräfte. Nun hat Präsidentin Park Geun Hye reagiert und die Auflösung der Küstenwache angekündigt.

Die Rettungsaktion der Küstenwache sei praktisch ein Fehlschlag gewesen, sagte Park. "Hätte es eine unmittelbare und vorausschauende Rettungsoperation gegeben, hätten wir die Zahl der Todesopfer niedriger halten können." In ihrer jetzigen Form sei die Küstenwache nicht in der Lage, eine weitere große Katastrophe zu verhindern. Die Rettungsaufgaben sollten künftig von einer neuen nationalen Sicherheitsbehörde übernommen werden. Die Ermittlungsaufgaben würden auf die Polizei übertragen.

Die Präsidentin kündigte Reformen an, um die Arbeit der betroffenen Aufsichtsbehörden zu verbessern. "Ein 20 Jahre altes Schiff wurde gekauft und instandgesetzt, um das Fassungsvermögen exzessiv zu erhöhen", sagte Park. "Es wurde mit viel mehr Fracht beladen als erlaubt, und in Bezug darauf wurden noch falsche Angaben gemacht. Aber nicht eine einzige Person in einer Aufsichtsposition konnte das verhindern." Ein Untersuchungsausschuss solle die Hintergründe des Unglücks beleuchten.

Die Staatschefin, deren Popularitätswerte seit dem Unglück stark gesunken sind, entschuldigte sich in ihrer Erklärung erneut bei den Angehörigen der Opfer: "Die oberste Verantwortung für den unangemessenen Umgang mit dem Unglück liegt bei mir." Sie werde die Gelegenheit nutzen, dass Südkorea wiedergeboren werde, sagte Park.

Die "Sewol" war am 16. April mit 476 Menschen an Bord vor der Südwestküste Südkoreas gesunken. Mindestens 286 Menschen starben, 18 Personen gelten offiziell noch als vermisst. Die meisten der Passagiere waren Schüler auf einem Ausflug.

Kapitän Lee Joon Seok und drei weitere Crew-Mitglieder müssen sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten. "Der Kapitän, zwei Offiziere und der erste Maschinist verließen das Schiff vor den Passagieren", sagte der leitende Staatsanwalt Ahn Sang Don zur Begründung der Anklage. Das habe zum Tod vieler Menschen geführt. Die Staatsanwaltschaft hat zudem elf weitere Besatzungsmitglieder wegen fahrlässigen Handelns angeklagt.

hut/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BlakesWort 19.05.2014
1.
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich wage schwer zu bezweifeln, dass es eine Küstenwache auf der Welt gibt, die beim Untergang einer dieser riesigen Badewannen nicht schlecht aussieht. Versagt hat hier vor allem die Besatzung des havarierten Schiffes, die den Ernst der Lage nicht begriff und somit ohne jeden Zweifel schuld an der Höhe der Opferzahl trägt.
nord1icht 19.05.2014
2. Verantwortung
Ein gutes Beispiel, was Verantwortung auch bedeuten kann: Im Amt bleiben und für eine radikale Veränderung der Verhältnisse sorgen. Weder aussitzen noch sich und andere schonen, auch wenn die Sympathiewerte im Keller sind.
andrewsaid 19.05.2014
3. Was für eine dumme Idee
Zitat von sysopDPA/YonhapNach dem Untergang der Fähre "Sewol" reagiert Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye: Sie hat angekündigt, die Küstenwache auflösen zu lassen. Die Rettungsaktion sei ein Fehlschlag gewesen, sagte die Staatschefin. http://www.spiegel.de/panorama/untergegangene-faehre-in-suedkorea-kuestenwache-soll-aufgeloest-werden-a-970132.html
Was ist das denn für eine bekloppte Entscheidung? Also dümmer geht es ja wohl echt nicht. Schafft die dann demnächst auch noch Krankenwagen ab? Weil da auch viele Menschen sterben wenn die nicht rechtzeitig da sind. Oder da sind und gar nicht mehr helfen konnten?
ludna 19.05.2014
4. Küstenwache
Also, ich kann das natuerlich nicht beurteilen, aber irgendwer muss ja Seenotrettungsdienst leisten. Normalerweise lernt man aus den Fehlern, dafür muss man die Küstenwache nicht auflösen, vielleicht umstrukturieren. Es scheint mir das schwarze Peter Spiel nimmt Fahrt auf.
Meconopsis 19.05.2014
5. Aktionismus
Die Hauptverantwortung an diesem Unglück trägt die Besatzung des untergegangenen Schiffs und die Verantwortlichen und Besitzer dieser Reederei. Dazu noch die Behörden, die den Zustand der Schiffe zu kontrollieren hatten und das offenbar nicht getan haben. An denen sollte sich die Staatschefin abarbeiten, nicht aber an der Küstenwache. Und dann natürlich die Passagiere, die schon merken mussten, dass ihr Schiff Schlagseite bekam, und trotzdem unter Deck blieben. Diesen Schattenseiten des Konfuzianismus und dwer Obrigkeitshörigkeit müsste sich die koreanische Gesellschaft mal offen stellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.