Unwetter auf Sardinien "Wie eine Bombe"

Die Unwetterfront "Cleopatra" hat Sardinien schwer getroffen. Viele Orte sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen und Häuser stehen unter Wasser, mindestens 16 Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Die Retter kämpfen sich langsam in die betroffenen Regionen vor.

DPA/ Sardinia Region press office

Cagliari - Italiens Ministerpräsident Enrico Letta spricht von "einer nationalen Tragödie", der Gouverneur der Region, Ugo Cappellacci, von einem "Jahrtausendhochwasser". Nach und nach wird das Ausmaß der Zerstörungen deutlicher, die Unwettertief "Cleopatra" auf Sardinien nach sich zog. Mindestens 16 Menschen starben laut offiziellen Angaben, es wird nach Vermissten gesucht.

Binnen eineinhalb Stunden gingen 450 Millimeter Regen nieder. Das entspreche der Regenmenge Mailands in einem halben Jahr, sagte der Bürgermeister von Olbia, Gianni Giovanelli. Hunderte Bewohner mussten vor den sintflutartigen Regenfällen in Sicherheit gebracht werden. Straßen wurden überschwemmt, Orte von der Außenwelt abgeschnitten, manche können noch immer nicht erreicht werden. Rettungskräfte sind unermüdlich im Einsatz. Die Behörden riefen den Notstand aus.

Die Unwetterfront "Cleopatra" war am Montag über die Mittelmeerinsel gezogen und hatte Flüsse in reißende Fluten verwandelt. Straßen wurden unpassierbar, Brücken stürzten ein. Züge konnten nicht weiterfahren. Flüge und Fähren waren verspätet. Teilweise fiel der Strom aus. Bürgermeister Giovanelli sagte, die Fluten seien "wie eine Bombe" über die Stadt an der Nordostküste hereingebrochen

Schwere Schäden in Teilen Kalabriens

Die Höhe der Schäden ist noch unklar. Ministerpräsident Letta kündigte eine Soforthilfe von 20 Millionen Euro an. Gouverneur Cappellacci sagte in einem Telefoninterview mit Rai News: "Die Situation ist leider wirklich dramatisch."

In dem schwer betroffenen Ort Torpè wurden drei Leichen entdeckt. Unter den Opfern waren nach Medienberichten ein Polizeibeamter und zwei Frauen im Alter von 64 und 90 Jahren. Aus einem Keller in der Kleinstadt Arzachena wurde eine vierköpfige brasilianische Familie tot geborgen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Ein Mann, seine Frau und die Schwiegermutter starben beim Einsturz einer Brücke.

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Zahlreiche Tote: "Cleopatra" wütet auf Sardinien
Auch in anderen Regionen Italiens gab es wolkenbruchartige Regenfälle. Ein Sturm wütete in der Nacht über der Insel Capri vor Neapel. Der Fährverkehr lief aber weiter, nur die schnellen Verbindungen mussten ausgesetzt werden. Auch über Teilen Kalabriens gab es schwere Schäden durch Regenfälle. Straßen waren wegen Schlamms unpassierbar, in ihren Autos eingeschlossene Menschen mussten gerettet werden. In vielen Kommunen blieben die Schulen am Dienstag geschlossen.

bim/dpa/Reuters



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