Unwetter in Deutschland Und schon rückt das nächste Tief heran

Das ganze Dorf packt an, trotzdem ist Braunsbach vom Unwetter gezeichnet. Nach Tief "Elvira" zieht nun "Friederike" in Deutschland auf.

DPA

Das große Aufräumen nach den schweren Unwettern im Südwesten hat begonnen. Zugleich sind schon neue Gewitter auf dem Weg nach Deutschland. Tausende Helfer sind vor allem in Baden-Württemberg im Einsatz, um von Hochwasser und Schlamm blockierte Straßen und Gleise freizuräumen. Einige Schulen und Kindergärten blieben nach dem Unwetter, bei dem vier Menschen starben, geschlossen.

Der Landkreis Schwäbisch Hall, den das Unwettertief "Elvira" besonders heftig traf, zieht eine ernüchternde Bilanz: Ein Wohnhaus und zwei Brücken wurden zerstört, viele weitere beschädigt, darunter das Rathaus. Die Feuerwehr war pausenlos damit beschäftigt, Regenwasser abzupumpen. Straßen mussten von Geröll und Müll befreit werden.

Das Ausmaß des Unwetters treibt die Helfer an ihre Grenzen. "Auf so etwas kann sich niemand vorbereiten", sagt Willi Dongus vom Feuerwehrverband. Die SV Versicherung, die etwa 70 Prozent der Gebäude in Baden-Württemberg abdeckt, rechnet in dem Land mit Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Fotostrecke

14  Bilder
Unwetter: Die Schuttberge in Braunsbach

Auf den Straßen von Braunsbach steht der Schlamm knöcheltief. Der Schlossbach, einer der beiden Zuflüsse zum Kocher, die am Sonntagabend gemeinsam eine unglaubliche Gewalt entwickelten, läuft noch mehr oder weniger unkontrolliert durch den Ort. Für gewöhnlich läuft er nur oben am Schloss offen ins Tal, weiter unten eigentlich im Kanal. Doch der ist am Mittag noch verschüttet.

Hier und da riecht es nach Benzin oder Öl, vermutlich aus leckgeschlagenen Autos, die überall demoliert am Straßenrand stehen. Mit einem gesprühten X sind die markiert, die bereits kontrolliert wurden.

"Es ist ein Wahnsinn"

Gemeinderätin Brigitte Ehrmann, 47, schaufelt Schlamm aus dem Rathaus. Die Bank, bei der sie für gewöhnlich arbeitet, hat ihr freigegeben. "Gestern Abend um zehn war die Vertretung organisiert, das ist super." Am Montag hat sie mit ihrer Schaufel in der Festhalle geholfen, heute wieder schlammverschmiert im Rathaus des 900-Seelen-Dorfes.

Bürgermeister Frank Harsch wirkt noch erschöpfter als am Vortag. Doch er ist vermutlich auch ein Stück weit stolz. "Es ist ein Wahnsinn: Alle haben Kumpels oder Verwandte organisiert, die mithelfen." Die Stromversorgung solle so schnell wie irgend möglich wieder hergestellt werden, die Wasserversorgung natürlich auch. Der Weg zurück zum alten Braunsbach könne Monate dauern.

Auch die Heidelberger Altstadt war am Dienstag teilweise für den Verkehr gesperrt, weil der Neckar über die Ufer getreten war. Die Pegel von Rhein und Mosel stiegen ebenfalls sprunghaft an. Überschwemmungen, Erdrutsche und technische Störungen dürften den Schienenverkehr im Südwesten noch mehrere Tage lang behindern.

Fotostrecke

16  Bilder
Sturm, Blitze, Überschwemmungen: Tausende Helfer, Tausende Einsätze

Gewitter und starker Regen trafen in der Nacht zum Dienstag auch Nordrhein-Westfalen, Verletzte gab es dort aber nicht. Vor allem die Eifel hatte mit Regenmassen zu kämpfen. Im Kreis Euskirchen rückte die Feuerwehr zu 150 Einsätzen aus. 64 Liter Niederschlag pro Quadratmeter seien innerhalb von 24 Stunden an der Station Kall-Sistig gemessen worden, hieß es vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Bis auf geflutete Keller und verstopfte Kanalrohre hielten sich die Folgen aber in Grenzen. Auch in Niedersachsen verlief das Unwetter vergleichsweise glimpflich.

Entwarnung ist allerdings noch nicht in Sicht: Das Gewitterrisiko steige in den nächsten Tagen wieder an, sagt die DWD-Meteorologin Magdalena Bertelmann. Schon am Mittwoch komme von Polen her ein neues Tiefdruckgebiet ins Land. "Friederike" werde einige Tage bleiben und vor allem die Mitte Deutschlands treffen - mit Starkregen und Hagel.

Elf Tricks für die Vorhersage

wit/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.