Unwetter Ausnahmezustand in Berlin

Gewitteralarm in ganz Deutschland: In Berlin rief die Feuerwehr nach einem heftigen Unwetter den Ausnahmezustand aus. Die deutsch-afrikanische Party "Fußball für eine bessere Welt" wurde abgesagt.


Hamburg - Bis 18.45 Uhr musste die Berliner Feuerwehr zu 400 Einsätzen ausrücken, vor allem in die Bezirke Treptow-Köpenick, Friedrichshain und Steglitz. Durch das Gewitter wurden etliche Dächer beschädigt, in Köpenick wurde das komplette Dach eines Zweifamilienhauses weggeweht.

Nach Angaben eines Sprechers der Berliner Verkehrsbetriebe war die U-Bahn-Linie 5 nach dem Unwetter teilweise blockiert. In den Bahnhof Weberwiese in Berlin-Friedrichshain war so viel Wasser eingedrungen, dass der Bahnhof gesperrt werden musste.

Das Berliner Medienzentrum am Berliner Olympiastadion wurde wegen des Gewitters für eine knappe Stunde geräumt. Zudem brachte das Unwetter mehrere Veranstaltungen im Rahmen der Fußball-WM durcheinander. So wurde das geplante deutsch-afrikanische Konzert auf der Fanmeile am Brandenburger Tor aus Sicherheitsgründen abgesagt, nachdem kurz vor Beginn um 18 Uhr Augenzeugenberichten zufolge die Straße des 17. Juni wie leergefegt und das Wasser knöcheltief auf den Fahrbahnen gestanden war. Mit dem Konzert wollte die Fifa symbolisch die Übergabe der Fußball-WM 2010 an Südafrika feiern.

Im nordhessischen Korbach wurde ein Parkhaus überflutet. 28 Autos schwammen im Wasser. Die Korbacher Feuerwehr pumpte die Wassermassen im Erdgeschoss ab, die Fahrzeuge wurden geborgen und abgeschleppt. Nach Schätzungen der Polizei entstand ein Millionenschaden. Wegen der heftigen Regenfälle war Wasser aus einem normalerweise kleinen Bach und aus der Kanalisation in das Gebäude gedrückt worden.

Auf der A 14 in Sachsen hatten sich nach heftigen Regenfällen in einer Senke mehr als ein Meter Wasser und Schlamm angesammelt. Sechs Autos und zwei Lastwagen blieben stecken. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um den Schlamm zu beseitigen. Durch die Hitze war dieser schnell wieder hart geworden.

Schon am Donnerstag war der Berliner S-Bahn-Verkehr wegen eines heftigen Gewitters zeitweise lahm gelegt worden. Das Eröffnungskonzert des Classic-Open-Air-Festivals musste für eine halbe Stunde unterbrochen werden. Bei den Sommerfesten beim Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue waren Regenschirme gefragt.

In Göppingen in Baden-Württemberg standen mehrere Tiefgaragen in der Innenstadt unter Wasser. "Dort schwimmen die Fahrzeuge regelrecht und berühren teils mit den Dächern die Decken der unteren Etagen", sagte ein Feuerwehrsprecher. Im Stuttgarter Raum schlug ein Blitz in ein Stellwerk der Bahn ein. Die Folge: Elektronische Signale fielen aus, S-Bahnen mussten im Schritt-Tempo fahren.

Neun Sportler bei Blitzeinschlag leicht verletzt

Gewitter mit starken Regenfällen hatten in der Nacht zu Freitag auch in Bayern mehr als 100 Häuser überflutet und etliche Straßen überschwemmt. Von den Unwettern waren insbesondere die niederbayerischen Landkreise Straubing-Bogen und Deggendorf betroffen. In den oberbayerischen Landkreisen Berchtesgaden und Traunstein ging sintflutartiger Regen nieder. Entwurzelte Bäume machten Straßen unpassierbar. Schwere Unwetter mit Überflutungen und Blitzeinschlägen gab es zudem in Nordrhein-Westfalen.

Bei einem Blitzeinschlag auf einem Sportplatz in Hamburg- Bahrenfeld wurden am Donnerstagabend neun Fußballspieler leicht verletzt. Sie mussten vorsorglich in ein Krankenhaus. Auch in Stuttgart wurde eine Frau durch einen Blitz verletzt. Nach Polizeiangaben war der Blitz vermutlich in einen Bauzaun gefahren, dessen Tor die 22-Jährige gerade öffnete, um ein Fahrzeug durchzulassen.

aki/dpa/ddp/AP



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