Unwetter Deutschland versinkt im Regen

Sintflutartige Regenfälle, orkanartige Windböen, überflutete Straßen und Keller: In Teilen Deutschlands regnet es seit Donnerstag ununterbrochen. In Niedersachen stürmte es so stark, dass der Regen durch geschlossene Fenster gedrückt wurde. 32 Kinder mussten aus dem Fluss Rhume gerettet werden.


Frankfurt am Main - Das Wetter hält die Feuerwehren in Deutschland auf Trab: In mehreren Orten wurden Straßen und Keller überflutet, wie die Polizei mitteilte. Im niedersächsischen Kreis Northeim presste sich der Regen selbst durch geschlossene Fenster. Die Straßen hatten laut Feuerwehr bis zu 20 Zentimeter unter Wasser gestanden.

Die Kanalisation unter anderem in Northeim und in Hildesheim habe den Regen nicht mehr aufnehmen können, so ein Polizeisprecher. Gullydeckel seien von den aus der Kanalisation drückenden Wassermassen aus ihren Verankerungen gesprengt worden und mehrere Meter weit geflogen. Dabei wurde ein Pkw erheblich beschädigt.

Die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuz im Kreis Northeim rettete kurz nach Beginn des Unwetters 32 Kinder aus dem stark angeschwollenen Fluss Rhume. Die Gruppe war auf einer Kanutour unterwegs, als sie der heftige Regen überraschte.

Durch einen Blitzeinschlag in einem Stellwerk waren Bahnübergänge vorübergehend blockiert. Auch in der Region Hannover wüteten schwere Gewitter. Allein dort musste die Feuerwehr am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag rund 200-mal ausrücken.

Aussichten: Das Wetter trennt heute Deutschland

Im thüringischen Sömmerda verunglückte ein Lkw-Fahrer, weil ein Ast eines Baumes den Lasten des Regens nicht standhielt und auf das Fahrerhaus des vorbeifahrenden Lasters fiel. Der Fahrer musste von der Feuerwehr befreit und in ein Krankenhaus gebracht werden.

Heftige Niederschläge haben auch in Bayern zu erheblichen Schäden geführt: In Straubing schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein, wie die Polizei mitteilte. Verletzt wurde aber niemand. Eine Windböe entwurzelte Bäume. In Augsburg musste eine Straße wegen eines vollgelaufenen Tunnels für den Verkehr vorübergehend gesperrt werden.

In den Landkreisen Passau, Rottal/Inn und Freyung-Grafenau stürzten insgesamt etwa zehn Bäume auf Fahrbahnen und blockierten sie. Auf dem Autobahnparkplatz Hidring beschädigte ein umgestürzter Baum den Pkw eines österreichischen Rentners. Der Mann wurde aber nicht verletzt.

Schwerpunkt der Regenfälle waren Schwaben und Niederbayern. In Schwaben registrierte der Deutsche Wetterdienst Niederschläge von bis zu 38 Litern pro Stunde.

Am Freitag wird das Wetter zunächst Deutschland trennen: Von der Nordsee über den Harz bis nach Sachsen regnet es fast ununterbrochen. Weitere Unwetter sind im Anmarsch. Erst am Nachmittag lässt der Regen etwas nach und zieht sich nach Nordfriesland zurück.

Im Westen, im Süden und in Vorpommern dagegen knallt die Sonne vom Himmel: Bei teils kräftigem Nordwestwind werden 21 bis 26 Grad erreicht, teilte der Wetterdienst meteomedia mit. In den Alpen halten sich Wolkenreste.

Der Samstag präsentiert sich nach Auflösung von Frühnebelfeldern häufig sonnig, nur im äußersten Norden ist es leicht gewittrig. Der Wind lässt nach und die Temperaturen erreichen 23 bis 28 Grad. Am Sonntag wechseln sich sonnige Abschnitte mit teils gewittrigen Regenschauern ab. Mit maximal 20 bis 25 Grad wird es wieder etwas kühler.

jjc/dpa/ddp



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