Unwetter Heftiger Sturm wütet über Deutschland

Ein Sturm mit starkem Regen ist mit Geschwindigkeiten von bis zu 181 Stundenkilometern über Deutschland und den Norden Europas gefegt. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt, Autobahnbrücken gesperrt. Vielerorts kam es zu Überschwemmungen. Auf der Ostsee musste der Fährverkehr eingestellt werden. In Dänemark gab es sogar drei Tote.


Sturm in Norddeutschland: Ein Fischer sichert sein Boot auf der Kieler Förde
DPA

Sturm in Norddeutschland: Ein Fischer sichert sein Boot auf der Kieler Förde

Hamburg - Das Orkantief "Erwin" wütete im Norden und in den Mittelgebirgen. 50.000 Haushalte in Großbritannien und 60.000 in Irland hatten keinen Strom mehr. Vor der Küste Westschottlands lief im Sturm eine Fähre auf Grund. Schwere Schäden blieben zunächst aus.

Wegen der Windstärke mussten Autobahnbrücken komplett gesperrt werden. Betroffen waren laut Polizei die A7 und A23. Es bestehe die Gefahr, dass sonst Fahrzeuge von den Brücken geweht würden. "So etwas kommt nur ganz selten vor", sagte ein Polizeisprecher. In den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland wurden zahlreiche Bäume umgeknickt und stürzten auf Straßen und Schienen. Zudem wurde der Autozug-Shuttle nach Sylt eingestellt. Auf der beliebten Ferieninsel wurden nach Angaben der Polizei zahlreiche Dächer abgedeckt. "Äste, Dachziegel, Mülltonnen und alles, was sonst nicht festgemacht war, flog durch die Luft", sagte ein Sprecher. Der Deutsche Wetterdienst für die beiden Landkreise seine höchste Warnstufe überhaupt ("extremes Unwetter") aus.

Auf der Ostsee wurden alle Fahrten zwischen Rostock und Gedser in Dänemark bis Morgen früh abgesagt. Auch die Ostseefähre zwischen Sassnitz auf der Insel Rügen und dem südschwedischen Trelleborg sowie weitere kleinere Fährlinien vom Festland zu den Inseln Rügen und Hiddensee stellten den Betrieb ebenso ein wie die Linie zwischen dem schwedischen Ystad und der dänischen Ferieninsel Bornholm. Auf der Nordsee blieben die Fähren zwischen Hirtshals in Dänemark und Larvik in Norwegen im Hafen.

In der dänischen Stadt Odense wurde nach Polizeiangaben ein Autofahrer getötet, auf dessen Fahrzeug ein Baum, stürzte. Zwei weitere Männer wurden in Nordjütland vom herabstürzenden Dach eines Sommerhauses erschlagen.

Zwei Frauen im Wind in Willingen (Nordhessen)
DPA

Zwei Frauen im Wind in Willingen (Nordhessen)

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz warnte heute vor einer Sturmflut. Nach der mit Temperaturen um 10 Grad wärmsten Januarnacht in Norddeutschland seit mehr als 100 Jahren fegten Stürme mit Orkanböen über Hamburg und Schleswig-Holstein hinweg. In List auf Sylt, wo der Wetterdienst Meteomedia Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 181 Stundenkilometern ermittelte, wurden nach Angaben der Polizei Dächer abgedeckt, in vielen Teilen Schleswig-Holsteins Bäume umgerissen. Ein umgestürzter Baum blockierte die Bahnstrecke Hamburg-Flensburg. Sie musste über mehrere Stunden gesperrt werden. An der Nordseeküste wurde mit Überflutungen der Strände und des Deichvorlandes gerechnet. Auf einer Thüringer Autobahn bei Ilmenau kippte ein Lastwagen mit Hänger durch eine Sturmböe um. Der Fahrer wurde leicht verletzt, die Autobahn kurzzeitig gesperrt.

Im Norden von Großbritannien haben starker Regen und Sturm zu schweren Überschwemmungen geführt. Die nordenglische Stadt Carlisle wurde heute durch Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten; alle Zufahrtsstraßen waren überschwemmt. Militärhubschrauber holten Einwohner von den Dächern ihrer Häuser. Andere Menschen brachten sich mit Booten in Sicherheit.

Die vor dem schottischen Hafen von Cairnryan auf Grund gelaufene Fähre "The European Highlander" habe 43 Passagiere und 57 Crewmitglieder an Bord, teilte die Reederei P&O mit. Niemand sei verletzt, es bestehe "keine unmittelbare Gefahr", hieß es von der Küstenwache. Bei Abflauen des Sturms solle versucht werden, die aus Nordirland kommende Fähre mit Schleppern frei zu ziehen.

In den Niederlanden verunglückte bei stürmischen Winden ein 17-jähriger Deutscher mit seinem Hängegleiter. Er stürzte acht Meter in die Tiefe und wurde verletzt. Der Sturm, der vor allem den Nordwesten des Landes traf, riss Dachziegel ab und entwurzelte Bäume. Mehrere Fährverbindungen wurden auch hier vorübergehend eingestellt. Auf dem Flughafen Schiphol bei Amsterdam gab es Verspätungen, weil der heftige Wind Starts und Landungen nur auf einer Bahn erlaubte.



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