Flutkatastrophe Abbruchkante in Erftstadt weiter ein Risiko

Das Bild von dem Krater, den die Flut in Erftstadt in die Landschaft fraß, steht sinnbildlich für die Schrecken der Hochwasserkatastrophe. Die Lage rund um das Riesenloch bleibt hochgefährlich.
Erdrutsch im Erftstädter Ortsteil Blessem: Die Kante bleibt ein Risiko

Erdrutsch im Erftstädter Ortsteil Blessem: Die Kante bleibt ein Risiko

Foto: Christoph Reichwein / imago images

An der Steinbachtalsperre droht kein Dammbruch mehr, in Passau sinken die Pegelstände und die Aufräumarbeiten gehen voran: Während sich die akute Gefahrenlage in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten langsam entspannt, geht die Suche nach Vermissten weiter.

Die Zahl der Todesopfer im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) ist von 110 auf 117 gestiegen. Zudem seien mindestens 749 Menschen verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin in Koblenz mit. Aus Nordrhein-Westfalen waren zuletzt 46 Tote infolge der Unwetter bekannt. Wie viele Menschen insgesamt noch vermisst werden, ist unklar. Der Landkreis Ahrweiler hatte kurz nach der Flut von etwa 1300 Vermissten gesprochen, zu dem Zeitpunkt war die Lage wegen des gestörten Mobilfunknetzes jedoch sehr unübersichtlich.

Die Stadt Erftstadt (Nordrhein-Westfalen) informierte nun, dass die mehr als hundert auf einer Bundesstraße vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge bis auf zwei Lastwagen geborgen seien. Dabei wurden keine Toten entdeckt.

Abbruchkante in Erftstadt weiter ein Risiko

Im vom Hochwasser besonders stark geschädigten Erftstadt bildet die durch einen Erdrutsch entstandene Abbruchkante hingegen weiterhin ein Risiko. Zwar sei die Kiesgrube hinter dem Ortsteil Blessem weiträumig abgesperrt, sagte die Bürgermeisterin der nordrhein-westfälischen Gemeinde, Carolin Weitzel, im »Morgenmagazin« von WDR 2. »Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen ist jedoch jederzeit möglich.« Die betroffenen Stadtteile würden permanent mit Drohnen überwacht.

Erdrutsch im Erftstädter Ortsteil Blessem: Die Kante bleibt ein Risiko

Erdrutsch im Erftstädter Ortsteil Blessem: Die Kante bleibt ein Risiko

Foto: Christoph Reichwein / imago images

Gleichzeitig liefen geologische Untersuchungen. »Sobald der Ort als begehbar eingestuft wird, beginnen Prüfungen der Statik«, sagte Weitzel. Im Ortsteil Blessem besteht in der Nähe der Abbruchkante akute Lebensgefahr.

Unter Hochdruck und Einsatz sämtlicher verfügbarer Ressourcen laufe auch die Suche nach Vermissten, sagte die Bürgermeisterin. Im Einsatz mit den Rettungskräften vor Ort seien Roboter, Sonargeräte, Drohnen und Suchhunde. Schwerpunktmäßig würden jetzt Liegenschaften in Blessem und die Bundesstraße 265 untersucht.

Kein Dammbruch an der Steinbachtalsperre

Die Lage an der vom Hochwasser bedrohten Steinbachtalsperre ist derweil unter Kontrolle: »Ein Dammbruch ist jetzt nicht mehr zu befürchten«, teilte die Bezirksregierung Köln mit. Zuvor hatten Fachleute die Standsicherheit des Damms begutachtet. In den vergangenen beiden Tagen sei so viel Wasser abgelassen und abgepumpt worden, dass die Experten nun von einer stabilisierten Lage ausgingen, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung bei Twitter. »Die Talsperre wird in den nächsten Tagen abgefischt und dann vollständig entleert.«

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) machte sich ein Bild von der Lage. Der CDU-Bundesvorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat besuchte zusammen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Ort, an dem seit Tagen gegen einen verheerenden Dammbruch gearbeitet wurde. Laschet würdigte die Hilfe des Bundes. Es bestehe nun die Chance, »dass sich die Lage endgültig entspannt«. Eine enge Zusammenarbeit der örtlichen Feuerwehren, der beiden Kreise, des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr habe ermöglicht, dass ein Dammbruch an dieser Stelle verhindert werden konnte.

Der Rhein-Sieg-Kreis meldete , die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach könnten nun aufgehoben werden. Dort hatten die Bewohner in einigen Ortsteilen ihre Wohnungen verlassen müssen. Für einige Orte im Kreis Euskirchen galt allerdings noch für einige Stunden ein Betretungsverbot. Um den gefährlichen Druck auf die Staumauer zu verringern, habe der Wasserpegel um sechs bis sieben Meter gesenkt werden müssen, so der Rhein-Sieg-Kreis.

Auch durch Unwetterfolgen blockierte Bahnstrecken sind wieder befahrbar, etwa von Dresden (Sachsen) nach Prag (Tschechien). Im Laufe der Woche soll zudem die Schifffahrt auf dem Rhein bei Speyer (Rheinland-Pfalz) und Karlsruhe (Baden-Württemberg) wieder freigegeben werden. Entspannung versprechen die Wetteraussichten für die kommenden Tage: Es soll weitgehend trocken bleiben.

Der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) schlug allerdings Alarm. Wegen der Hochwasserkatastrophe sieht der Dienst die ausreichende Versorgung mit Blutkonserven gefährdet. In den tendenziell blutspendefreundlichen ländlichen Gebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei die Infrastruktur dermaßen geschädigt, dass vielerorts auf absehbare Zeit keine Blutspendetermine mehr wahrgenommen werden könnten, hieß es. Da es bereits seit Längerem gravierenden Mangel gebe, schlage man nun Alarm und rufe die Bevölkerung dringend zum Blutspenden auf.

ptz/dpa
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