Sturm »Zeynep« Extreme Unwetter rücken an – was Feuerwehr und Meteorologen jetzt raten

Mit »Zeynep« kommt ein Orkantief auf Deutschland zu – voraussichtlich noch heftiger als »Ylenia«. Experten warnen vor Lebensgefahr: »Verlassen Sie nicht das Haus und suchen Sie sichere Räume auf!«. Die Bahn kündigt Einschränkungen an.
Schäden durch Sturmtief »Ylenia« über Hannover, hier ein umgestürzter Baum am Maschsee

Schäden durch Sturmtief »Ylenia« über Hannover, hier ein umgestürzter Baum am Maschsee

Foto: Rainer Droese / localpic / IMAGO

Die Verschnaufpause für die Einsatzkräfte ist kurz: Schon am Nachmittag kommt der nächste schwere Sturm auf Deutschland zu. Und »Zeynep« könnte sogar noch heftiger werden als Tief »Ylenia«, das am Donnerstag zu Zugausfällen und tödlichen Unfällen geführt hatte.

Schwerpunkt der neuen Sturm- beziehungsweise sogar Orkanlage sei bis Samstagfrüh die Nordhälfte Deutschlands, sagten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraus. Betroffen seien Teile der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen.

Um Schäden und Unfälle zu vermeiden, sollten Bürgerinnen und Bürger entsprechende Vorbereitungen treffen. »Alles, was auf der Terrasse ist, was nicht niet- und nagelfest ist, am besten reinholen, in die Garage stellen«, sagte Christopher Rehnert, Leiter der Feuerwehr Lüdenscheid, am Freitagmorgen im ARD-»Morgenmagazin«. Blumenkästen oder andere Gegenstände sollten von Balkonen entfernt werden.

Zwischen Nordsee und Hochrhein soll der Wind am Freitagvormittag zunehmen, vom Nachmittag an beginnt dann die nächste schwere Sturmlage – von West nach Ost ausgreifend. Für die Nordhälfte Deutschlands rechnet der DWD mit orkanartigen Böen und Orkanböen von 100 bis 140 km/h bis ins Flachland. In der Nacht zum Samstag könne der Wind an der Nordsee und in einigen Hochlagen wahrscheinlich sogar noch heftiger sein.

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Für die betroffenen Regionen gab der DWD eine Warnung vor »Extremem Unwetter« sowie einige Handlungsempfehlungen heraus: »Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen! Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien! Verlassen Sie nicht das Haus und suchen Sie sichere Räume auf! Stellen Sie Fahrzeuge nach Möglichkeit in die Garage«, heißt es auf der Website . In den Gebieten von Weser und Elbe sei in den nächsten Tagen vermehrt mit Hochwasser zu rechnen.

Auf Twitter meldete sich der Meteorologe Jörg Kachelmann zu Wort und warnte seine Follower auf drastische Weise vor den kommenden Tagen. »Denken Sie ... daran, dass Sie nicht unverwundbar sind. Auch nicht in einem Auto. Ein fallender Baum bringt Sie immer sachgerecht um, wenn er Sie trifft. Wenn das Ihnen egal ist, denken Sie an Menschen, denen das womöglich nicht egal ist«, schrieb Kachelmann. »Denken Sie an die, die Ihre Matschbirne mit einem Schaberchen von der Straße kratzen müssen. Es gibt immer einen sicheren Weg, auch wenn es ein Umweg ist.«

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Mancherorts dürfte auch am Freitag – wie teils schon am Donnerstag – wieder der Schulunterricht beeinträchtigt sein oder ganz ausfallen. So teilte der Landkreis Goslar in Niedersachsen mit, dass die Schüler und Schülerinnen nicht überall befördert werden könnten. Deshalb wurde dort der Präsenzunterricht in allen allgemein- und berufsbildenden Schulen abgesagt. Aus Hamburg hieß es, Sorgeberechtigte könnten selbstständig entscheiden, ob ihr Kind zu Hause bleibt, sie sollten dann aber unbedingt die Schule informieren.

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Für die deutsche Nordseeküste wird auch für Freitag wieder vor Sturmflutgefahr gewarnt. Sturmfluten an sich seien durchaus normal, in der Häufigkeit wie im Moment jedoch ungewöhnlich, hatte ein Sprecher des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gesagt. An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Am frühen Morgen wurde erneut der Fischmarkt im Hamburger Stadtteil Altona überspült. Am Messpunkt St. Pauli erreichte der Wasserstand laut BSH 1,49 Meter über dem mittleren Hochwasser. Für Samstag rechnet das BSH mit Wasserständen von bis zu drei Metern über dem mittleren Hochwasser, das entspricht einer schweren Sturmflut. Der Höchstwert soll voraussichtlich am frühen Samstagmorgen erreicht werden.

Seit Mittwochabend hatte bereits Orkantief »Ylenia« zu Tausenden Einsätzen geführt. Viele Bäume stürzten um, auf den Straßen kam es zu Unfällen mit einigen Toten und Verletzten. Allein die Berliner Feuerwehr rückte bis Donnerstagabend zu rund 1300 Einsätzen aus.

Mindestens drei Autofahrer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt starben bei wetterbedingten Unfällen – zwei wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen, ein dritter starb, als sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn geriet und es dabei zu einem Unfall kam.

Der Bahnverkehr im Norden kam in weiten Teilen zum Erliegen. Inzwischen sei zwar ein Großteil der Strecken wieder befahrbar, teilte die Bahn mit. Dennoch komme es weiterhin aufgrund von gesperrten Streckenabschnitten im Fernverkehr zu Einschränkungen.

Probleme im Bahnverkehr

Mit erneuten Einschränkungen wegen Tief »Zeynep« sei zu rechnen, hieß es weiter. In weiten Teilen Norddeutschlands werde der Regionalverkehr schrittweise eingestellt, kündigte ein Konzernsprecher an. Das betrifft demnach die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen sowie Teile Nordrhein-Westfalens. Für den Rest des Tages sollen dann auch keine Fernzüge mehr nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin fahren.

Die Bahn bittet ihre Fahrgäste, sich vor Reiseantritt über ihre Verbindung auf bahn.de  oder im DB Navigator zu informieren. »Wer immer kann, dem empfehlen wir Reisen mit der Bahn vom späten Nachmittag auf einen früheren Zeitpunkt vorzuziehen«, riet das Unternehmen. Fahrgäste können ihre für den Zeitraum von Donnerstag bis Sonntag gebuchten Fahrkarten bis zum 27. Februar flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren, wenn sie Reisen wegen des Sturms verschieben.

wit/dpa/AFP

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