Unwetter in Deutschland Sturmtief »Emmelinde« verursacht Unfälle und beschädigt Gebäude

Unwetter haben nicht nur Nordrhein-Westfalen getroffen: In Bayern gab es beim Einsturz einer Holzhütte Verletzte. In Rheinland-Pfalz starb ein Mann in einem überfluteten Keller. Möglicherweise tobten mehrere Tornados.
Einsatzkräfte am Unglücksort: In Mittelfranken fiel eine Hütte zusammen

Einsatzkräfte am Unglücksort: In Mittelfranken fiel eine Hütte zusammen

Foto: Haubner / dpa

Durch das Sturmtief »Emmelinde« ist in Deutschland mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, Dutzende weitere wurden verletzt. Besonders stark betroffen war am Freitag zunächst Nordrhein-Westfalen.

In Paderborn gab es möglicherweise einen Tornado. Es seien 43 Menschen verletzt worden, teilte die örtliche Polizei in der Nacht zum Samstag mit. 30 von ihnen würden noch im Krankenhaus behandelt, zehn von ihnen seien schwerer verletzt. Eine in Lebensgefahr schwebende Frau sei am Abend in eine Klinik nach Bielefeld verlegt worden, hieß es weiter. 

Laut einem Sprecher der Kreispolizei war »eine Windhose quer durch die Stadt« gezogen und hatte millionenschwere Schäden verursacht. Die Aufräum- und Absicherungsarbeiten in der ostwestfälischen Stadt dauerten an.

Mehrere Tornado-Meldungen

Angesichts von immer wieder auffrischendem Wind und vielen noch ungesicherten Gefahrenstellen rief die Polizei die Bewohner auf, zu Hause zu bleiben. Auch für Samstag sei dort »mit erhöhten Gefahren durch starke Winde« zu rechnen. Zum Ausmaß der Schäden wollen sich Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung am Vormittag äußern.

Die Paderborner Polizei sprach bereits von einer »Schneise der Verwüstung«. Unzählige Dächer wurden abgedeckt, zahlreiche Bäume entwurzelt. Der öffentliche Nahverkehr war schwer beeinträchtigt.

Auch Lippstadt wurde laut Feuerwehr durch Unwetter schwer getroffen. Durch die nordrhein-westfälische Stadt sei am Nachmittag »vermutlich ein Tornado durchgezogen«, teilte die Feuerwehr mit. Ein Sprecher berichtete am Abend von »abgedeckten Dächern, kaputten Schaufenstern und vielen umgestürzten Bäumen in der ganzen Stadt«. Verletzte seien aber »aktuell nicht bekannt«.

Der Deutsche Wetterdienst berichtete von mehreren Meldungen über mutmaßliche Tornados. Diese müssten aber noch überprüft werden, hieß es.

Umgestürzte Bäume, überflutete Keller, beschädigte Dächer

In Mittelfranken in Bayern wurden während des dortigen Unwetters 14 Menschen beim Einsturz einer Holzhütte verletzt, darunter mehrere Kinder. Das Unglück ereignete sich am Freitagabend in Spalt (Landkreis Roth) nahe dem Großen Brombachsee. Einer Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des in Bayern aufziehenden Unwetters mehrere Urlauber in der rund 85 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht, die dann zur Seite gekippt und in sich zusammengefallen sei. Insgesamt löste das Unwetter in Mittelfranken nach aktuellem Stand knapp 400 Feuerwehreinsätze aus – vor allem wegen vollgelaufener Keller, entwurzelter Bäume und beschädigter Hausdächer. Zwischen Neuhaus und Hersbruck wurde die Bahnstrecke wegen Bäumen auf den Gleisen gesperrt.

In Rheinland-Pfalz und dem Saarland blieben größere Schäden trotz massiver Gewitter aus. Polizei und Rettungskräfte meldeten nur vereinzelt umgestürzte Bäume, Hagelschäden an Autos sowie die Überflutung von Kellern. Ein 38-jähriger Mann starb in Rheinland-Pfalz, als er beim Betreten eines unter Wasser stehenden Kellers einen Stromschlag erlitt, dadurch zu Fall kam und vermutlich mit dem Kopf aufschlug, wie die Polizei mitteilte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich wurden bei einem Autounfall auf regennasser Landstraße fünf Menschen verletzt, darunter ein dreijähriges Kind.

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Unwetter in Teilen Deutschlands

Foto: INA FASSBENDER / AFP

In Thüringen kam am späten Freitagabend ein Autofahrer bei Dittersdorf im Saale-Orla-Kreis aufgrund von Aquaplaning mit seinem Fahrzeug von der Straße ab und krachte gegen eine Betonwand, wie die Polizei mitteilte. Er und drei Mitfahrer wurden leicht verletzt. Auch andernorts in Thüringen mussten die Einsatzkräfte ausrücken – hauptsächlich wegen entwurzelter Bäume, die Straßen blockierten.

Rammstein-Konzert unterbrochen

In Sachsen musste wegen eines Gewitters über Leipzig die Band Rammstein ihr Konzert am Freitagabend für eine halbe Stunde unterbrechen. 45 Minuten nach Beginn der Show wurden die Menschen in der Red-Bull-Arena aufgefordert, den Innenraum des Stadions zu verlassen und Schutz zu suchen. Nach 15 Minuten wurden die Fans dann zurück in den Innenraum gelassen.

Am Samstag sollte das Gewittertief nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ostwärts über Mecklenburg-Vorpommern abziehen. Davor kann es zu Sturmböen kommen. Im Süden sei noch vereinzelt mit Gewittern zu rechnen. Die Menschen im Nordosten können sich auf einen Wechsel aus Sonne und Wolken einstellen und auch im Südwesten soll es sonnig, jedoch nicht mehr so warm wie bisher werden.

bbr/dpa/AFP