Unwetter in Sachsen Hochwasseralarm in Görlitz
Görlitz/Zittau - Am späten Abend wurde die Flutwelle in der deutsch-polnischen Grenzstadt erwartet. Nachdem im polnischen Radomierzyce (Radmeritz) eine Staumauer gebrochen war, schoss das überlaufende Wasser in die Neiße. Die Flutwelle sollte Görlitz von etwa 22 Uhr an erreichen, teilte der Katastrophenschutzstab des Landkreises mit. Sein Aufruf: "Die Bevölkerung wird gebeten, ihre Häuser zu verlassen und höhergelegene Orte aufzusuchen." Entlang der Neiße liefen bereits Evakuierungen, weitere würden vorbereitet. Die Bevölkerung werde über Lautsprecherwagen informiert, hieß es aus dem Katastrophenschutzstab.
"Wir haben alles im Einsatz, was wir haben", sagte eine Sprecherin. Für Informationen wurde ein Bürgertelefon geschaltet mit den Nummern 03588/285940 und 03588/285941.
Auf der Witka, einem Nebenfluss der Neiße, erreichte die Flutwelle nach Angaben des dortigen Krisenstabs eine Höhe von sieben Metern. Mehrere polnische Ortschaften drohten überflutet zu werden. Die Menschen in den umliegenden Gebieten wurden in Sicherheit gebracht, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf das Krisenzentrum in Breslau.
Das Hochwasser hatte zuvor bereits mehrere Tote gefordert, darunter drei ältere Menschen in Neukirchen bei Chemnitz. Sie waren im Keller eines Mehrfamilienhauses ertrunken. Zunächst wurde im Süden des Landkreises Görlitz Katastrophenalarm ausgerufen, am Abend auch in Teilen der Sächsischen Schweiz. Er gilt für Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau und die Gemeinde Kirnitzschtal, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Pirna mit.
Dort wurden am Abend mehrere Menschen per Hubschrauber evakuiert. Sie hatten sich in einem Hotel mit Restaurant (Buschmühle) aufgehalten, das vom Wasser eingeschlossen war.
Alarmstufe vier in Zittau
In der knapp 40 Kilometer von Görlitz entfernten Stadt Zittau gab es nach Polizeiangaben mehrere Verletzte und vom Wasser eingeschlossene Menschen. "Hier herrscht absolutes Chaos, das übertrifft alles bisher Dagewesene", sagte ein Polizeisprecher. Ein Wohnviertel im Osten der Stadt stand unter Wasser und musste evakuiert werden. In Zittau erreichte der Pegelstand der Neiße laut Landeshochwasserzentrum am Abend 4,86 Meter. Das bedeutet Hochwasseralarmstufe vier.
Die Wassermassen stoppten auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der sich in Zittau im Dreiländereck zu Polen und Tschechien umsehen wollte. Kurz hinter der Stadt seien Orte abgeschnitten und stünden unter Wasser, berichtete der Sprecher des Innenministeriums, Frank Wend. Die Menschen würden mit Schlauchbooten aus ihren Häusern geholt. Es sei das schlimmste Hochwasser in Sachsen seit mehr als hundert Jahren.
Dresden hingegen muss nach derzeitigen Prognosen nicht mit einem Jahrhunderthochwasser wie 2002 rechnen. Das Hochwasserzentrum geht davon aus, dass in der Landeshauptstadt am Montagabend ein Wasserstand von sechs Metern erreicht wird. Normal sind etwa zwei Meter. Vor acht Jahren, als Teile der Stadt überflutet worden waren, lag die Höchstmarke bei 9,40 Meter.
Wegen Hochwassers an der Elbe musste am Samstag der Zugverkehr zwischen Sachsen und Tschechien unterbrochen werden. Die Strecke Richtung Prag und Budapest wurde am Abend zwischen Bad Schandau und Königstein gesperrt, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz/Osterzgebirge mit. Die Bahnlinie verläuft dort nahe des Flusses. Beim Hochwasser 2002 war die Strecke stark beschädigt worden.
Polnische Stadt überflutet
In Polen wurde die Stadt Bogatynia an der Grenze zu Sachsen fast vollständig überflutet. Ein Mensch sei dabei ums Leben gekommen, sagte der Sprecher der polnischen Feuerwehr, Pawel Fratczak, der Agentur PAP. Viele Menschen warteten auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung. Auch in Tschechien wurden mindestens vier Hochwassertote gemeldet.
Unterdessen stiegen auch in Sachsen-Anhalt die Pegelstände einiger Flüsse. Wegen des Hochwassers der Weißen Elster sollte nach Einschätzung der zuständigen Zentrale in Magdeburg noch in der Nacht zum Sonntag am Pegel Zeitz die Alarmstufe zwei ausgerufen werden. Bei Gera-Landenberg gelte diese Stufe bereits. Insgesamt gibt es vier Stufen.
Heftiger Regen hatte am Freitag und Samstag auch in Bayern Straßen überschwemmt und Flüsse über die Ufer treten lassen. Vor allem im Allgäu fielen an mehreren Orten binnen 24 Stunden mehr als hundert Liter Regen pro Quadratmeter - so viel wie normalerweise im ganzen Monat Juli. Helfer mussten zu etlichen Einsätzen ausrücken, zunächst blieb die Situation aber unter Kontrolle.
Verantwortlich für das Unwetter ist das Tief "Viola", das von Italien über Bayern in den Osten zog.