Unwetter Taifun verwüstet Philippinen - viele Tote

Der Taifun "Fengshen" ist mit 195 Stundenkilometern über die Philippinen hinweggefegt. Mehr als 150 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende sind auf der Flucht. Und noch immer werden die 700 Menschen vermisst, die an Bord der gesunkenen "MV Princess of Stars" waren.


Manila - Besorgte Angehörige haben am Sonntag um das Schicksal der Menschen gebangt, die an Bord der gekenterten Fähre waren. Die Küstenwacht unternahm an diesem Sonntag einen weiteren Anlauf, die "MV Princess of Stars" zu erreichen, nachdem am Samstag Versuche am Wetter gescheitert waren. Zunächst wurden nur vier Überlebende gemeldet, die sich auf eine Insel retten konnte. An einem Strand wurden vier Leichen gefunden, zudem Kinderschuhe.

Die Überlebenden berichteten, viele Passagiere hätten das Schiff nicht mehr rechtzeitig verlassen können. "Viele Passagiere sind einfach ins Wasser gesprungen", sagte eine Überlebende einem örtlichen Radiosender. Es habe nur eine einzige Mitteilung der Besatzung über Probleme gegeben. Kurz danach sei das Schiff in Schräglage geraten. Vor allem ältere Menschen seien auf der Fähre geblieben.

In den Büros des Fährbetreibers Sulpicio Lines forderten Angehörige teils mit Tränen in den Augen genaue Informationen. "Mein Vater war an Bord, und es gibt keine guten Nachrichten", sagte eine Frau. "Er ist 59, und ich weiß noch nicht einmal, ob er schwimmen kann." Gleichwohl könnten sich der Küstenwache zufolge viele Menschen auf eine der zahlreichen Kleininseln in der Nähe gerettet haben.

Die Fähre war am Samstag zunächst in der Nähe der Insel Sibuyan auf Grund gelaufen und später gekentert. Hafenmeister Nestor Ponteres erklärte, der Eigner habe den Funkkontakt zu dem Schiff verloren. An Bord waren 626 Passagiere und 121 Besatzungsmitglieder. Vier Schiffe der Küstenwacht und drei der Marine wurden in das Unglücksgebiet geschickt, wie der Chef der Küstenwacht, Vizeadmiral Wilfredo Tamayo erklärte. Die Luftwaffe wurde gebeten, sobald das Wetter sich gebessert habe, Suchflugzeuge zu schicken.

Ein Schiff der Küstenwacht kämpfte in dem Gebiet mit hohem Seegang und starkem Wind, wie Sprecher Grade Arman Balilo erklärte. "Sie haben noch niemanden gesehen. Sie durchsuchen das Gebiet. Sie beobachten die Richtung der Wellen, um zu sehen, in welche Richtung Überlebende getrieben werden könnten." Fähren sind das wichtigste Transportmittel zwischen den vielen Inseln der Philippinen. Sie waren auch Schauplatz des schwersten Schiffsunglücks in Friedenszeiten, als 1987 beim Untergang der Fähre "MV Dona Paz" mehr als 4340 Menschen starben.

Die Zahl der übrigen Todesopfer des Taifuns "Fengshen" stieg indes nach neuen Angaben auf mindestens 155. Wie das philippinische Rote Kreuz am Sonntag mitteilte, ist die zentrale Provinz Iloilo mit 101 Toten am stärksten betroffen. "Fast alle Städte stehen unter Wasser", sagte Gouverneur Neil Tupaz. "Es ist wie ein Ozean." Auch in den benachbarten Provinzen Romblon Cotabato, Antique und Capiz habe es Tote gegeben. 27 Menschen werden den Angaben zufolge vermisst.

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

"Fengshen" war mit Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern über Teile der Philippinen hinweggefegt. Wegen starken Regens, Flutwellen und Erdrutschen waren am Samstag nach offiziellen Angaben Hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Das Unwettergebiet erreichte am Sonntag auch die Hauptstadt Manila, wo heftiger Regen niederging. Von dem Wirbelsturm betroffen war auch die südliche Provinz Maguindanao. Der Taifun verwandelte hier Flüsse und selbst kleine Wasserläufe in reißende Ströme, die über ihre Ufer traten. Mindestens drei Häuser wurden von den Fluten weggespült.

dab/AP/AFP



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