Fotostrecke

»Ylenia« fegt über Deutschland

Foto:

Daniel Bockwoldt / dpa

Unwetter über Deutschland Sturmflutwarnungen für den Norden – Ausnahmezustand in Berlin

Tief »Ylenia« hinterlässt schwere Spuren in weiten Teilen Deutschlands: Im Norden herrscht weiter Sturmflutgefahr, zahlreiche Züge fallen aus – und in Berlin waren die Einsatzkräfte am frühen Morgen am Anschlag.

Sturmtief »Ylenia« dominiert an diesem Donnerstag den Alltag der Menschen in weiten Teilen Deutschlands – und schränkt ihre Mobilität ein. Im Norden droht eine Sturmflut, in Berlin haben die Einsatzkräfte wegen zahlreicher Alarmrufe den Ausnahmezustand ausgerufen.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)  warnt für die deutsche Nordseeküste erneut vor der Gefahr einer Sturmflut am Nachmittag. An der nordfriesischen Küste und im Weser- und Elbegebiet wird das Hochwasser 1 bis 1,5 Meter höher sein als normal. Im Hamburger Elbegebiet erreiche das Hochwasser wohl Werte, die 1,5 bis 2 Meter höher als das mittlere Hochwasser liegen. Die Sturmflutgefahr besteht bis etwa 17.30 Uhr.

Auch für Freitagfrüh werde erneut eine Sturmflut erwartet, sagte ein Sprecher. Sturmfluten an sich seien normal, in der Häufigkeit wie im Moment jedoch ungewöhnlich, »ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den vergangenen 20 Jahren so viele Sturmfluten hintereinander hatten.« Seit dem 29. Januar hat das BSH bereits vor acht Sturmfluten gewarnt.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Dutzende Einsätze in Berlin

In Berlin hat die Feuerwehr am Vormittag erneut den Ausnahmezustand ausgerufen. Das bedeutet, dass so viele Alarmrufe eingehen, dass sie nicht mehr wie sonst üblich nacheinander abgearbeitet werden können, sondern andere Prioritäten gesetzt werden. Das kommt häufiger vor.

In der Nacht zu Donnerstag hatte die Feuerwehr den Ausnahmezustand bereits zwischen 2.30 Uhr und 4.30 Uhr ausgerufen. Von 2 Uhr bis 5.30 Uhr gab es 76 wetterbedingte Einsätze. »Größtenteils handelte es sich um umgestürzte Bäume oder lose Bauteile.« Die Lage beruhigte sich dann zunächst. Mit dem Berufsverkehr und der zunehmend belebten Stadt am Morgen kamen aber wieder viele Alarmierungen zusammen.

In Berlin-Lichterfelde stürzten in der Nacht drei Bäume auf parkende Autos, auch eine Laterne wurde mitgerissen. In Marienfelde deckte der Sturm Teile eines Flachdachs ab. Von verletzten Menschen sei aber nichts bekannt, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) meldete den Unfall eines Ausflugsschiffes im Westhafen. Die BVG-Fähre F12 in Grünau im Südosten Berlins fuhr wegen des Sturms nicht mehr.

Weiter orkanartige Böen im Norden Deutschlands

Die Feuerwehr warnte am Morgen weiterhin davor, das Haus zu verlassen, wenn das nicht unbedingt nötig sei. Es sei damit zu rechnen, dass der Sturm im Laufe des Vormittags noch einmal an Stärke zunehme, sagte der Feuerwehrsprecher. Wälder und Parks in Berlin sollten besser nicht betreten werden, weil durch den Sturm Äste von den Bäumen fallen könnten.

Wegen des Sturms mit Orkanböen hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg verkehren keine Züge des Fernverkehrs, wie die Bahn am Donnerstagmorgen mitteilte. Auswirkungen gebe es auch in anderen Bundesländern.

Auch im Regionalverkehr komme es zu Zugausfällen und Verspätungen. In Niedersachsen sei aufgrund der Sturmschäden südlich von Hamburg kein Zugverkehr möglich. Wegen des noch andauernden Sturms ist mit weiteren Störungen zu rechnen.

Außerdem fiel bei Tausenden Haushalten der Strom aus. In Bayern verzeichnete der größte Stromnetzbetreiber, Bayernwerk Netz, 10.000 Betroffene, wie ein Sprecher am Morgen sagte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In Nordrhein-Westfalen fiel für etwa 54.000 Haushalte in der Nacht zu Donnerstag der Strom aus, wie der Betreiber Westnetz auf Twitter mitteilte. Später waren demnach rund 20.000 Menschen in den Regionen Arnsberg, Niederrhein, Siegen und Osnabrück in Niedersachsen betroffen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ursache für die Ausfälle waren häufig auf Leitungen gestürzte Bäume. Meist wurde die Versorgung demnach schnell wieder hergestellt.

Einschränkungen werden derweil auch für den Flugverkehr gemeldet. Der Flughafen Berlin Brandenburg International hat am Morgen die sogenannte Flugzeugabfertigung unterbrochen. Das bedeutet, dass wegen der starken Sturmböen keine Maschinen beladen beziehungsweise entladen werden und zunächst auch keine Passagiere in die Flugzeuge einsteigen können, wie ein Sprecher des BER sagte. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sind nach Betreiberangaben Verbindungen mit Berlin, München und Hamburg betroffen. Am Flughafen Hamburg fallen rund ein Dutzend Flüge aus.

Das Sturmtief zwingt auch Schiffsreisende zur Geduld. Weil die Elbe derzeit für große Schiffe gesperrt ist, darf etwa das Kreuzfahrtschiff »Aidaprima« nicht wie geplant den Hamburger Hafen anlaufen, wie eine Sprecherin der Hafenbehörde HPA sagte. Auch der Fährverkehr wurde vielerorts vorübergehend eingestellt, etwa in Lübeck oder Rostock.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gibt es am Donnerstag weiterhin verbreitet orkanartige Böen im Norden Deutschlands. Dabei können im Norden und im Osten Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometern pro Stunde auftreten. Für Freitagnachmittag wird zudem die nächste Sturmlage erwartet. Dabei konnten zunächst auch Orkanböen nicht ausgeschlossen werden. Details seien allerdings noch sehr unsicher.

bbr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.