Israel ist ein facettenreiches Reiseziel – so holst du dir die Vielfalt nach Hause

Aus unserer Reihe "Weg ohne weg"

Dieser Beitrag wurde am 28.05.2020 auf bento.de veröffentlicht.

Weg ohne weg

Wegen der Coronakrise ist Verreisen derzeit schwierig – und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben. 

In unserer Urlaubsreihe "Weg ohne Dreck" stellen wir euch normalerweise schöne Orte vor, die mit wenig CO2-Ausstoß erreichbar sind. In "Weg ohne weg" hingegen bringen wir euch Reiseziele näher – ohne, dass ihr dafür überhaupt euer Haus verlassen müsst. Also auch: Weg ohne Weg.

Mit Rezepten für lokale Spezialitäten, Musik und Traditionen könnt ihr euch den Urlaub so nach Hause holen. Klimafreundlicher geht's eigentlich kaum.

Diese Woche: Israel für zu Hause

Du landest am Flughafen Ben Gurion. Draußen scheint die Sonne, am Himmel keine einzige Wolke, aber drinnen ist es klimatisiert kühl. Der Grenzbeamte fragt dich: "What is the purpose of your visit?" Warum bist du hier? Klar, Urlaub! Aber was für einer? 

Jetzt musst du dich entscheiden:

  • Willst du ans Meer, in die Partymetropole Tel Aviv und einfach das Leben genießen? 
  • Willst du dir die Altstadt von Jerusalem ansehen und verstehen, warum alle diesen Fleck Erde das "heilige Land" nennen?
  • Hast du Rucksack und Zelt dabei und willst das Land durchwandern – von den grünen Golanhöhen durch die Wüste und schließlich zum Roten Meer?

Israel ist winzig, aber extrem vielfältig. All diese Ziele sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Deswegen: Choose your own adventure. Oder mach einfach alles – von zu Hause.

Ich fahre fast jedes Jahr nach Israel. Ich habe Familie dort und selbst ein Jahr in Tel Aviv gelebt, der tollsten Stadt der Welt. Da bin ich parteiisch. Und als Reiseleiterin dieser Gruppe entscheide ich, dass wir hier unseren Tag starten.

Frühstück am Strand 

In Israel gibt es großartiges Essen. Selbst im mittelmäßigen Imbiss schmeckt der Hummus besser als alles, was hier in Deutschland als solcher verkauft wird. Aber keine Sorge: Ich habe Rezepte. 

Wir setzen uns also in ein Strandcafé – beziehungsweise heute wohl eher auf den Balkon. Du brauchst vermutlich erstmal einen Kaffee. Dazu gibt's Shakschuka. Das sind im Grunde Eier in scharfer Tomatensauce. Klingt komisch, ist aber legendär lecker und super einfach.

Lass dich nicht von komplizierten Rezepten einschüchtern! Mach einfach eine Tomatensauce mit Gemüse und Gewürzen nach Geschmack. Dann schlägst du die Eier rein und lässt das Ganze entweder im Backofen oder mit Deckel köcheln, bis die Eier recht durch sind. Brot dazu, vielleicht noch etwas Käse – fertig ist das perfekte Katerfrühstück.

Mit den Israelis kommt man schnell ins Gespräch. Das wichtigste Wort: "Sababa!" Das kommt aus dem Arabischen und heißt so viel wie: "Super, prima, alles klar." Alternativ geht aber auch: "Achla." 

Viel mehr Hebräisch brauchst du in Israel eigentlich nicht. Jeder spricht Englisch. Oder Russisch. Oder Französisch. Oder Arabisch. Manchmal sogar Deutsch. Es gibt wohl wenige Orte auf der Welt, in denen Menschen mit so vielen unterschiedlichen Familiengeschichten und Hintergründen zusammenkommen. Auch deswegen ist das Essen hier so gut. Es ist ein "Mischmasch" (das nennen sie auch hier so) aus vielen verschiedenen Kulturen. 

Wenn du trotzdem ein bisschen lernen – oder dich verbessern willst – empfehle ich den Podcast "Streetwise Hebrew".

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Thailand

Jerusalem muss sein

Ich würde ja am liebsten in Tel Aviv bleiben, durch die Boutiquen schlendern, die Bauhaus-Häuser fotografieren, auf dem Shuk (Markt) einkaufen und zur Abkühlung ins Meer. Das sähe ungefähr so aus:

Eine VR-Tour durch Tel Aviv

Aber wir haben keine Zeit. Du musst nach Jerusalem, in die Heilige Stadt. Die Atmosphäre dort ist anstrengend dicht. Die Menschen sind gestresster, zielstrebiger als die entspannten Tel-Avivis. Als wären sie direkt im Auftrag Gottes unterwegs. Alles fühlt sich bedeutungsvoll an. Das beeindruckt und irritiert zugleich. 

Wir laufen durch die Altstadt. Hier soll also Jesus unterwegs gewesen sein. Noch heute tragen Menschen deswegen hier Kreuze über die Via Dolorosa – eindrucksvoll nachzuempfinden in dieser Doku des Bayrischen Rundfunks 

Zeit für Kultur

Was bedeutet es, in dieser Stadt zu leben? Was geht hinter den Häuserfassaden vor, die alle aus dem gleichen Stein gemeißelt sind?

Das erfährst du zum Beispiel bei Netflix:

  • "Shtisel" erzählt feinfühlig vom Leben in der ultraorthodoxen Gemeinschaft – und einem, der sich mit ihren Regeln schwertut und immer in die falschen Frauen verliebt.
  • "Fauda" ist ein Geheimdienstdrama vor der Kulisse des israelisch-palästinensischen Konflikts. Wer Homeland – oder die israelische Vorlage "Hatufim" – mag, sollte da auch mal reinschauen. Und dann gibt’s natürlich noch "Hostages".

Das ist alles ganz schön anstrengend, deswegen essen wir zur Stärkung Hummus. Er ist lauwarm, gleichzeitig cremig-flüssig und mit wachsweichen Kichererbsen. Natürlich kannst du alles durchpürieren, aber so wie in diesem Rezept ist es leckerer.   Dazu gibt es frischgebackenes, fluffiges Pita  und hausgemachte Limonade.

Foto: Helene Flachsenberg

Der perfekte Abend 

Puh, was für ein Tag! Zum Ende musst du dich noch einmal entscheiden:

  • Feiern wie in Tel Aviv? Dann raus auf den Balkon, Spotify und diese Playlist an  und abtanzen! Aber Vorsicht: Israelis lieben Dance Music, trinken viel und flirten rücksichtslos.
  • Lieber raus aus der Stadt? Dann ab in die Wüste, äh… mit einem Projektor Sterne an die Decke strahlen.
  • Ach, ans Tote Meer willst du auch noch? Okay. Kipp ordentlich Salz (etwa 1 Kilo) in die Badewanne und entspann dich.
  • Wieder Hunger? Hier und hier gibt es noch mehr Inspiration zum israelischen Kochen.
  • Oder vielleicht ein Wohnzimmer-Konzert? Ich empfehle abtanzen mit "Balkan Beat Box " oder den Abend genießen mit Efrat Gosh.  

Und wenn dir das immer noch nicht reicht, dann musst du wohl doch irgendwann wirklich nach Israel – wenn die Pandemie vorbei ist. 

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