Urlaubspläne Berlusconi will Erdbebenopfer auf Kreuzfahrt schicken

Erst sollten sie die Katastrophe wie einen Campingurlaub nehmen, dann bei Ikea einkaufen oder in seinen Villen wohnen. Jetzt hat Italiens Regierungschef Berlusconi einen neuen Plan für die obdachlosen Erdbebenopfer aus den Abruzzen: Er will ihnen Adria- und Kreuzfahrturlaub spendieren - auf Staatskosten.


Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will einige der Überlebenden des schweren Erdbebens in den Abruzzen zu einer Kreuzfahrt im Mittelmeer einladen. Es würden einige Reisen in der Adria für diesen Sommer organisiert, kündigte er an.

"Für den kommenden Sommer planen wir Ferien an der Adria und Kreuzfahrten, auf die wir Jugendliche und ganze Familien schicken wollen", sagte der Regierungschef. Die Regierung werde die Kosten übernehmen.

Berlusconi, der in seinen jungen Jahren als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitete, äußerte sich während eines Besuchs in L'Aquila. Die Stadt war von dem Beben der Stärke 6,3 am 6. April am schwersten getroffen worden. Insgesamt wurden fast 300 Menschen getötet und rund 50.000 obdachlos.

Berlusconi war infolge des Erdbebens schon öfter wegen umstrittenen Äußerungen in die Schlagzeilen geraten. Erst riet er den Menschen in den Zeltstädten im Erdbebengebiet, sie sollten die Sache wie einen Campingurlaub angehen. Später riet er den Erdbebenopfern zum Einkauf bei Ikea. Die Regierung werde dafür sorgen, dass "diese geringe Summe" vom Staat erstattet werde. Später bot er an, Betroffene in seinen privaten Villen unterzubringen, und flirtete in aller Öffentlichkeit mit einer Rettungsärztin.

Die Beliebtheit des 72-jährigen Regierungschefs in Italien hatte durch sein promptes Handeln nach dem schweren Erdbeben noch zugenommen. In den vergangenen Wochen war Berlusconi jedoch durch den "Fall Noemi" arg in Verlegenheit geraten. Immer wieder wies der Ministerpräsident Vorwürfe zurück, eine Affäre mit dem damals noch 17-jährigen blonden Mädchen aus Neapel gehabt zu haben. In der vergangenen Woche schwor er bei seinen Kindern, es habe niemals eine intime Beziehung zu Noemi gegeben.

plö/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.