Ursachen des Blackouts Schweizer Baum legte Italien lahm

Die Ursache für den Stromausfall und die chaotischen Zustände im ganzen Land liegt vermutlich in der Schweiz. Eine Kettenreaktion hat dafür gesorgt, dass 57 Millionen Menschen am Sonntagmorgen von der Stromversorgung abgeschnitten waren - mehr als bei dem dramatischen Zwischenfall in Nordamerika vor sechs Wochen.

Rom - Erst allmählich wurde die Versorgung im Laufe des Sonntags wieder in Gang gebracht. Hintergrund des Stromausfalls ist die massive Abhängigkeit der italienischen Versorgung vom Import aus den Nachbarländern. Seinen Anfang nahm der Stromausfall offenbar in der Nähe der Ortschaft Brunnen im Kanton Schwyz.

Dort stürzten in der Nacht zum Sonntag Zweige eines Baums auf eine 380-Kilovolt-Leitung der Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel), wie die Gesellschaft mitteilte. Der Ausfall dieser wichtigen Nord-Süd-Leitung über den Lukmanierpass führte gegen 3 Uhr zu einer Überlastung weiterer Leitungen, über die Strom nach Italien exportiert wird.

Schließlich wurden auch zwei Leitungen von Frankreich nach Italien unterbrochen. Gegen 3.25 Uhr war dann ganz Italien mit Ausnahme der Insel Sardinien ohne Strom. Atel-Sprecher Rolf Schmid erklärte jedoch, der Vorfall bei Brunnen könne nicht als einzige Ursache des Stromausfalls betrachtet werden.

Mehr als 110 Züge mit 30.000 Passagieren waren in der Nacht zum Sonntag stundenlang blockiert. In Rom, wo die Bevölkerung zu einer Nacht der Museen eingeladen war, saßen hunderte von Menschen in der U-Bahn fest.

Ansprache des Papstes im Kerzenschein

Die Behörden riefen zur Besonnenheit auf. "Natürlich gibt es Probleme, aber angesichts der Lage läuft es noch gut", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Pasquale Aversa. Krankenhäuser und Notfallzentren arbeiteten mit Notstromgeneratoren. Papst Johannes Paul II. hielt seine wöchentliche Ansprache im Vatikan bei Kerzenschein.

Erst gegen Mittag lief die Versorgung in den Städten im Norden wieder an. In Rom fiel der Strom nach der Wiederherstellung jedoch mehrfach erneut aus. Im Süden des Landes waren manche Regionen auch am Nachmittag noch von der Versorgung abgeschnitten.

Italien hatte schon im Juni in einigen Landesteilen mit Stromausfällen zu kämpfen, als wegen der außergewöhnlichen Hitze die Stromnetze überlastet waren. ACEA hatte schon zu gewarnt, der Strombedarf in Italien steige stärker, als langfristig gesehen bereitgestellt und importiert werden könne. Nach dem Blackout vom Sonntag mahnten Präsident Carlo Azeglio Ciampi und die Versorger den Bau neuer Kraftwerke an.

Italien ist nicht das einzige Land, das in jüngster Zeit von schweren Stromausfällen betroffen ist. Ab 14. August waren rund 50 Millionen Menschen in den USA und Kanada tagelang ohne Strom, am 28. August war London betroffen, am vergangenen Dienstag gingen in Dänemark und Schweden die Lichter aus.

Deutsche Energiewirtschaft will Blackout abgewehrt haben

Die deutsche Energiewirtschaft hat anscheinend durch eine schnelle Reaktion verhindert, dass sich der Stromausfall in Italien und im Tessin auch auf das hiesige Stromnetz auswirken konnte. In Deutschland seien sofort Pumpspeicherwerke in Betrieb genommen worden, um Strom zu verbrauchen und so ein Überschreiten der Normalnetzfrequenz zu verhindern, sagte der Sprecher des drittgrößten heimischen Stromkonzerns, Vattenfall Europe, Johannes Altmeppen, der "Berliner Zeitung".

Andernfalls hätte es im westeuropäischen Stromverbundnetz ausgehend von Italien eine Rückkopplung in Form überhöhter Netzspannung auch auf Deutschland geben können. Italien verfüge gegenwärtig generell über "zu wenig Leistung im Netz".

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