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Klüger werden mit: Ursula Ott

Die 39-jährige Autorin über die steigende Anzahl von Patchwork-Familien
aus DER SPIEGEL 2/2003

SPIEGEL: Wie viele Väter und Mütter kann ein Kind ertragen?

Ott: Die intakte, heile Kleinfamilie ist ein junges Phänomen. In allen Jahrhunderten gab es auf Grund der hohen Müttersterblichkeit und im Krieg gefallener Väter massenhaft Stieffamilien - heute sagen wir dazu Patchwork-Familie, das klingt schöner. Wenn man es richtig anstellt, dann bieten sich den Kindern über die Co-Väter oder -Mütter viele neue Chancen. Sie lernen frühzeitig Dinge, die sie sowieso erwerben werden: Mobilität, wechselnde Bezugspersonen, das Leben in verschiedenen Welten.

SPIEGEL: Für Ihr Buch »New Family« haben Sie ein Dutzend solcher Familien porträtiert. Was kommt nach der Kleinfamilie?

Ott: Denkbar ist alles, was den Bedürfnissen oder der Finanzlage der Menschen entspricht. Das können auf verschiedene Orte verteilte Großfamilien sein oder homosexuelle Frauen und Männer, die über künstliche Befruchtung oder Adoption eine Familie gründen. An erster Stelle stehen aber die Patchwork-Familien, jede zehnte Familie zählt dazu. Ein großer Vorteil dieses Modells: Patchwork-Mütter sind durch den Zuwachs von Familienmitgliedern unabhängiger und doppelt so häufig berufstätig wie Normalfamilien-Mütter.

SPIEGEL: Wird es die Evolution schaffen, den Kindern den Schmerz über die Trennung von ihren Eltern abzugewöhnen?

Ott: Der Liebeskummer nach dem Verlust eines Elternteils wird immer bleiben, denn den richtigen Papa kann man nicht ersetzen. Aber die Stigmatisierung durch die anderen nimmt ab. In vielen Schulklassen lebt mittlerweile die Hälfte aller Kinder in einer neuen Familienform; das hilft natürlich, mit dem Schmerz besser umzugehen.

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