Urteil Beaujolais ist kein "Scheißwein"

Es war eine Frage der Ehre: Darf eine Zeitschrift ein Weinfachmann zu Worte kommen lassen, der den berühmten Beaujolais als "Scheißwein" bezeichnet? Hochrichterlich wurde nun festgestellt: Nein. Das Magazin muss wegen Verunglimpfung 90.000 Euro Schadenersatz zahlen.


Verkaufsschlager in aller Welt
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Verkaufsschlager in aller Welt

Lyon - Ein Berufungsgericht in Lyon bestätigte am Mittwoch ein Urteil gegen die Monatszeitschrift "Lyon Mag", in der sich vor einem Jahr ein Fachmann zu diesem deftigen Ausdruck über den Rotwein aus Südburgund hinreißen ließ. Die Zeitschrift wurde wegen Verunglimpfung zur Zahlung von 90.000 Euro Schadenersatz an 56 Winzergenossenschaften verurteilt. In erster Instanz waren ihnen noch 254.143 Euro zugesprochen worden.

Der Präsident des Weinverbands UIVB, Michel Bosse-Platiere zeigte sich erfreut über das Urteil, erklärte aber gleichzeitig, man verzichte auf die Summe und wolle von der Zeitschrift nur die Prozesskosten zurückerstattet bekommen. Die Winzer wollten das Blatt nicht ruinieren. "Wir sind zufrieden, dass die Justiz die Ehre der Winzer im Beaujolais wiederhergestellt hat", sagte Bosse-Platiere.

Chefredakteur Lionel Favrot hatte die Entscheidung der ersten Instanz als Todesurteil für sein Blatt bezeichnet. "Reporter ohne Grenzen" hatte sich mit der Zeitschrift solidarisch erklärt.



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