Urteil Hohe Haftstrafen für Messerattacken auf Mädchen

Im Fall einer mit 30 Messerstichen getöteten 14-jährigen Türkin hat das Landgericht Hagen hohe Jugendstrafen verhängt. Der 21-jährige Angeklagte Baris G. muss für zehn Jahre, der 18-jährige Fatih G. für neun Jahre ins Gefängnis.


Hagen - Die Höchststrafe für Baris G., der wegen Totschlags, Anstiftung zum versuchten Mord und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde, sei angesichts der Schwere der Schuld angemessen, sagte der Vorsitzende Richter heute in seiner Urteilsbegründung. Er betonte jedoch, dass es sich bei dem Angeklagten um einen "intellektuell schwerfälligen Menschen" handele, auf den das Jugendstrafrecht anzuwenden gewesen sei.

Baris G. hatte am Pfingstmontag vergangenen Jahres die 14-jährige Filis R. auf einem Parkplatz mit einem 15 Zentimeter langen Fleischermesser und 30 Stichen brutal getötet. Hintergrund der Tat war nach Überzeugung der Kammer, dass er mit dem Mädchen am Vortag ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Sie habe ihn damit aufgezogen, dass sie nun möglicherweise schwanger sei.

Nach Ansicht der Kammer hatte Baris G. den Parkplatz aber zunächst nicht in der Absicht angefahren, das Mädchen zu töten. Die Situation sei später eskaliert. Als "Legende" bezeichnete das Gericht die Aussage von G., Filis habe ihn zuvor mit einem Messer angegriffen.

Anschließend forderte Baris G. den Mitangeklagten Fatih G. auf, die andere Autoinsassin, die damals 13-jährige Nicole K., zu erstechen. Sie hatte die erste Bluttat beobachtet. Daraufhin habe dieser das Mädchen mit etwa 23 Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Fatih G. wurde heute wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Nachdem die jungen Männer das zweite Mädchen ebenfalls für tot hielten, verließen sie den Parkplatz. Nicole K. konnte sich aber trotz schwerer Verletzungen zur Straße schleppen, wo sie von einem Autofahrer entdeckt wurde. Sie wurde in einer Notoperation gerettet.

Der Prozess hatte im Februar mit erheblichen Tumulten und Drohungen begonnen. Schon kurz nach Verhandlungsbeginn hatten die Mutter des getöteten Mädchens sowie ein Zuschauer Morddrohungen gegen Baris G. ausgestoßen. Während dieser nach der Verkündung des Strafmaßes mit der flachen Hand auf den Tisch schlug, brach Fatih G. in Tränen aus. Die Mutter der Getöteten sprang daraufhin auf und rief: "So hat meine Tochter auch geweint."



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