Urteil Vater tötete behindertes Baby - Sechs Jahre Haft

Weil ein Krankenpfleger sein behindertes Baby erstickt hat, ist er vom Landgericht Nürnberg zu sechs Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Dabei hatte selbst der Staatsanwalt für einen versuchten Totschlag im minderschweren Fall höchstens vier Jahre Gefängnis gefordert.

Nürnberg - "Es ging ihm weniger um das Schicksal seines Sohnes als um sein eigenes und um das seiner Familie", begründete der Vorsitzende Richter heute das Urteil. Er warnte vor allzu großem Mitgefühl für den Täter, der seinen sieben Monate alten Sohn mit Wolldecken erstickt hatte.

Der Säugling litt am sogenannten Apert-Syndrom und hatte einen deutlich vergrößerten und deformierten Schädel. Außerdem waren weder Zehen noch Finger ausgebildet. Seine Lebenschancen wurden als gering eingeschätzt, bis zu 20 Operationen wären in den ersten Lebensjahren vonnöten gewesen.

"Es gibt ein Opfer und es gibt einen Täter", sagte der Richter. Das Argument des Staatsanwaltschaft, dass der an Lunge und Gehirn geschädigte Säugling in der Tatnacht ohnehin hätte sterben können, ließ das Gericht nicht gelten: "Dann behauptet künftig jeder Mörder, sein Opfer sei an einem Gehirnschlag gestorben."

Allerdings habe seine Frau ihn in der Tötungsabsicht bestärkt, als sie ihn verzweifelt anrief und klagte, sie könne nicht mehr, begründete das Gericht seine Entscheidung. Das Mord-Merkmal der Heimtücke sei nicht gegeben, weil es Zweifel daran habe, ob die Mutter in dieser Nacht ihr Kind gegen den Übergriff des Mannes verteidigt hätte.

Der Krankenpfleger nahm das Urteil sichtlich betroffen auf. Er hatte sich anderthalb Jahre nach der Tat freiwillig der Polizei gestellt. Zu Beginn des Prozesses hatte der 37-Jährige deutlich gemacht, dass er den Prozess als Sühne für seine Tat betrachte. Er sagte: "Ich bedauere zutiefst, dass es geschehen ist, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.