US-Atom-U-Boot versenkt Schulschiff Dramatische Suche nach neun Schiffbrüchigen

Vor der Küste Hawaiis suchen Rettungsmannschaften neun Vermisste im pazifischen Ozean. Sie sind seit der Kollision eines Atom-U-Boots mit einem japanischen Trawler verschollen.


Die "Greenville" ist ein Atom-U-Boot der Los-Angeles-Klasse
DPA

Die "Greenville" ist ein Atom-U-Boot der Los-Angeles-Klasse

Tokio/Washington/Honolulu - Gegen 13.45 Uhr Ortszeit am Freitag rammte die "USS Greeneville" beim Auftauchen neun Meilen von Honolulu entfernt das Fischerei-Schulschiff "Ehime Maru". Das Atom-U-Boot riss nach Medienberichten dabei den Maschinenraum des 499-Tonnen-Trawlers auf und das Schiff ging innerhalb von zehn Minuten unter.

An Bord der "Ehime Maru" waren 35 Schüler und Erwachsene. Nach Angaben der japanischen Küstenwache konnten 26 Menschen nach der Havarie gerettet werden. Nach den übrigen neun Menschen, darunter vier 17 Jahre alte Schüler, wurde bei rauer See weitergesucht. Vermisst werden neben den Schülern einer japanischen Fischereischule zwei Lehrer und drei Besatzungsmitglieder.

Die USA entschuldigten sich bei Japan für die Kollision und boten die Übernahme der Kosten für die Behandlung der Verletzten an. US-Außenminister Colin Powell sprach am Samstag persönlich seinem japanischen Kollegen Yohei Kono auch im Namen von Präsident George W. Bush sein Bedauern über das Unglück aus, teilte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington mit.

Der japanische Kapitän des gesunkenen Trawlers, Hisao Onishi, sagte vor Reportern in Honolulu, das U-Boot sei vor dem Zusammenstoß plötzlich aufgetaucht. "Gewöhnlich segeln wir zum Training nahe der Kollisionsstelle, und ich habe in diesen Gewässern noch nie U-Boote gesehen", fügte der Kapitän hinzu.

Das Wetter sei gut gewesen, der Wellengang niedrig, berichtete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die US-Marine. Die Kollision habe sich an einer Stelle ereignet, das kein Marine-Sperrgebiet sei. Nach US-Medienberichten habe das mit Marschflugkörpern ausgerüstete U-Boot beim Auftauchen offenbar mit seinem Sonar kein anderes Schiff geortet.

Nach Auffassung des deutschen U-Boot-Experten Hannes Ewerth sind zwei Ursachen für den Unfall denkbar. Entweder habe der Trawler seine Motoren ausgestellt gehabt und sei so für das U-Boot nicht zu hören gewesen oder aber das U-Boot sei ohne Stopp aus großer Wassertiefe an die Oberfläche gestoßen, erklärte der ehemalige Kapitän zur See. Menschliches Versagen hielt Ewerth als Unglücksursache eher für unwahrscheinlich.

Bislang konnten nur 26 Menschen konnten gerettet werden
DPA

Bislang konnten nur 26 Menschen konnten gerettet werden

Von den Geretteten erlitten nach japanischen Angaben zwölf leichte Verletzungen und wurden im Krankenhaus behandelt. Die Regierung in Tokio setzte einen Sonderstab ein. An der dramatischen Rettungsaktion vor Hawaii beteiligte sich neben der US-Marine und der Küstenwache auch das Unglücks-U-Boot. Zudem wurden nach japanischen Medienangaben weitere japanische Ausbildungsschiffe in der Region hinzugerufen.

In Japan fanden sich die Eltern der Schüler in der Uwajima Fisheries High School ein, der der gesunkene Trawler gehört. Das 58 Meter lange Schiff befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf einer mehrwöchigen Ausbildungsreise. NHK zeigte weinende Mütter, die um ihre Kinder bangten. Rund 20 Familienangehörige, der Leiter der Schule sowie örtliche Beamte wollten nach offiziellen Angaben noch Samstagnacht beziehungsweise Sonntagmorgen nach Hawaii fliegen.

Die Schule auf der westjapanischen Insel Shikoku trainiert ihre Schüler seit mehr als 20 Jahren in den Gewässern um Hawaii. Dort bilden nach Angaben der japanischen Agentur Kyodo die meisten der etwa 50 Fischereischulen in Japan ihre Schüler aus.



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