US-Helden Die triumphale Heimkehr der Jessica Lynch

Jeder Krieg braucht einen Helden. Im jüngsten Krieg war das Jessica Lynch - auch wenn das einzige Verdienst der US-Soldatin darin bestand, sich aus einem irakischen Krankenhaus befreien zu lassen. Jetzt ist die 20-Jährige in ihre Heimat zurückgekehrt.




US-General Peake, Lynch: Orden für die Tapferkeit
REUTERS

US-General Peake, Lynch: Orden für die Tapferkeit

Elizabeth - In ihrer Heimatregion im US-Bundesstaat West Virginia ist der aus einem irakischen Krankenhaus befreiten US-Soldatin Jessica Lynch ein triumphaler Empfang bereitet worden. "Es ist großartig, zuhause zu sein," sagte die 20-Jährige am Dienstagnachmittag vor einer jubelnden Menge in der Kleinstadt Elizabeth. "Ich bin stolz, eine Soldatin in der Armee zu sein."

Es war das erste öffentliche Statement der jungen Soldatin seit ihrer Rettung durch US-Spezialtruppen im 1. April. Nach mehr als dreimonatigem Krankenhausaufenthalt wirkte die Gefreite schwach und erschöpft. Sie saß im Rollstuhl. Nach ihrem Auftritt in Elizabeth reiste sie in ihren rund fünf Kilometer entfernten Heimatort Palestine weiter.

"Ich möchte allen meinen Dank ausdrücken, die gehofft und gebetet haben, dass ich zurückkehre", sagte Lynch, die in Uniform und mit schwarzem Barett auftrat. Sie dankte auch "mehreren irakischen Bürgern, die geholfen haben, mein Leben zu retten". Zu den näheren Umständen ihrer Gefangennahme und Befreiung äußerte sich Lynch allerdings nicht. Nach Angaben ihrer Ärzte hat sie größtenteils keine Erinnerung an diese Ereignisse.

Lynch war nach mehreren Operationen in einem US-Militärkrankenhaus im rheinland-pfälzischen Landstuhl in einem Armeehospital in Washington weiter behandelt und psychologisch betreut worden. Vor ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wurde sie unter anderem mit der Medaille "Purple Heart" (Purpurnes Herz) für Kriegsverletzungen sowie der Medaille für Kriegsgefangene geehrt

Plakate am Straßenrand in West Virginia: "Willkommen Jessica"
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Plakate am Straßenrand in West Virginia: "Willkommen Jessica"

Die 20-Jährige, die eine Woche lang in dem irakischen Krankenhaus gefangen gehalten worden war, wird in den USA als Kriegsheldin gefeiert. In ersten Armeeberichten hatte es geheißen, die junge Frau sei mit ihrer Einheit in einen Hinterhalt geraten und bei heftigen Gefechten mit den irakischen Angreifern verwundet worden. Später stellte sich die Geschichte als wesentlich schlichter heraus.

Ein Bericht der US-Armee stellte Anfang Juli allerdings klar, dass die Soldatin bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde, als ihr Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf ein anderes auffuhr. Ihr Konvoi mit 33 Soldaten in 18 Fahrzeugen hatte sich verirrt und war schließlich unter Beschuss geraten. Bei dem Überfall wurden acht US-Soldaten getötet und sieben weitere gefangen genommen.

Nach Medienberichten waren die Umstände von Lynchs Rettung weniger dramatisch, als es zunächst den Anschein hatte: Demnach hielten sich keine irakischen Truppen mehr in dem Hospital auf, als die US-Spezialtruppen dort eintrafen.



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