US-Katholiken Treibt Priestersex die Kirche ins Verderben?

Der Priester John Geoghan soll 130 Jungen sexuell belästigt haben, und seit Januar mussten schon mindestens 55 Geistliche in 17 Diözesen ihre Kanzel räumen. Die katholische Kirche in den USA befindet sich durch den Sex-Skandal in einer mehr als unangenehmen Verfassung.

Washington - Die Entschädigungszahlungen bringen die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten massiv in Bedrängnis. Die Diözese Boston willigte bereits ein, an 90 Kläger, die nach eigenen Angaben von Priester Geoghan missbraucht wurden, bis 30 Millionen Dollar zu zahlen. Die endgültigen Zahlungen könnten sich auf über 100 Millionen Dollar belaufen.

Um die Millionenbeträge zu zahlen, wird in Boston bereits über den Verkauf von mehreren Kirchen nachgedacht. Erschwerend für die katholische Kirche kommt hinzu, dass viele ihrer großzügigen Spender angesichts der Skandale nun nicht mehr bereit sind, den Geldbeutel zu öffnen.

Die Katholiken in ganz USA sind verunsichert, seit die Zeitung "Boston Globe" Anfang Januar die ersten Anschuldigungen gegen Geoghan erhob. Mit jedem Tag scheint sich der Skandal neu auszuweiten. Inzwischen wurde Geoghan, dem sexuelle Belästigung von 130 Jungen vorgeworfen wurde, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Doch das war offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Seit Januar mussten mindestens 55 Priester in 17 Diözesen ihre Kanzel räumen. Auch ein Bischof musste gehen, und Bostons Kardinal Bernard Law kämpft ebenfalls ums berufliche Überleben. Ihm und vielen anderen Kirchenoberen wird vorgeworfen, von den sexuellen Belästigungen und Missbrauchshandlungen gewusst, aber nicht entschlossen genug gegen die Täter vorgegangen zu sein. So wurde Geoghan, gegen den bereits seit den 80er Jahren Vorwürfe erhoben wurden, einfach immer wieder von Gemeinde zu Gemeinde versetzt. Erst kürzlich entschloss sich Law zur vollen Kooperation mit den Behörden und gab ihnen die Namen von 80 Priestern, gegen die in den vergangenen Jahrzehnten Vorwürfe erhoben wurden.

Viele amerikanische Eltern fragen sich jetzt, ob sie ihre Kinder weiter in die Kirche schicken sollen. So meinte etwa Peggy Morales in der "New York Times", sie überlege, ob sie ihre Kinder weiter in die Sonntagsschule schicken solle. "Ich habe immer gesagt, dass der Kirchenbesuch meine Kinder auf den richtigen Weg bringt. Nun bin ich nur froh, dass mein Sohn nie Ministrant war." Aber nicht nur die Gläubigen sondern auch ihre Seelsorger sind verunsichert. Priester Bartholomew Leon aus New Hampshire wird in der "Washington Post" mit den Worten zitiert: "Ich liebe Kinder, sie kommen immer und umarmen mich, aber jetzt achte ich darauf, dass ich nie mit einem Kind allein im Zimmer bin."

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