US-Magazin "Newsweek" Dianas Auferstehung

Was wäre Diana für eine Person, wenn sie noch lebte? Das US-Magazin "Newsweek" versucht, Antworten zu geben - und lässt die vor 14 Jahren Verstorbene in Text und Bild auferstehen. Die Autorin phantasiert über Botox-Spritzen und Liebschaften, doch für Empörung sorgt vor allem das Titelbild.

REUTERS

Hamburg - Am Donnerstag werden William und Kate zu ihrem ersten offiziellen Auslandsbesuch nach Nordamerika aufbrechen. Sollten sie dort an einem Kiosk vorbeikommen, könnte es gut sein, dass sie in das Gesicht ihrer verstorbenen Mutter und Schwiegermutter blicken.

Das US-Wochenmagazin "Newsweek" zeigt auf seinem Cover eine Fotomontage, darauf zu sehen: Kate und Diana, Seite an Seite. Das Magazin bastelte am Computer ein Bild von Diana, wie sie heute aussehen könnte. Am Freitag wäre sie 50 Jahre alt geworden.

Den zugehörigen Artikel schrieb die Britin Tina Brown, Autorin einer Diana-Biografie und Mitherausgeberin von "Newsweek". Brown geht der Frage nach, was für eine Person Diana wäre, wenn sie heute noch lebte, wenn sie vor 14 Jahren nicht bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen wäre.

Was schon das Titelbild zeigt, schreibt Brown auch in ihrem Text: Diana würde immer noch hervorragend aussehen, kleide sich wie Michelle Obama mit Mode von Galliano, stilsicher darin, lässig mit modisch zu kombinieren.

So weit, so harmlos, doch in der Phantasie der "Newsweek"-Autorin lässt Diana das Altern nicht einfach über sich ergehen: "Es gibt keine Zweifel, dass sie ihr Kinn mit Hilfe von Botox-Spritzen gestrafft hätte."

Mindestens zweimal hätte sie wieder geheiratet, "auf beiden Seiten des Atlantiks". Sie hätte sich über die hoffnungslose Unzuverlässigkeit von Dodi Al-Fayed geärgert, dem Mann, mit dem sie eine Liebesbeziehung einging und an dessen Seite sie im Auto verunglückte. Ihr Neuer wäre ein "Hedge-Fonds-Typ" gewesen, sie hätte in New York gelebt, schreibt Brown. Doch die Liaison wäre nicht von langer Dauer gewesen: Diana hätte sich heimlich mit einem anderen Mann getroffen, "einem weltreisenden Finanzgenie, das berufen ist, in den Elysée-Palast einzuziehen".

Besonders viel Phantasie beweist die Autorin bei der Rolle von Prinz Charles in Dianas Leben: Der Mann, den sie 1981 geheiratet hatte, der Vater ihrer Söhne William und Harry ist und der sie mit Camilla betrog, wäre heute ihr bester Freund. "Sie würde ihm mit Empathie begegnen und ihn um Rat zu ihren eigenen Gefühlen bitten."

Zehn Millionen Follower bei Twitter, 100.000 Freunde bei Facebook

Auch ihr Hass gegen Camilla wäre vergessen: "Newsweek" entwarf eine Facebook-Seite von Diana. Darauf steht die Mitteilung, dass die beiden Frauen nun befreundet sind - was Charles mit einem Klick auf "Gefällt mir" kommentierte. Weiterer Pinnwand-Klamauk: Diana schrieb an Harry, er brauche einen neuen Haarschnitt, an Ai Weiwei: "Hey Freund, du bist raus!" und an Sarah Ferguson: "Wann nehmen wir ein paar Drinks?"

Und ihr Verhältnis zu Schwiegertochter Kate? Angesichts der großen öffentlichen Aufmerksamkeit für Kate "müsste Diana ihre Auftritte im Rampenlicht ausweiten", so die "Newsweek"-Autorin. Diana wäre zugleich eine standhafte Verteidigerin der Middletons gegen die Wichtigtuer des Palasts. Kates Mutter Carole wäre Dianas beste Freundin.

Brown ist sich sicher: "Diana hätte Frieden gefunden, vor allem durch die beiden Dinge, die ihr am meisten bedeuteten: ihre Söhne und ihr humanitäres Engagement." Sie setze sich weiterhin für Opfer von Landminen und Aids ein, die Kassen ihrer Stiftung würden gefüllt durch das Geld reicher Ex-Freunde, bei Twitter folgten ihr zehn Millionen Nutzer, bei Facebook sei sie mit gut 100.000 befreundet.

Viele Leser reagierten empört auf das Titelbild. "Das ist so geschmacklos, lasst die arme Frau in Frieden ruhen. Wenn ich ein Mitglied ihrer Familie wäre, würde mich das sehr verletzen und verärgern", kommentierte eine Frau auf der Internetseite von "Newsweek".

Ein Autor des Magazins der "New York Times" schrieb: "Das ist mehr als geschmacklos." Der Newsblog Mediaite.com nannte den Titel "respektlos auf so vielen Ebenen". Ein Leser des Blogs BoingBoing kommentierte: "Ich freue mich auf ein Feature 'Newsweek wird 100' in 22 Jahren und stelle mir vor, wie das Magazin aussähe, wenn es 2012 überleben würde."

Die "Los Angeles Times" befragte ihre Leser: "Schockierend, brillant oder einfach billig?" Am Donnerstag waren rund 42 Prozent der Meinung, das Cover sei "ekelhaft", nur rund neun Prozent fanden es toll.

bim



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