Schneesturm "Nemo" "Wir haben Glück gehabt"

Mehrere Tote, Hunderttausende Haushalte ohne Strom, zahlreiche Flugausfälle - Amerikas Ostküste liegt nach dem Durchzug von Blizzard "Nemo" unter einer dicken Schneedecke. Und doch herrscht Erleichterung: Die schlimmsten Vorhersagen der Wetterexperten sind nicht eingetroffen.
Passanten in Boston: Fast 90 Zentimeter Neuschnee

Passanten in Boston: Fast 90 Zentimeter Neuschnee

Foto: MARIO TAMA/ AFP

Washington - Der Wintersturm "Nemo" hat im Osten der USA eine dicke Schneedecke über die gesamte Region zwischen Maine und New Jersey gelegt. Ganz so schlimm, wie Wetterexperten es befürchtet hatten, kam es jedoch nicht. Metropolen wie Boston und New York kamen glimpflich davon. Schlimmer traf es ländliche Gebiete besonders in Massachusetts und Connecticut, wo Hunderttausende Menschen zeitweise ohne Strom und Heizung waren. Einige Küstenregionen in Massachusetts mussten wegen Überschwemmungen evakuiert werden. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Im Bundesstaat New York wurde ein 74-jähriger Fußgänger von einer Autofahrerin tödlich überrollt, die in dem Blizzard die Kontrolle über ihren Wagen verlor. In Auburn im Bundesstaat New Hampshire rammte ein Autofahrer einen Baum und starb. In Boston im Bundesstaat Massachusetts starb zudem ein Elfjähriger an einer Kohlenmonoxidvergiftung in einem Auto, in dem sein Vater und er sich aufwärmen wollten. Weitere vier Menschen kamen in Connecticut ums Leben. Glimpflich ging eine Massenkarambolage von 19 Autos im Bundesstaat Maine aus. Hier gab es lediglich einige Leichtverletzte.

Meteorologen hatten im Vorfeld gewarnt, der Sturm könne möglicherweise historische Ausmaße annehmen und das öffentliche Leben über Tage lahmlegen. Doch schon am Samstag zeigte sich vielerorts wieder die Sonne, nachdem "Nemo" auf den Atlantik hinausgezogen war. Flughäfen nahmen den Betrieb wieder auf, Räumtrupps nahmen Straßen und Autobahnen in Angriff. "Wir haben Glück gehabt", sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Sein Kollege aus Boston, Thomas Menino, sah das ähnlich: "Ich bin froh, berichten zu können, dass die Stadt den Sturm bislang gut überstanden hat."

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Blizzard über USA: Crash der Luftmassen

Foto: AFP/ NOAA

Der Wintersturm "Nemo" war in der Nacht zum Samstag mit heftigen Schneefällen und starken Windböen über den Nordosten der USA hinweggerollt und hatte das öffentliche Leben zeitweise stillgelegt. Mehr als 650.000 Haushalte und Betriebe waren ohne Strom - und viele bei eisigen Temperaturen auch ohne Heizung. Mehr als 5000 Flüge und alle Zug- und Busverbindungen mussten gestrichen werden. Auf Autobahnen und Straßen ging nichts mehr, die Sicht war wegen des wirbelnden Schnees auf wenige Meter reduziert. Innenstädte von Metropolen wie New York und Boston wirkten zeitweise wie verwaist. Der Schnee türmte sich in einigen Gegenden bis auf fast 90 Zentimeter.

Langsam schalten Behörden und Betriebe nun wieder auf Normalbetrieb. Am Morgen seien die ersten Flieger auf den New Yorker Flughäfen John F. Kennedy und LaGuardia gelandet, teilten die zuständigen Flughafenbehörden der Bundesstaaten New York und New Jersey mit. Der Bahnbetreiber Amtrak gab bekannt, dass der Zugverkehr zwischen New York und der Hauptstadt Washington wieder aufgenommen wurde. Die Strecke zwischen New York und Boston bleibe jedoch noch bis Sonntag gesperrt.

In den Bundesstaaten Connecticut und Massachusetts hoben die Behörden ein Fahrverbot für Privatautos auf. Der Gouverneur von Connecticut, Dannel Malloy, appellierte an die Bewohner, trotzdem zu Hause zu bleiben. Die Räumfahrzeuge müssten Gelegenheit bekommen, die Straßen frei zu machen.

suc/dpa/AFP
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