US-Ostküste Tausende Amerikaner fliehen vor "Irene"

Hurrikan "Irene" bedroht mehr als 60 Millionen Menschen an der Ostküste der USA. Die Behörden von North Carolina bis New York haben den Ausnahmezustand erklärt, Hunderttausende Anwohner sollen sich in Sicherheit bringen. Präsident Obama hält den Sturm für "extrem gefährlich".

AP/ NASA

New York - Kill Devil Hills ist die Heimat von John H. Woolard. In dem kleinen Ort im US-Bundesstaat North Carolina besitzt der 79-Jährige ein Pfahlhaus am Strand - mit Blick auf den Atlantik. Woolard weiß gar nicht, wie viele Hurrikane er schon erlebt hat. Waren es zwölf? Oder doch 14? Der alte Mann ist stolz darauf, den heftigen Wirbelstürmen immer getrotzt zu haben, erzählt er der "New York Times". Diesmal aber wird er die Gegend wohl verlassen - aus Furcht vor Hurrikan "Irene".

Die Ostküste der USA bereitet sich nach dem jüngsten Erdbeben auf die nächste Naturkatastrophe vor: Der mächtige Wirbelsturm "Irene" bedroht mehr als 60 Millionen Menschen. Erstmals seit drei Jahren dürfte wieder ein Hurrikan die Küste treffen. Experten rechnen damit, dass "Irene" Schäden in Milliardenhöhe hinterlassen wird.

Die ersten Ausläufer des Sturms sollen am Freitagnachmittag (Ortszeit) North Carolina treffen, dann weiter nach Norden ziehen. Zahlreiche Metropolen werden am Wochenende die Folgen des Hurrikans mit heftigen Regenfällen zu spüren bekommen, auch New York ist in Alarmbereitschaft. Bedroht sind alle Einwohner an und in der Nähe der Atlantikküste von North Carolina bis nach Cape Cod bei Boston. Sie bereiten sich auf das Schlimmste vor.

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Hurrikan "Irene": Vorkehrungen an der US-Ostküste
Das Heimatschutzministerium warnte vor flächendeckenden Stromausfällen. Unwetterexperten vermuteten im TV-Sender CNN, dass allein in der Stadt New York bis zu 700.000 Einwohner tage- oder sogar wochenlang ohne Strom sein könnten. Erwartet wurde auch der Ausfall von Internet- und Handyverbindungen.

"Alles aus dem Garten entfernt, was in Fenster fliegen kann"

Die Menschen vor Ort decken sich mit Nahrungsmitteln, Wasser und Benzin ein. Sie versuchen zudem, ihre Häuser, Autos und Boote vor dem nahenden Sturm zu schützen. "Ich habe meinen Wagen vollgetankt, falls ich eilig weg muss", sagt Patricia Stapleton aus Newport, North Carolina. "Außerdem habe ich alles aus dem Garten entfernt, was in Fenster fliegen kann."

In East Hampton im Bundesstaat New York wurden bereits Sitzbänke von Bürgersteigen entfernt. In Southampton gab es laut "New York Times" einen Ansturm auf Taschenlampen und Batterien sowie auf Klebeband und Plastikfolie, mit denen Fensterscheiben geschützt werden können. Vor Supermärkten und Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

US-Präsident Barack Obama rief vorab den Notstand für North Carolina aus, um dem Bundesstaat schneller Hilfen zukommen zu lassen. Mehr als 200.000 Menschen sind dort von Evakuierungen betroffen. Am Samstag könnte die Situation kritisch werden. Von der Inselkette Outer Banks flohen Tausende Einwohner und Touristen ins Landesinnere. In der weiter nördlich gelegenen Region um Cape May in New Jersey wurden 750.000 Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Obama mahnte die Bevölkerung, den Hurrikan ernst zu nehmen und die Evakuierungsanweisungen zu befolgen. Der Präsident sprach von einem "extrem gefährlichen" Sturm. "Im Moment sprechen alle Anzeichen für einen Hurrikan historischen Ausmaßes", so Obama.

Das nationale Hurrikan-Zentrum warnte auf seiner Internetseite auch vor einer möglichen Sturmflut und heftigem Regen in den betroffenen Gebieten. In einigen Regionen wurden bereits Sandsäcke verteilt. "Irene" ist derzeit ein Hurrikan der Kategorie zwei (Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometern pro Stunde) auf der bis fünf reichenden Skala.

New York könnte stillstehen

Am Sonntag dürfte der Sturm dann New York City treffen. Die Einwohner müssen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometern pro Stunde rechnen. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete Evakuierungen von Krankenhäusern und anderen wichtigen Einrichtungen an. Die größte Gefahr seien Überschwemmungen und umgestürzte Bäume, so Bloomberg.

Wegen des Sturms muss womöglich der öffentliche Nahverkehr - mit acht Millionen Passagieren pro Tag das größte des Landes - stillgelegt werden. Anders als im Rest der USA haben viele New Yorker kein Auto und sind auf Bus, U-Bahn und Regionalzüge angewiesen.

An der gesamten Ostküste droht ein Reisechaos. Amerikanische Fluggesellschaften sagten bereits am Donnerstag mehr als hundert Flüge ab, die US-Eisenbahngesellschaft Amtrak kündigte an, die meisten Zugverbindungen südlich der Hauptstadt Washington in den kommenden drei Tagen zu streichen. Der Gouverneur von Virginia forderte die Bewohner gefährdeter Gebiete auf, bereits am Freitag Schutz zu suchen.

Schon auf ihrem Weg durch die Karibik hatte "Irene" schwere Schäden angerichtet, etwa auf den Bahamas viele Häuser zerstört. Der erste schwere Sturm der Hurrikan-Saison im Atlantik hatte sich vor einer Woche in der Karibik gebildet. In der Dominikanischen Republik und in Puerto Rico starben mehrere Menschen. In Puerto Rico wurden infolge von Sturmschäden rund 800.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.

wit/Reuters/AFP/dapd

insgesamt 42 Beiträge
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heuwender 26.08.2011
1. na und?
Zitat von sysopHurrikan "Irene" bedroht mehr als 60 Millionen Menschen an der Ostküste der USA. Die Behörden von North Carolina bis New York*haben den Ausnahmezustand erklärt, Hunderttausende*Anwohner wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,782614,00.html
alle Jahre wieder,für die Amis nichts neues.
Gandhi, 26.08.2011
2. Wann war denn das letzte Mal,
Zitat von heuwenderalle Jahre wieder,für die Amis nichts neues.
dass NYC von einem Hurrikan dieser Staerke bedroht wurde? 1. April 2010?
Gandhi, 26.08.2011
3. Warum machen Sie sich nicht daran,
wenn der Geist Sie ueberkommt, Naturkatastrophen so zu beeinflussen, dass sie sich nur Klimawandelignoranten als Ziel aussuchen?
senfwassertrinkender 26.08.2011
4. scnr
Nicht zu vergessen der zu erwartende Auftragsboom in der Pressspanbranche. Die Häuser müssen ja wieder neu/aufgebaut werden.
janne2109 26.08.2011
5. trinkens
trinkens noch einen Glühwein- ist besser. Hurrikans gab es schon immer
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