US-Premiere In Massachusetts können Homosexuelle heiraten

Schon seit Samstagabend harren sie in Regenjacken vor den Standesämtern aus, um auch ja zu den ersten zu gehören. Ab heute können sich schwule und lesbische Paare in Massachusetts ganz legal trauen lassen - ein Novum in der Geschichte der USA.


Großer Andrang: Rathaus in Boston
AFP

Großer Andrang: Rathaus in Boston

Boston - In der als besonders liberal geltenden Universitätsstadt Cambridge sollten die Dokumente bereits ab Mitternacht ausgegeben werden. Der Versuch von Gegnern der Homo-Ehen, mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Obersten Gerichtshof der USA die Eheschließungen zu stoppen, war am Freitag gescheitert. In einer Erklärung von Erzbischof Sean P. O'Malley heißt es, mit tiefer Trauer werde die Schaffung von gleichgeschlechtlichen Ehen zur Kenntnis genommen. Die katholische Kirche bleibe der Wahrheit verpflichtet, dass die Ehe das einzigartige Band zwischen Mann und Frau sei.

Um einen Heiratstourismus wie vor wenigen Monaten in San Francisco zu verhindern, will sich der Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney - ein Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen, auf ein Gesetz von 1913 berufen, wonach nur Einwohnern des US-Bundesstaates die Eheschließung erlaubt ist.

Der Oberste Gerichtshof des Ostküstenstaates hatte in einem Aufsehen erregenden Urteil im November vergangenen Jahres mit vier zu drei Stimmen entschieden, dass die Verweigerung der staatlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskriminierend ist und die Verfassung des Bundesstaates verletzt. Das Parlament wurde angewiesen, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Zulassung der Homo-Ehe ab 17. Mai zu schaffen.

Das Parlament von Massachusetts stimmte im März zwar für eine Verfassungsänderung, die Homo-Ehen explizit verbietet. Die Entscheidung tritt aber frühestens in zwei Jahren in Kraft. Politiker im ganzen Land arbeiten an Verfassungsänderungen, um die Ehe klar als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren. Dafür haben sich auch Präsident George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry, Senator aus Massachusetts, ausgesprochen.

In einem Verstoß gegen geltende Gesetze hatte der Bürgermeister von San Francisco im Februar mehr als 3400 gleichgeschlechtliche Paare trauen lassen. Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien verbot die Praxis im März.

Die US-Medien berichten seit Tagen von schwulen und lesbischen Paaren, die sich möglichst rasch das Jawort geben wollen. Viele hätten den Wunsch, bei dem historischen Moment dabei zu sein und auf der anderen Seite Angst, dass es wieder schnell vorbei sein könnte, schreibt die Tageszeitung "Boston Globe". In vielen Interviews haben Paare auf Schwierigkeiten und Intoleranz sowie auf einen Boykott in den eigenen Familien hingewiesen. Viele bedauerten auch, dass in dem vorwiegend römisch-katholischen Massachusetts nur eine standesamtliche, aber keine kirchliche Trauung möglich sei.



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