US-Spielzeug Häuserkampf im Kinderzimmer

Während US-Präsident George W. Bush die Welt auf einen Feldzug gegen Saddam Hussein einstimmt, erobern "Tora Bora Ted" und "G.I. Joe" die Zimmer der amerikanischen Kinder. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bereitet sich die Spielzeug-Industrie auf den Ansturm kriegslüsterner Eltern vor.

San Francisco – Für Kinder ab fünf Jahren bietet ein Kaufhaus den "Forward Command Post" (Kommandoposten) an. Die "komplett ausgerüstete Kampfzone" kostet rund 46 Euro und enthält neben Spielzeugwaffen und einer amerikanischen Flagge auch Stühle und andere Möbel. Ein anderer Spielzeugriese lädt mit seinem "Elite Operations"-Kommandoposten noch jüngere Kunden, von null bis fünf Jahren, zum Kampf in der Puppenstube ein.

Interessant für die Weihnachts-Shopper soll auch das zweistöckige Puppenhaus im Katalog einer anderen Kaufhauskette sein: Es hat einen blau-weiß karierten Küchenboden, hellgelb gestrichene Wände und einen weiß getünchten Zaun. Doch da hört die Ähnlichkeit mit einer traditionellen Puppenstube auch schon auf. Denn eine Hauswand ist kaputt, die Scheiben zerbrochen, die Zimmer mit Einschusslöchern übersät. Auf dem Balkon steht ein Soldat in voller Kampfmontur, sein Maschinengewehr auf den imaginären Feind gerichtet.

Der Betreiber der Spielzeug-Webseite "Protect and Serve Toys" erklärte dem "San Francisco Chronicle", dass seine Kunden vor dem 11. September in erster Linie Kriegsspielzeug mit Emblemen und Waffen vom Zweiten Weltkrieg bestellten. Doch jetzt seien moderne US-Ausrüstungen vor allem für den Kampf in der Wüste der große Renner.

Bei den neuen Helden im Kinderzimmer haben Eltern und ihre Zöglinge zum Beispiel die Wahl zwischen Clay Ramsey, der als "Counter-Terrorism"-Spezialist mit Waffen, Handgranaten und einem Kampfmesser ausgerüstet ist und "Tora Bora Ted", einem Soldaten für Sondereinsätze in Afghanistan. Ein Hersteller verpackt das Wort "Peace" (Frieden) in sein Angebot. Doch die "World Peace Keepers Battle Station" für Kinder ab drei Jahren ist alles andere als friedfertig: Das Plastik-Spielset enthält Raketen, Granaten, Maschinengewehre und reichlich Munition.

Der US-Autor Gerard Jones, der ein Buch über die Angstbewältigung von Kindern geschrieben hat, hält einige Kriegsspielzeuge für unbedenklich. So würde er seinen neunjährigen Sohn mit Plastiksoldaten spielen lassen, meint der überzeugte Kriegsgegner. Eine zerschossene Puppenstube, die als Kommandoposten vermarktet wird, hält er allerdings für bedenklich. Denn "realistische Spielzeuge verstärken die Ängste von Kindern, statt sie spielerisch abzubauen", glaubt Jones.

Ein Kunde ließ seinen Ärger über den Kommandoposten für Kleinkinder auf der Internetseite http://www.amazon.com freien Lauf. "Diese ausgebombte Version von Barbies Traumhaus wird selbst in den friedlichsten Vorschulkindern blutrünstige Gefühle hervorbringen", kommentiert der Kunde und fügt sarkastisch hinzu, dass das Spielset leider keine verstümmelten Kinder als Aktionsfiguren enthalte.