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Umstrittener Fall in Texas US-Gericht erlaubt hirntoter Schwangeren den Tod

Der Fall bewegte Amerika: Ärzte ließen die hirntote Marlise Muñoz nicht sterben, weil sie schwanger war. Ein texanisches Gesetz verlangte es so - gegen den erklärten Willen der Frau. Nun hat ein Gericht angeordnet, die Maschinen abzuschalten.

Fort Worth - Ärzte im texanischen Fort Worth halten seit zwei Monaten die 33-jährige hirntote schwangere Marlise Muñoz am Leben - gegen ihren erklärten Willen. Nun hat das zuständige Bezirksgericht entschieden, dass die Geräte bis Montagnachmittag abgestellt werden sollen.

Über Muñoz Recht auf einen selbstbestimmten Tod wird in den USA hitzig debattiert - es berührt Fragen um Abtreibung und Sterbehilfe. Texas gehört zu den zwölf US-Bundesstaaten, in denen schwangere Frauen laut Gesetz unter allen Umständen am Leben gehalten werden müssen.

Muñoz brach Ende November wegen einer Lungenembolie zusammen. Ihrem Ehemann Erick zufolge war unklar, wie lange der Fötus damals nicht mit Sauerstoff versorgt wurde. Muñoz hatte nach Schilderung der Angehörigen den Wunsch geäußert, nicht künstlich am Leben gehalten zu werden. Da Muñoz im vierten Monat schwanger war, als sie zu Hause kollabierte, bestand das Krankenhaus auf lebensverlängernden Maßnahmen, um das ungeborene Baby zu retten.

Nun jedoch wollen die Ärzte das Urteil akzeptieren. Das John-Peter-Smith-Krankenhaus in Fort Worth teilte mit, dem Richterspruch Folge zu leisten. Die Einrichtung hätte Berufung einlegen können. Aus den bei Gericht vorgelegten Krankenhausdokumenten geht laut "New York Times"  hervor, dass Muñoz zwei Tage nach Einlieferung ins Krankhaus hirntot war und ihr ungeborenes Kind "nicht überlebensfähig" sei.

Die Anwältin der Familie Muñoz argumentierte vor Gericht, der Gesetzgeber könnte wohl kaum ausschließlich auf die Rechte des ungeborenen Kindes abzielen, ohne die Rechte der Mutter zu achten. Die Anwältin führte aus: Wenn das Gesetz tatsächlich so intendiert gewesen sei, müsse die gesamte Notfallmedizin in dem US-Staat anders arbeiten. Notärzte, die zu Unfällen gerufen werden, müssten beispielsweise sterbende Frauen am Unfallort grundsätzlich Schwangerschaftstests unterziehen, um sicherzugehen, dass sie nicht gegen das Gesetz verstoßen. Die Anwältin argumentierte vor Gericht laut "New York Times": "Schwangere Frauen sterben jeden Tag. Wenn sie sterben, sterben die Föten mit ihnen. So war es immer schon, so sollte es sein."

Bei der Urteilsverkündung sank Erick Muñoz weinend zusammen. Seine Anwältin sagte nach der Verhandlung: "Nichts an diesem Tag ist fröhlich."

lis/AFP
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